KI-Trainings-Streit, Microsoft-Chef

KI-Trainings-Streit: Microsoft-Chef nennt Scraping „Diebstahl beispiellosen Ausmaßes

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 17:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Entsiegelte Unterlagen offenbaren interne Zweifel am KI-Training mit Nachrichten und liefern der New York Times Argumente gegen Fair Use.

New York Times gegen Microsoft und OpenAI: Interne Kritik belastet Verteidigung
Dunkler, minimalistischer Serverraum mit metallischen Rack-Gehäusen in einer industriellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Neu entsiegelte Gerichtsdokumente im Urheberrechtsstreit zwischen der New York Times und den Unternehmen Microsoft und OpenAI zeigen, dass Mitarbeiter beider Konzerne intern erhebliche Bedenken gegenüber der Nutzung von Nachrichtenartikeln für das KI-Training äußerten.

Wie Reuters unter Berufung auf die Unterlagen berichtete, argumentieren die New York Times und weitere klagende Verlage nun, diese internen Aussagen von Führungskräften untergrüben die Fair-Use-Verteidigung der beiden Unternehmen vor dem Manhattan Federal Court.

Microsoft-Direktor sprach von „Diebstahl beispiellosen Ausmaßes"

Besonders deutlich äußerte sich laut den Dokumenten Microsoft-Direktor Brent Hecht. Im Januar 2023 bezeichnete er das KI-Scraping intern als „erstaunlichen Diebstahl beispiellosen Ausmaßes" und als „größten Arbeitsdiebstahl in der Geschichte der Menschheit".

Das Fair-Use-Argument, mit dem sich Microsoft und OpenAI vor Gericht verteidigen, nannte Hecht laut den Berichten von Ars Technica eine „komplette Verhöhnung von Fair Use" beziehungsweise „vollkommen lächerlich".

Zudem warnte er intern vor einem „versehentlichen Vertuschungsversuch". Weitere interne Dokumente warnten laut einem Bericht von heise.de vor einem „Doom Loop" für die Content-Lieferkette, der sowohl den KI-Modellen selbst als auch dem gesamten Web schaden könne.

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Microsoft-Daten aus den Unterlagen zeigen zudem, dass die Klickrate auf nytimes.com über die Copilot-Antwortfunktion im Vergleich zur klassischen Bing-Suche um bis zu 93 Prozent niedriger liegt. Für andere klagende Verlage lagen die Rückgänge laut Ars Technica zwischen 83 und 93 Prozent beziehungsweise zwischen 51 und 94 Prozent.

OpenAI: Millionen Artikel in Trainingsdaten

Auch bei OpenAI zeichnen die Dokumente ein brisantes Bild. Laut TechCrunch enthielten die Midtraining-Datensätze des Unternehmens mehr als 91.692 Werke von der New York Times, der Daily News und dem Center for Investigative Reporting.

Der verwendete Common-Crawl-Datensatz umfasste mehr als zwei Millionen Dokumente von nytimes.com, das sogenannte Project Mango mindestens 160.903 einzigartige Werke. Nach Angaben der New York Times wurden insgesamt Inhalte aus mehr als zehn Millionen Artikeln gescrapt, fast ein Drittel davon von der Zeitung selbst.

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ChatGPT-Chef Nick Turley wird in den Dokumenten mit der Aussage zitiert, Verlage stünden durch die eigenen KI-Produkte vor einer „existenziellen Bedrohung" – die Produkte seien „weitgehend substitutiv, Punkt". OpenAI-Mitgründer Greg Brockman soll laut Ars Technica auf eine Umgehung von Paywalls mit den Worten „ah nice" beziehungsweise „Oh, nice" reagiert und sich als „zutiefst von den Unmengen Geld motiviert" bezeichnet haben.

Microsoft-CEO Satya Nadella erklärte demgegenüber eidesstattlich, Inhalte hinter Paywalls sollten lizenziert werden.

Unternehmen weisen Aussagen als Einzelmeinungen zurück

Ein Microsoft-Sprecher bezeichnete Hechts Äußerungen als individuelle Perspektive eines einzelnen Mitarbeiters, die keine juristische Analyse darstelle und nicht die Position des Unternehmens widerspiegele. Copilot ersetze Journalismus nicht, hieß es weiter.

Microsoft-Sprecher Alex Haurek bekräftigte laut aa.com.tr, dass es sich bei den Memos um Einzelmeinungen handle. OpenAI verteidigt sich zudem mit dem Argument, niemand besitze Fakten an sich, und verweist darauf, dass Traffic und Abonnentenzahlen der New York Times seit der Einführung von ChatGPT gestiegen seien.

Der Klage, die die New York Times Ende 2023 einreichte, sind inzwischen elf weitere Verlage beigetreten, darunter Ziff Davis (Betreiber von CNET), die Mutter des Magazins Mother Jones, The Intercept, das Center for Investigative Reporting, die New York Daily News sowie mehrere lokale US-Zeitungen.

Das Verfahren trägt die Aktenzeichen-Bezeichnung 1:25-md-03143-SHS-OTW und liegt bei Richter Sidney H. Stein, der derzeit Anträge auf ein Summary Judgment prüft. Mit einem Urteil wird nicht vor 2027 gerechnet. Anfang September 2026 hatte sich das US-Justizministerium in einem Brief auf die Seite von OpenAI und Microsoft gestellt.

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