KI-Unterricht, Schüler

KI-Unterricht: 63% der Schüler fühlen sich allein gelassen

30.05.2026 - 00:09:26 | boerse-global.de

Berlins Bildungssystem kämpft mit Sanierungsstau, Lehrermangel und Digitalisierungsdefiziten. Hohe Investitionen und Reformen sind dringend nötig.

KI-Unterricht: 63% der Schüler fühlen sich allein gelassen - Foto: über boerse-global.de
KI-Unterricht: 63% der Schüler fühlen sich allein gelassen - Foto: über boerse-global.de

Während die Politik Reformen verspricht, kämpfen Schulen und Hochschulen mit maroden Gebäuden, überlastetem Personal und veralteten Lehrplänen.

Milliardenloch an den Hochschulen

Die bauliche Misere der Berliner Hochschulen hat ein neues Ausmaß erreicht. Nach der Schließung des TU-Hauptgebäudes Ende Mai wurden Investitionsbedarfe von rund 2,4 Milliarden Euro bekannt. Die Humboldt-Universität benötigt 1,2 Milliarden Euro für 174 Gebäude, 30 davon gelten als akut sanierungsbedürftig. An der Freien Universität übersteigt der Bedarf für 130 von 280 Liegenschaften die Summe von 1,7 Milliarden Euro.

Auch an den Schulen ziehen sich Bauprojekte endlos hin. Die Sanierung der Grundschule am Weißen See in Pankow begann 2018 – nach acht Jahren ist sie immer noch nicht abgeschlossen. Der Senat reagiert mit der Gründung einer Hochschulbaugesellschaft, die zentrale Bauprojekte über Kredite und Mieteinnahmen finanzieren soll. Immerhin gibt es Lichtblicke: Der Neubau des „Hauses der Familie und Bildung“ in Friedrichshain startete im April und soll bis Ende 2027 für rund 9 Millionen Euro fertig werden.

Lehrermangel und Bürokratie-Wahnsinn

Der akute Personalmangel belastet das System zusätzlich. Der Landeselternausschuss forderte Ende Mai einen Entlastungsplan für Berlin. Pädagogisches Personal müsse von Verwaltungsaufgaben befreit werden, um sich auf den Unterricht konzentrieren zu können.

Für Zündstoff sorgt eine geplante Gesetzesänderung: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert die Novelle des Personalvertretungsgesetzes scharf. Die Prüffrist für Neueinstellungen soll von zwei Wochen auf eine Woche verkürzt werden. „Die Verzögerungen liegen bei sechs bis neun Monaten in der Verwaltung, nicht bei den Personalräten“, sagt GEW-Landesvorsitzender Akgün. Dazu kommt ein Streit um die Kosten: Ein Gutachten sieht Ausgaben von 28 Millionen Euro für 360 Stellen in Schulpersonalräten vor – aktuell werden 7,8 Millionen Euro für 98 Stellen ausgegeben.

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KI-Bildung: Schüler fühlen sich allein gelassen

Die Digitalisierung kommt an Berlins Schulen nur schleppend voran. Eine Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks unter 3.200 Kindern und Jugendlichen zeigt erschreckende Defizite: 63 Prozent lernen in der Schule zu wenig über Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz. Mehr als die Hälfte sieht zudem Mängel beim Datenschutz-Unterricht und bei technischen Experimentiermöglichkeiten.

Das Problem betrifft die gesamte Gesellschaft. Eine Bitkom-Studie vom Mai zeigt: 91 Prozent der Bundesbürger wurden bereits mit Fake News konfrontiert. Obwohl 89 Prozent Deepfakes für gefährlich halten, trauen sich nur 34 Prozent zu, diese sicher zu erkennen. Die Folge: 85 Prozent fordern mehr Aufklärung in den Schulen. An den Hochschulen nutzen zwar 63 Prozent der Studierenden KI, aber 43 Prozent der Einrichtungen bieten keine entsprechenden Schulungen an.

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Soziale Ungleichheit und Inklusion unter Druck

Bildungschancen in Deutschland hängen weiter stark von Herkunft und Wohnort ab. Berliner Schüler belegen in bundesweiten Rankings regelmäßig hintere Plätze. Kritiker führen das auf verstaubte Lehrpläne und eine Vernachlässigung struktureller Probleme zurück.

Besonders brisant: Ein Referentenentwurf zur Reform der Eingliederungshilfe plant, den individuellen Rechtsanspruch auf Schulbegleitung weitgehend durch eine infrastrukturelle Bildungsassistenz zu ersetzen. Das Ziel: Einsparungen von über 2 Milliarden Euro pro Jahr innerhalb der nächsten Dekade. Fachleute warnen vor einer Verschlechterung für Kinder mit Förderbedarf und sehen mögliche Konflikte mit der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Zahl der Schulbegleitungen ist zwischen 2009 und 2019 bereits um 156 Prozent gestiegen.

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