Kieferknacken, Echtzeit-MRT

Kieferknacken: Echtzeit-MRT zeigt Bewegungen beider Gelenke beim Kauen

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine ausgezeichnete MRT-Methode macht Kiefergelenke unter Kaubelastung sichtbar; der Artikel beleuchtet zudem Knirschen, mögliche Ursachen und rheumatische Zusammenhänge.

Kieferknacken: Echtzeit-MRT zeigt Gelenkbewegungen beim Kauen
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Zahnarztpraxis mit Fokus auf eine ruhige, klinische Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Ein Knacken im Kiefergelenk beim Öffnen oder Schließen des Mundes ist ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Betroffene verunsichert. Wie ein Leitfaden von dentprime.com erläutert, wird das Geräusch häufig mit einer sogenannten anterioren Diskusverlagerung mit Reposition in Verbindung gebracht – einer Situation, bei der sich die Gelenkscheibe im Kiefergelenk kurzzeitig verschiebt und beim Zurückgleiten das charakteristische Knacken erzeugt.

Als mögliche Auslöser nennt der Leitfaden Pressen und Knirschen, einen Fehlbiss, einseitiges Kauen, fehlende Zähne, seitlichen Schlafdruck oder ein Trauma.

Wann Behandlung nötig ist – und wann nicht

Nach Einschätzung von dentprime.com stellt ein schmerzloses Knacken keinen Notfall dar, eine zahnärztliche Kontrolle wird dennoch empfohlen. Zur Selbsthilfe rät der Leitfaden zu zwei bis drei Wochen weicher Kost, dem Vermeiden von weitem Öffnen und Kaugummikauen sowie einer feuchtwarmen Auflage, die zweimal täglich für zehn bis 15 Minuten angewendet werden sollte.

Bei anhaltenden oder schmerzhaften Beschwerden reicht das Spektrum der Behandlungen laut dentprime.com von Aufbissschienen über Physiotherapie und entzündungshemmende Medikamente bis hin zu Botulinumtoxin-Injektionen; bei hartnäckigen Blockaden kommt auch eine Arthrozentese infrage.

Neue bildgebende Verfahren zeigen Bewegungsabläufe in Echtzeit

Wie stark Kiefergelenke tatsächlich beansprucht werden, lässt sich inzwischen präziser darstellen als bisher. Die DGZMK verlieh den Deutschen Millerpreis 2026 an Eva Paddenberg-Schubert, Sebastian Krohn und ihr interdisziplinäres Team für die Entwicklung einer Multi-Slice-Echtzeit-MRT, die beide Kiefergelenke unter tatsächlicher Kaubelastung sichtbar macht.

Die Untersuchungen des Teams ergaben, dass Rotation und Translation im Gelenk bereits bei kraftfreien Ă–ffnungs- und SchlieĂźbewegungen gekoppelt auftraten.

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Die Härte der getesteten Nahrungsmittel – Brot, Käse, Karotte und Karamell – beeinflusste die Bewegungsabläufe insgesamt nicht signifikant. Beim einseitigen Kauen zeigten sich jedoch auf der Balanceseite deutlich größere Vorwärtsbewegungen, und bei einer Diskusverlagerung ohne Reposition traten laut dem Team ausgeprägte Veränderungen der Gelenkbewegung auf.

Wie apw.de berichtete, sorgte die Auszeichnung im Rahmen der Fortbildungstage der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt für Aufmerksamkeit, zu denen laut Archivangaben mehr als 700 Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxisteams zusammenkamen.

Zähneknirschen als häufige Begleiterscheinung

Ein weiterer Faktor, der Kiefergelenke belastet, ist nächtliches wie tagsüber auftretendes Knirschen und Pressen. Wie die Bezirkszahnärztekammer Tübingen im Rahmen der 61. Bodenseetagung in Lindau darlegte, können Knirschen, Fehlbiss und Stress zu Zahnschäden führen; bei anhaltender Belastung kann der Zahnschmelz bis zur Freilegung des Zahnbeins abgetragen werden.

Individuelle Aufbissschienen schützen zwar vor weiterem Abrieb, beseitigen aber nicht zwingend die Ursache. Als mögliche Einflussfaktoren nannte die Kammer Stress, Schlafqualität, Alkohol, Nikotin, Koffein, Medikamente und Schlafapnoe – bei entsprechenden Hinweisen könne eine fachübergreifende Abklärung sinnvoll sein.

Die Psychologin Lisa Göschlberger ordnet Bruxismus stärker in einen psychologischen Kontext ein: Chronischer Stress könne Zähnepressen und -knirschen begünstigen, mit Folgen wie Kiefergelenkschmerzen, ausstrahlenden Kopf- und Nackenbeschwerden sowie schlechterem Schlaf. Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 Prozent der Erwachsenen von Bruxismus betroffen, meist nachts.

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Als weitere mögliche Faktoren nennt Göschlberger Zahn- und Kieferfehlstellungen, neurologische Erkrankungen sowie bestimmte Medikamente. Zur Behandlung zählt sie Aufbissschienen, Wärmeanwendungen, zahnmedizinische Korrekturen und teils Botox; bei stressbedingten Beschwerden empfiehlt sie einen multimodalen Ansatz.

Verdauung und Psyche als ĂĽbersehene Dimensionen

DGZMK-Präsident Peter Proff wies darauf hin, dass Kauen die Nahrung für Schlucken und Verdauung vorbereitet. Studien legten einen Zusammenhang zwischen verminderter Kauleistung und Magen-Darm-Beschwerden nahe; bei Fehlbiss seien Veränderungen der Verdauung und eine verzögerte Magenentleerung beobachtet worden. Das über 20 Jahre angelegte Greifswalder EFAFU-Projekt habe zudem bestimmte Zahnfehlstellungen mit einem erhöhten Zahnverlustrisiko in Verbindung gebracht.

Weitere Studien zeigten Zusammenhänge zwischen Fehlstellungen und geringerem Selbstwertgefühl, Mobbingerfahrungen sowie eingeschränkter Lebensqualität – wobei Proff betonte, dass nicht jede Fehlstellung automatisch psychische Belastungen verursacht.

Rheumatische Erkrankungen als oft ĂĽbersehene Ursache

Ein Übersichtsartikel von M. Gála und M. Hušáková, veröffentlicht 2025 in ?es. Revmatol. (Band 33, Heft 4, Seiten 141–152), lenkt den Blick auf eine weitere, häufig übersehene Ursache: Kiefergelenkbeteiligungen treten den Autoren zufolge besonders bei rheumatoider Arthritis, axialer Spondyloarthritis und systemischer Sklerose auf.

Physiotherapie, insbesondere individuell angepasste Übungen mit Heimprogramm, könne Schmerzen lindern sowie Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern – belegt sei die Evidenz aber vor allem bei juveniler idiopathischer Arthritis, für andere Erkrankungen bleibe sie begrenzt und die Studienlage insgesamt dünn.

Klare Praxisempfehlungen fehlten daher bislang. In der Allgemeinbevölkerung liege die Prävalenz von Kiefergelenkbeteiligungen laut dem Übersichtsartikel bei etwa 31 Prozent, wobei die Diskusverlagerung mit Reposition mit rund 26 Prozent die häufigste Form darstelle.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass Kiefergelenkbeschwerden ein Zusammenspiel mechanischer, psychischer und in manchen Fällen entzündlich-rheumatischer Faktoren sind – ein Umstand, der sowohl in der bildgebenden Forschung als auch in der klinischen Praxis zunehmend Beachtung findet.

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