KinderprÀparate, Vitamin

KinderprÀparate: Vitamin A steckt in fast allen getesteten Produkten

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 17:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

VerbraucherschĂŒtzer warnen vor unnötigen PrĂ€paraten und Vitamin A fĂŒr Kinder; FolsĂ€ure und B12 sind in bestimmten FĂ€llen empfohlen.

NahrungsergĂ€nzungsmittel: Risiken fĂŒr Kinder und sinnvolle Ausnahmen
Frisches, rohes GemĂŒse und Obst auf einem rustikalen Holztisch bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In vielen Haushalten gehören Tabletten, Kapseln und Pulver mit Vitaminen oder Mineralstoffen zum Alltag. Wie aus einem Bericht von Anfang Oktober 2026 hervorgeht, nimmt rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland regelmĂ€ĂŸig NahrungsergĂ€nzungsmittel ein.

Verena MĂŒller von der Verbraucherzentrale Sachsen ordnete die gĂ€ngigen Annahmen rund um diese PrĂ€parate ein und warnte vor der verbreiteten Auffassung, dass eine höhere Dosierung grundsĂ€tzlich gesundheitliche Vorteile mit sich bringe. FĂŒr die Mehrheit gesunder Menschen seien solche ZusĂ€tze schlicht ĂŒberflĂŒssig.

Rechtlicher Rahmen und behördliche Orientierungswerte

NahrungsergĂ€nzungsmittel gelten im Lebensmittelrecht nicht als Arzneimittel. Sie durchlaufen daher vor dem Verkauf kein behördliches Zulassungsverfahren. Hersteller mĂŒssen die Produkte lediglich beim Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen, wobei die PrĂŒfung dort ausschließlich auf formale VollstĂ€ndigkeit erfolgt.

Da verbindliche gesetzliche Höchstgrenzen fehlen, hat das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) unverbindliche Höchstmengenempfehlungen fĂŒr die tĂ€gliche Dosis bei Jugendlichen ab 15 Jahren sowie Erwachsenen formuliert:

  • Vitamin C: 250 ”g
  • Vitamin D: 20 ”g
  • Vitamin E: 30 mg
  • Vitamin B6: 0,9 mg
  • Magnesium: 250 mg (aufgeteilt auf mindestens zwei Portionen tĂ€glich)

Auch weitverbreitete Mythen zur Schutzwirkung halten einer wissenschaftlichen PrĂŒfung oft nicht stand. So beugt Vitamin C einer ErkĂ€ltung nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen nicht vor, wenngleich die Datenlage darauf hindeutet, dass Dauer und Schwere einer Erkrankung geringfĂŒgig beeinflusst werden können.

Besondere Bedenken bei KinderprÀparaten

Auf Risiken bei speziellen Zielgruppen wies Anneke von Reeken aus dem Team Lebensmittel und ErnĂ€hrung der Verbraucherzentrale Niedersachsen hin. PrĂ€parate fĂŒr Kinder seien unnötig, da ein gesundheitlicher Nutzen nicht nachgewiesen sei. Zudem nehme der Körper isolierte Vitamine schlechter auf als NĂ€hrstoffe aus herkömmlichen Lebensmitteln.

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WĂ€hrend die Orientierungswerte des BfR erst ab einem Alter von 15 Jahren gelten, werden zahlreiche Produkte bereits fĂŒr Kinder ab drei Jahren beworben. In fast allen von den VerbraucherschĂŒtzern getesteten Kinderprodukten fand sich Vitamin A, obwohl das BfR hiervon ausdrĂŒcklich abrĂ€t.

Eine Überdosierung kann in dieser Altersgruppe zu LeberschĂ€den und Störungen des Knochenwachstums fĂŒhren. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen fordert daher verbindliche gesetzliche Regelungen fĂŒr Höchstmengen. Im Rahmen der amtlichen Überwachung wurden 2025 in Niedersachsen rund 38.600 Betriebe kontrolliert, wobei hĂ€ufig HygienemĂ€ngel festgestellt wurden.

Ausnahmen und medizinischer Bedarf

Trotz der Warnungen vor einer vorschnellen Einnahme existieren definierte Konstellationen, in denen eine Supplementierung fachlich empfohlen wird. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen betrifft dies FolsÀure bei bestehendem Kinderwunsch sowie wÀhrend einer Schwangerschaft und Vitamin B12 bei einer rein veganen ErnÀhrungsweise.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung betont ebenfalls, dass pflanzenbetonte Kost das Risiko fĂŒr Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, eine rein pflanzliche ErnĂ€hrung jedoch die Versorgung mit Vitamin B12 gefĂ€hrdet, da dieses ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.

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Ein Mangel kann zu Störungen der Blutbildung und NervenschĂ€den fĂŒhren, die sich unter anderem durch MĂŒdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen oder einen unsicheren Gang Ă€ußern.

Liegen Resorptionsstörungen durch Vorerkrankungen, Medikamente oder Genussmittel vor, sind nach EinschÀtzung der Fachgesellschaft hochdosierte Tabletten mit 1.000 Mikrogramm Vitamin B12 erforderlich. Auch im Alter sinke zwar der allgemeine Energiebedarf, der Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen bleibe jedoch bestehen oder steige bedingt durch eine schlechtere Aufnahme im Darm.

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