Klappenersatz per Katheter: 52 Prozent weniger Klinikaufenthalte
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf der Fachkonferenz TCT 2026 in San Diego standen wegweisende klinische Untersuchungen im Mittelpunkt, die bestehende Behandlungskonzepte in der interventionellen Kardiologie auf den PrĂŒfstand stellen. Eine Zusammenfassung kardiologischer Fachberichte hebt insbesondere vier Studien hervor: PROGRESS, SIMPLAAFY, SPYRAL AFFIRM und IRIS-MAIN.
Die prĂ€sentierten Daten liefern wichtige Erkenntnisse zum Klappenersatz, zur Antikoagulation nach Vorhofohrverschluss, zur renalen Denervierung sowie zum Vergleich kathetergestĂŒtzter und chirurgischer Revaskularisationen.
Klappentherapie bei moderater Aortenstenose
Ein zentraler Diskussionspunkt betrifft den optimalen Zeitpunkt fĂŒr den Transkatheter-Aortenklappenersatz (TAVR). Die PROGRESS-Studie von Edwards Lifesciences untersuchte den Einsatz bei 744 Patienten, die an einer moderaten Aortenstenose mit zusĂ€tzlichen Risikomerkmalen litten. Dabei erwies sich der kathetergestĂŒtzte Klappenersatz mittels SAPIEN 3 gegenĂŒber einer reinen klinischen Ăberwachung als vorteilhaft.
Ăber einen Zeitraum von zwei Jahren zeigte das Verfahren eine Reduktion von Herzinfarkt-Ereignissen um 45 % sowie 52 % weniger Hospitalisierungen infolge von Herzinsuffizienz. ErgĂ€nzend dazu zeigte die EARLY-TAVR-Studie des Unternehmens eine KostenparitĂ€t auf. Die Daten deuten darauf hin, dass eine frĂŒhzeitige Intervention bei Risikopatienten einer rein abwartenden Haltung klinisch ĂŒberlegen sein könnte.
Antithrombotische Strategien nach Vorhofohrverschluss
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Neue Resultate zur medikamentösen Nachbehandlung lieferte die im Fachjournal JAMA publizierte SIMPLAAFY-Studie von Boston Scientific. An der Untersuchung nahmen 1.857 Patienten nach einem unkomplizierten Verschluss des linken Vorhofohrs (LAAC) teil.
Randomisiert verglichen wurden drei Therapieregime: eine sechsmonatige duale Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) gefolgt von Aspirin, eine dreimonatige Behandlung mit reduzierter Dosis eines Nicht-Vitamin-K-abhÀngigen oralen Antikoagulans (NOAC) gefolgt von Aspirin sowie eine zwölfmonatige Monotherapie mit Aspirin allein.
Hinsichtlich des zusammengesetzten Endpunkts aus GesamtmortalitÀt, Schlaganfall, systemischer Embolie und schweren Blutungen nach sechs Monaten waren sowohl Aspirin allein als auch das reduzierte NOAC der DAPT-Strategie nicht unterlegen.
Die Rate ischÀmischer SchlaganfÀlle lag in allen drei Gruppen bei jeweils 0,7 %. GerÀte-assoziierte Thromben traten bei 0,9 % der Patienten mit reduziertem NOAC auf, wÀhrend die Raten unter Aspirin 2,7 % und unter DAPT 3,4 % betrugen.
Blutdrucksenkung und Revaskularisationsoptionen
Auch zur renalen Denervierung wurden neue Daten prÀsentiert. Im Rahmen der SPYRAL-AFFIRM-Studie von Medtronic zeigte der Einsatz des Symplicity-Spyral-Systems mittels radiofrequenter Ablation signifikante Blutdruckreduktionen nach einem Nachbeobachtungszeitraum von sechs Monaten. Die Ergebnisse untermauern die Wirksamkeit dieses katheterbasierten Verfahrens als ergÀnzende Option im Blutdruckmanagement.
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Die Registeranalyse IRIS-MAIN widmete sich dem langfristigen Vergleich zwischen perkutaner Koronarintervention (PCI) und aortokoronarem Bypass (CABG). Die nicht-randomisierte Auswertung asiatischer Patienten mit ungeschĂŒtzter Hauptstamm-Stenose der linken Koronararterie ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied bezĂŒglich der Langzeit-GesamtmortalitĂ€t zwischen den beiden BehandlungsansĂ€tzen.
Die auf der Konferenz vorgestellten Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild moderner kardiovaskulÀrer Interventionen. Sie liefern der klinischen Praxis wichtige Anhaltspunkte, um Therapieentscheidungen noch prÀziser auf individuelle Risikoprofile abzustimmen.
