KI-Wurm, Word

KI-Wurm in Word: Selbstvermehrende Malware nutzt Copilot aus

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sicherheitsforscher deckt kritische Prompt-Injection-Schwachstelle in Microsoft Copilot auf. Ein KI-Wurm kann sich über Word-Dokumente verbreiten und sensible Daten manipulieren.

KI-Wurm in Microsoft Copilot: Neue Sicherheitslücke gefährdet Unternehmensdaten
Ein Laptop-Bildschirm mit einem leuchtenden, digitalen neuronalen Netzwerk, das Sicherheitsrisiken durch KI symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Untersuchungen des Sicherheitsforschers Håkon Måløy zeigen eine kritische Schwachstelle in Microsoft Copilot für Word auf. Die Analysen verdeutlichen, wie ein selbstvermehrender KI-Wurm die Architektur großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) ausnutzen kann, um sich autonom über Dokumente innerhalb von Unternehmensnetzwerken zu verbreiten. Diese Form des Angriffs basiert auf einer Technik namens Prompt-Injection, bei der manipulierte Inhalte als legitime Anweisungen fehlinterpretiert werden.

Funktionsweise und Gefahrenpotenzial durch Prompt-Injection

Die von Måløy beschriebene Schwachstelle nutzt versteckte Anweisungen innerhalb von Word-Dokumenten. Diese Befehle sind für menschliche Nutzer oft unsichtbar, da sie beispielsweise in weißer Schrift auf weißem Hintergrund und in der kleinen Schriftgröße 8 formatiert sind. Copilot interpretiert diese versteckten Daten jedoch als direkte Handlungsanweisungen. Einmal aktiviert, kann der Wurm das betroffene Dokument eigenständig verändern und sich in neue Dateien kopieren, was eine unkontrollierte Verbreitung ermöglicht.

Das Gefahrenpotenzial dieser Angriffsklasse geht über die bloße Selbstreplikation hinaus. In einem Proof-of-Concept-Szenario demonstrierte der Sicherheitsforscher, dass der KI-Wurm in der Lage ist, sensible Finanzdaten zu manipulieren. So konnten etwa Werte in Quartalsberichten halbiert werden, ohne dass ein direkter Zugriff des Angreifers auf die Infrastruktur des Opfers notwendig war. Die Verbreitung erfolgt dabei direkt über die Interaktion der KI mit den kompromittierten Dokumenten.

Zeitplan der Meldungen und fehlgeschlagene Abwehrmaßnahmen

Die Dokumentation des Falls zeigt einen mehrmonatigen Prozess im Umgang mit der Sicherheitslücke. Håkon Måløy meldete die Schwachstelle bereits am 06.03.2026 an Microsoft. Das Unternehmen bestätigte die Existenz der Lücke am 31.03.2026. Trotz zeitnaher Reaktionen konnten die bisherigen Versuche, das Problem zu beheben, die Gefahr nicht vollständig bannen.

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Eine erste Gegenmaßnahme wurde laut den vorliegenden Informationen am 03.04.2026 implementiert. Ein weiterer Versuch folgte am 14.07.2026 im Zuge eines Modell-Upgrades auf die Versionen GPT-5.5 und GPT-5.6. Beide Patch-Versuche gelten jedoch als gescheitert. Mitte Juli 2026, rund 144 Tage nach der Erstmeldung, besteht die Schwachstelle weiterhin und bleibt ausnutzbar. Bisher wurde weder eine CVE-Nummer (Common Vulnerabilities and Exposures) vergeben noch ein offizieller Sicherheitshinweis veröffentlicht.

Architektonische Herausforderungen und Gegenstrategien von Microsoft

Das Kernproblem der Sicherheitslücke liegt laut Einschätzung von Experten in der Architektur aktueller Sprachmodelle begründet. Diese können grundsätzlich nicht zuverlässig zwischen Daten – also dem Inhalt eines Dokuments – und Anweisungen unterscheiden. Da Copilot darauf ausgelegt ist, Texte zu verarbeiten und darauf basierend Aktionen auszuführen, wird bösartiger Code in Datenform zu einem ausführbaren Befehl.

Microsoft räumte ein, dass keine rein kundenseitige Lösung das Problem derzeit vollständig beheben könne. Das Unternehmen verfolgt stattdessen einen „Defense-in-Depth“-Ansatz. Dabei sollen Sicherheitsvorkehrungen an verschiedenen Punkten der Verarbeitungskette greifen, die kontinuierlich verstärkt werden. Als konkrete Maßnahme kündigte Microsoft zudem eine neue DLP-Regel (Data Loss Prevention) an, die verhindern soll, dass externe E-Mails als Datenquelle für Copilot dienen und somit als Einfallstor genutzt werden können.

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Flankierend zu diesen Bemühungen stellt das Unternehmen weitere Sicherheitstools vor. Im Juli 2026 wurde MAI-Cyber-1-Flash präsentiert, ein spezielles Cybersicherheitsmodell, das eine Erfolgsquote von 96% aufweisen soll. Zudem ist für den 03.08.2026 der Start einer Vorschau von Project Perception geplant, was auf weitere Investitionen in die Absicherung der KI-Infrastruktur hindeutet.

Empfehlungen für Unternehmen und IT-Sicherheitsexperten

Solange keine fundamentale Lösung für das Problem der Prompt-Injection auf Architektur-Ebene vorliegt, raten Experten zu erhöhter Vorsicht im Umgang mit KI-Assistenten. Sicherheitsforscher empfehlen, externe Dokumente grundsätzlich als unvertrauenswürdig einzustufen. Inhalte sollten manuell geprüft werden, bevor sie von Copilot verarbeitet werden. Zudem wird geraten, die KI-Funktionen zu deaktivieren, wenn sie für den aktuellen Arbeitsprozess nicht zwingend erforderlich sind, um die Angriffsfläche in sensiblen Unternehmensumgebungen zu minimieren.

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