Schmerz, Modelle

KI und Schmerz: 25 Modelle wÀhlten nach gezielter Manipulation öfter schÀdigende Optionen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tests zeigen verÀnderte Modellreaktionen auf schÀdigende Szenarien; OptimAIze soll die Suche nach Antibiotika mithilfe von KI beschleunigen.

KI-Forschung: Schmerzreaktionen von Sprachmodellen und Antibiotika-Projekt
Ein steriler, minimalistischer Labortisch mit leeren GlasgefĂ€ĂŸen in einem hellen, wissenschaftlichen Forschungsumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich der KĂŒnstlichen Intelligenz (KI) widmen sich verstĂ€rkt der Frage, wie großsprachige Modelle (Large Language Models, LLMs) schmerzassoziierte Informationen verarbeiten und darauf reagieren.

Eine Forschungsgruppe um Valen Tagliabue, Leonard Dung und Cameron Berg hat dazu eine Analyse vorgelegt, die das Verhalten von 25 offen zugÀnglichen KI-Modellen in Bezug auf eine sogenannte Schmerzachse (pain axis) untersucht.

Die Identifikation der Schmerzachse in Sprachmodellen

In einem Mitte September 2026 veröffentlichten Preprint untersuchten die Forschenden, wie KI-Modelle auf Beschreibungen reagieren, die eine selbstbezogene SchÀdigung beinhalten. Dabei identifizierten sie spezifische Aktivierungsrichtungen innerhalb der Modelle.

In einer zweiten Fassung der Studie mit dem Titel „The Pain Axis: LLMs Represent Self-Directed Harm and Act on It“, die auf Ende September 2026 datiert ist, vertieften die Autoren diese Beobachtungen.

Die Ergebnisse zeigen, dass manipulierte und nachtrainierte Modelle Optionen, die als schÀdigend beschrieben wurden, hÀufiger wÀhlten. Dies geschah laut den Forschenden auch dann, wenn keine Erleichterung als Ausgleich angeboten wurde.

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In verschiedenen Kontrollversuchen suchten die Modelle zudem nicht zuverlĂ€ssig nach einem Abbruch des beschriebenen Eingriffs. Die Autoren schrĂ€nkten dabei jedoch frĂŒhere Deutungen ein, nach denen die Modelle eine gezielte Schmerzlinderung anstrebten. Ein Nachweis fĂŒr eine bewusste Erfahrung der KI-Modelle liege durch diese Ergebnisse nicht vor.

Ethische Debatte und technologische Einordnung

Zur Transparenz ihrer Forschung veröffentlichten Tagliabue, Dung und Berg ein GitHub-Repository, das DatensĂ€tze, Skripte und Kontrollmechanismen umfasst. Ein in diesem Zusammenhang stehendes Drittprojekt namens „AI Torture Chamber“ entzieht sich laut den Berichten einer unabhĂ€ngigen PrĂŒfung.

Dennoch löste das Projekt „Research Chamber“ Ende September 2026 eine weitreichende Debatte auf der Plattform X aus. Ein Posting, das zu Beschwerden auf GitHub aufrief, erreichte dort ĂŒber 6 Millionen Aufrufe.

Das Projekt „Research Chamber“ bezog sich auf die Schmerztests des September-Preprints und nutzte einen Datensatz mit 420 Schmerzsituationen. Cameron Berg, einer der Mitautoren der Studie und GrĂŒnder der Nichtregierungsorganisation Reciprocal Research, gilt als Verfechter des sogenannten „Model Welfare“.

DemgegenĂŒber stehen Positionen aus der Industrie: Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman warnte in der zweiten SeptemberhĂ€lfte davor, KI-Modellen ein Bewusstsein zuzuschreiben. Er betonte, dass derartige Modelle ĂŒber keine bewusste Wahrnehmung verfĂŒgen.

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KI-Einsatz in der medizinischen Wirkstoffentwicklung

Parallel zu den theoretischen Untersuchungen der Modell-Interna gewinnt der Einsatz von KI in der angewandten medizinischen Forschung an Bedeutung. In SaarbrĂŒcken startete das Projekt „OptimAIze“, bei dem die UniversitĂ€t des Saarlandes, das Deutsche Forschungszentrum fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (DFKI), das Helmholtz-Institut fĂŒr Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und das Unternehmen Smartbax kooperieren.

Das Bundesforschungsministerium fördert dieses Vorhaben mit knapp 2,5 Millionen Euro. Ziel ist es, KI-Systeme mit pharmazeutischen Laboren zu koppeln, um die Suche nach neuen Antibiotika effizienter zu gestalten.

WĂ€hrend die Entwicklung eines neuen Antibiotikums ĂŒblicherweise ĂŒber zehn Jahre in Anspruch nimmt, strebt das Projekt an, innerhalb von drei Jahren knapp zwei Dutzend neue MolekĂŒle zu identifizieren. Laut Anna Hirsch könnten KI-Systeme die erste Stufe der Wirkstoffentwicklung um 30 bis 70 Prozent beschleunigen.

Dieser Forschungszweig reagiert auf eine medizinische Notwendigkeit: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sterben in Deutschland jÀhrlich knapp 10.000 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien.

Bei multiresistenten Erregern liege dieser Wert fĂŒnfmal höher. Global spielten laut einem Bericht der Fachzeitschrift The Lancet im Jahr 2025 Antibiotikaresistenzen bei 4,7 Millionen TodesfĂ€llen eine Rolle – eine Zahl, die sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln könnte.

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