Kindergeburtstage, Psychologin

Kindergeburtstage: Psychologin warnt vor Imponier-Verhalten und sozialem Druck

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Ansprüche belasten Familien; bei Jugendlichen zählen Freundschaften und gemeinsame Erlebnisse oft mehr als materielle Geschenke.

Kindergeburtstage: Psychologin warnt vor wachsendem Imponierdruck
Ein minimalistisch eingerichteter, leerer Raum mit einfallendem Sonnenlicht und einem einzelnen Holzstuhl in der Ecke. Illustration mit AI erstellt.

Kordula Gruhn, Psychologin bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, warnt vor einer problematischen Entwicklung bei Kindergeburtstagen. Wie die Frankfurter Rundschau berichtete, präge zunehmend ein Imponier-Verhalten die Gestaltung solcher Feiern.

Unter der Devise, dass jedes Fest größer, toller und damit auch teurer ausfallen müsse, steigen die Erwartungen kontinuierlich. Diese Entwicklung bringe jedoch erhebliche soziale Spannungen mit sich, da längst nicht alle Familien finanziell in der Lage seien, mit diesem Aufwand Schritt zu halten.

Debatte über Konsum und Mitgebsel

Der wachsende materielle Aufwand rund um private Feste sorgt auch im Netz für Diskussionen. Ein Beitrag von Larissa Hofer auf der Plattform LinkedIn, der sich kritisch mit Gastgeschenken auseinandersetzte, verzeichnete binnen einer Woche mehr als 40.000 Aufrufe sowie 240 Kommentare.

Hofer betrachtet die verbreiteten Präsente für Gastkinder als erzieherisches Problem. Statt bei jedem Anlass eigene Geschenke zu erwarten, sollten Kinder lernen, sich aufrichtig für das Geburtstagskind zu freuen.

Psychologische Ursachen für den Geburtstags-Blues

Der Druck rund um Geburtstage betrifft jedoch nicht nur Kinder und deren Eltern. Auch im Erwachsenenalter führt der eigene Ehrentag häufig zu Unbehagen, das in der Fachwelt als Geburtstags-Blues bekannt ist. Für diese Abneigung gibt es mehrere psychologische Ursachen.

Anzeige

Immer größer, teurer, aufwendiger – viele Familien können bei diesem Tempo nicht mehr mitziehen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Kindergeburtstage entspannt planen, echte Wünsche Ihrer Kinder erfragen und ohne Konsumzwang feiern. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern

Eine wesentliche Rolle spielt das Bedürfnis nach echten zwischenmenschlichen Verbindungen anstelle oberflächlicher Aufmerksamkeit. Dass tiefgründige Gespräche das Wohlbefinden signifikant steigern, belegt unter anderem eine Untersuchung im Fachblatt Journal of Research in Personality.

Zudem kann das Jubiläum eine spürbare seelische Belastung darstellen. Gegenüber dem Magazin Dazed legte der Psychotherapeut Mark Vahrmeyer dar, dass der Geburtstag oft wie eine jährliche Konfrontation zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Selbst wirke. Insbesondere runde Zahlen wie der 30., 40. oder 50. Geburtstag verstärkten diesen Effekt.

Weitere Gründe für ein Meiden von Feierlichkeiten sind der Selbstschutz vor Enttäuschungen, eine abweichende Definition von Wertschätzung sowie der Wunsch nach kontrollierten Umgebungen, worauf eine Studie in der Zeitschrift Personality and Individual Differences hinweist.

Neue Prioritäten im Jugendalter

Bei Jugendlichen verändern sich die Ansprüche an Geburtstage abermals deutlich. Viele Teenager wünschen sich häufig gar keine materiellen Dinge mehr. In dieser Entwicklungsphase gewinnen Freundschaften und das Streben nach Unabhängigkeit einen höheren Stellenwert als Konsumgüter.

Anzeige

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene leiden unter dem Erwartungsdruck rund um den eigenen Ehrentag. Der Leitfaden hilft Ihnen, Gespräche über echte Bedürfnisse zu führen und den Tag wieder als das zu erleben, was er sein sollte: ein Fest der Verbundenheit. Kostenlosen Leitfaden zur entspannten Geburtstagsplanung sichern

Zudem besitzen viele Heranwachsende bereits wichtige Ausstattungen wie Smartphones, Computer oder Kleidung. Hinzu kommt der Wunsch, den Eltern keine zusätzlichen Kosten zu verursachen oder die eigene Selbstständigkeit zu demonstrieren.

Fachleute raten Eltern daher dazu, Jugendliche frühzeitig zu fragen, wie sie ihren Geburtstag selbst verbringen möchten, statt pauschal nach Geschenkwünschen zu suchen. Gefragte Alternativen sind gemeinsame Unternehmungen wie Kinoabende, Einkaufsbummel oder Restaurantbesuche. Sollen dennoch Präsente überreicht werden, stoßen kleinere Aufmerksamkeiten wie Bücher, Gutscheine oder Eintrittskarten für Konzerte auf die größte Zustimmung.

Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Psychologin warnt vor verbreitetem Fehler auf Kindergeburtstagen“

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70219409 |