Kintsugi in Radevormwald: Workshop verbindet Keramikreparatur mit Resilienz
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Traditionelle Handwerkstechniken finden zunehmend Beachtung im Kontext psychologischer Fragestellungen. Wie der Umgang mit Zerbrochenem als Sinnbild für die menschliche Psyche dienen kann, veranschaulicht ein kommunales Angebot im bergischen Radevormwald.
Die dortige Gleichstellungsbeauftragte Ramona Theis richtet gemeinsam mit der Diplom-Psychologin und Verhaltenstherapeutin Sabine Fuchs eine Veranstaltung aus, die sich der japanischen Methode des Kintsugi widmet. Das kostenfreie Format findet am Montag, 5. Oktober, in der Zeit von 16 bis 18 Uhr im Mehrzweckraum des Bürgerhauses an der Schlossmacherstraße 4 statt, wie das Portal rp-online.de in einem Bericht vom 3. Oktober 2026 darlegte.
Die Philosophie der hervorgehobenen Bruchlinien
Im Zentrum des Termins steht Kintsugi, eine überlieferte japanische Reparaturtechnik für Keramik und Porzellan. Anders als bei westlichen Restaurierungsansätzen, die Beschädigungen meist unsichtbar machen wollen, nutzt Kintsugi speziellen Urushi-Lack sowie Goldpulver, um die entstandenen Bruchkanten gezielt zu akzentuieren.
Die Risse und Klebestellen werden durch die Veredelung mit Edelmetall nicht kaschiert, sondern bewusst hervorgehoben. Diese handwerkliche Praxis wird in Fachkreisen als eine philosophische Betrachtung von Resilienz verstanden: Das Objekt leugnet seine Brüche nicht, sondern gewinnt durch die Reparatur einen neuen, eigenständigen Wert.
Wenn ein geliebtes Stück zerbricht, zählt nicht der Verlust, sondern was daraus wird. Genau das macht Kintsugi sichtbar: Bruchkanten werden mit Gold hervorgehoben statt versteckt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diese Haltung auf Ihre eigene Geschichte übertragen. Jetzt kostenlosen Resilienz-Leitfaden anfordern
Auf die menschliche Psyche übertragen symbolisiert der Prozess, dass erlittene Krisen, Verletzungen oder Brüche im Lebenslauf nicht zwingend Schwachstellen bleiben müssen, sondern als sichtbare Bestandteile der eigenen Biografie integriert werden können.
Praktische Auseinandersetzung mit Zerbrochenem
Der Workshop verbindet diese theoretischen und psychologischen Überlegungen mit einer praktischen Erfahrung. Wie aus den Angaben hervorgeht, haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, eigenes zerbrochenes Porzellan zu der zweistündigen Veranstaltung mitzubringen. Auf diese Weise lässt sich der Umgang mit Verlust, Beschädigung und Wiederaufbau am konkreten Gegenstand nachvollziehen.
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Durch die Zusammenarbeit der Gleichstellungsbeauftragten Ramona Theis mit der Verhaltenstherapeutin Sabine Fuchs erhält das Angebot eine Doppelperspektive. Die fachliche Begleitung durch eine Psychologin ermöglicht es, den handwerklichen Reparaturvorgang mit verhaltenstherapeutischen Konzepten der psychischen Widerstandskraft zu verknüpfen.
Das Format im Bürgerhaus Radevormwald zeigt exemplarisch, wie Kommunen niedrigschwellige Ansätze zur Förderung der mentalen Gesundheit bereitstellen können, indem sie handwerkliche Symbolik mit Konzepten der Resilienz verbinden.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von RP Online.
