Kinderernährung, Kind

Kinderernährung: Jedes sechste Kind übergewichtig, nur 35% essen Gemüse

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 21:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt steigende Adipositasraten bei Kindern. Initiativen wie „Acker“ und „Klasse2000“ fördern gesündere Ernährung und Bewegung.

Kinderernährung in Deutschland: Übergewicht und neue Lösungsansätze
Glückliche Kinder ernten frisches Gemüse in einem Schulgarten unter Anleitung, symbolisiert gesunde Ernährung und Bildung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Adipositasrate stieg zwischen 2003 und 2023 von 12 auf 20 Prozent. Besonders alarmierend: Bei Erwachsenen sind bereits mehr als die Hälfte der Frauen und rund zwei Drittel der Männer betroffen. Die jährlichen Kosten für das Gesundheitssystem? Rund 60 Milliarden Euro.

Was Kinder wirklich essen – und was nicht

Das Nationale Ernährungsmonitoring (nemo) des Max Rubner-Instituts zeigt ein gemischtes Bild. Zwar schätzen 48 Prozent der Befragten ihre eigene Ernährung als gesund ein. Doch nur 35 Prozent essen täglich Obst und Gemüse. Fleischlos leben gerade einmal 7 Prozent – 4 Prozent vegetarisch, 1 Prozent vegan, 2 Prozent pescetarisch. Und lediglich 27 Prozent erreichen die Bewegungsempfehlungen der WHO.

Praxis statt Theorie: Programme mit Wirkung

Die Initiative „Acker“ setzt auf naturnahes Lernen. Mit Programmen wie der „GemüseAckerdemie“ erreichte sie bereits 430.000 Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Fast 2.000 Bildungseinrichtungen machen mit. Ein zugehöriges Podcast-Format wurde mit dem BVKJ-Medienpreis 2026 ausgezeichnet.

Noch länger am Start ist „Klasse2000“. Seit 1991 erreichte das Programm über 2,5 Millionen Kinder. Aktuell nehmen rund 24.000 Kinder in 958 Schulklassen teil. Wissenschaftliche Studien belegen positive Effekte auf Ernährung, Bewegung und Suchtprävention.

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Auf lokaler Ebene gibt es ebenfalls Fortschritte. Eine Kindertagesstätte in Mannheim erhielt im Juli 2026 das Zertifikat „BEKI – Bewusste Kinderernährung“. Projekte wie „Greven is(s)t gesund!“ setzen auf praktische Kochkurse und Lebensmittelkennzeichnung für benachteiligte Kinder.

Die dunkle Seite: Supplemente und Zuckerfallen

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt – 2022 mit knapp 3 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland. Bis zu 7 Prozent der Kinder unter sechs Jahren und 15 Prozent der 6- bis 17-Jährigen erhalten solche Präparate. Die Verbraucherzentrale warnt: Drei Viertel der untersuchten Mittel für Kinder sind zu hoch dosiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht gesundheitliche Risiken bei übermäßiger Supplementierung.

Auch vermeintlich gesunde Lebensmittel sind oft Fallen. Hochverarbeitete vegane Fleischersatzprodukte, Fertig-Müsli sowie Säfte und Smoothies enthalten viel Salz, Fett oder Zucker. Säfte bringen es auf bis zu 13 Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

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Was die Politik plant – und was noch fehlt

Ab 2028 ist in Deutschland eine Zuckersteuer auf stark zuckerhaltige Getränke geplant. Die Leopoldina fordert eine Kostenübernahme für medikamentöse Adipositas-Therapien. Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel, die Kinder ansprechen, bleiben dagegen Entwürfe.

International gibt es Vorbilder. In Vietnam verbessert das „Happy Meal“-Projekt mit Biogärten und Ernährungsbildung an Schulen die Gesundheit der Kinder. Auch Südkorea und Japan setzen auf regionale, ökologische Versorgung in der Schulverpflegung.

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