KinderernĂ€hrung: GemĂŒse verstecken wirkt langfristig kontraproduktiv
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ErnĂ€hrungspsychologie rĂŒckt zunehmend die langfristigen Folgen elterlicher Strategien am Esstisch in den Fokus. Aktuelle Analysen der Expertin Ronia Schiftan zeigen, dass gĂ€ngige Praktiken wie das Verstecken von GemĂŒse in Mahlzeiten oft nicht den gewĂŒnschten Erfolg bringen, sondern langfristig sogar kontraproduktiv wirken können.
Statt auf TĂ€uschung zu setzen, plĂ€dieren Fachleute fĂŒr eine bewusste Auseinandersetzung mit den intuitiven FĂ€higkeiten von Kindern und der Schaffung einer stressfreien Lernumgebung.
Psychologische Mechanismen am Familientisch
Laut Schiftan verfĂŒgen Kinder grundsĂ€tzlich ĂŒber ein intuitives Essverhalten. Dieses natĂŒrliche GespĂŒr fĂŒr den eigenen Bedarf werde jedoch im Laufe der Entwicklung durch gesellschaftliche Sozialisierung hĂ€ufig ĂŒberlagert oder verlernt. Ein wesentlicher Faktor fĂŒr das als schwierig empfundene Essverhalten â oft als âPicky Eatingâ bezeichnet â sei die Unsicherheit, die unbekannte Speisen bei Kindern auslösen.
Das Verstecken von ungeliebten Lebensmitteln wie GemĂŒse in Saucen oder anderen Gerichten erreiche laut der ErnĂ€hrungspsychologin hĂ€ufig das Gegenteil des Beabsichtigten.
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Anstatt die Akzeptanz fĂŒr das GemĂŒse zu erhöhen, werde die Chance vertan, dem Kind einen echten Lernprozess zu ermöglichen. Die Expertin betont, dass Geschmack gelernt werden mĂŒsse. Wenn Lebensmittel unkenntlich gemacht werden, könne keine echte Gewöhnung an das Nahrungsmittel stattfinden.
Lernmomente statt TÀuschungsmanöver
Ein zentraler Aspekt in der Beratung von Eltern ist die Gestaltung der Essensumgebung. Schiftan empfiehlt, Kindern die Möglichkeit zu geben, neue Lebensmittel in einer entspannten AtmosphÀre zu entdecken.
Druckmittel oder ultimativen Forderungen, wie etwa ein strenger âBasta-Satzâ, seien ungeeignet, da sie Stress am Familientisch erzeugen. Solcher Stress wirke sich wiederum negativ auf das Essverhalten und die Bereitschaft aus, Neues zu probieren.
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Stattdessen sei es sinnvoll, Lernmomente auĂerhalb der eigentlichen Mahlzeiten zu schaffen. Ein besonders effektiver Weg sei die Einbindung der Kinder in die Essensvorbereitung. In diesen ruhigen Phasen könnten neue Lebensmittel ohne den Erwartungsdruck einer Mahlzeit kennengelernt und untersucht werden. Die Entdeckung der Umgebung und der Zutaten spiele eine entscheidende Rolle fĂŒr die spĂ€tere Akzeptanz.
Die Rolle der elterlichen PrÀgung
Die Forschung verdeutlicht zudem, dass das Essverhalten der Kinder stark durch die eigene Biografie der Eltern beeinflusst wird. Die PrÀgung durch die Kindheit der Eltern bestimme oft, wie heute mit Konflikten am Esstisch umgegangen wird.
Schiftan weist darauf hin, dass Stresssituationen wÀhrend gemeinsamer Mahlzeiten die Entwicklung eines gesunden Essverhaltens behindern können. Eltern sollten sich daher ihrer Vorbildfunktion und ihrer eigenen PrÀgungen bewusst sein, um eine positive AtmosphÀre zu fördern.
FĂŒr eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Thema bietet das Buch âWie Kinder essenâ von Ronia Schiftan weiterfĂŒhrende Informationen. Das im Beltz-Verlag erschienene Werk umfasst 251 Seiten und ist unter der ISBN 978-3407869296 zum Preis von 22 Euro erhĂ€ltlich. Es beleuchtet die psychologischen HintergrĂŒnde der kindlichen ErnĂ€hrung und bietet AnsĂ€tze fĂŒr einen entspannteren Umgang mit Mahlzeiten in der Familie.
