Kleinzelliger, Lungenkrebs

Kleinzelliger Lungenkrebs: Tarlatamab-Kombination senkt Sterberisiko um 58 Prozent

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In DeLLphi-305 verlängerte Tarlatamab mit Durvalumab das mediane Überleben auf 21,1 Monate; Amgen plant weltweite Zulassungsanträge.
Ein heller, minimalistischer Krankenhausflur mit weichem Tageslichteinfall und neutraler Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung des kleinzelligen Lungenkrebses im ausgedehnten Stadium steht vor einem potenziellen Wandel in der Erstlinientherapie. Daten der klinischen Phase-3-Studie DeLLphi-305 zeigen, dass eine Erhaltungstherapie mit dem bispezifischen T-Zell-Engager Tarlatamab von Amgen in Kombination mit dem Immuntherapeutikum Durvalumab von AstraZeneca das Sterberisiko von Patienten im Vergleich zu einer alleinigen Durvalumab-Gabe um 58 Prozent reduziert. Das relative Sterberisiko lag bei einer Hazard Ratio von 0,42 (95%-Konfidenzintervall 0,32–0,54; P<0,001).

Signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens

An der randomisierten Studie nahmen 563 Patienten an 175 Zentren in 29 Ländern teil. Eingeschlossen wurden Betroffene mit kleinzelligem Lungenkrebs im ausgedehnten Stadium, deren Erkrankung nach einer einleitenden Induktionsbehandlung aus Durvalumab, Platin und Etoposid nicht weiter fortgeschritten war.

Die Teilnehmer erhielten im Verhältnis 1:1 entweder Tarlatamab in einer Dosierung von 10 Milligramm alle zwei Wochen kombiniert mit 1500 Milligramm Durvalumab alle vier Wochen oder Durvalumab als Monotherapie.

Beim progressionsfreien Überleben erzielte die Kombinationstherapie einen Medianwert von 7,4 Monaten gegenüber 1,9 Monaten unter der Monotherapie, was einer Risikoreduktion um 66 Prozent entspricht (Hazard Ratio 0,34; 95%-Konfidenzintervall 0,28–0,42; P<0,001).

Nach zwölf Monaten lag die Rate des progressionsfreien Überlebens bei 38,4 Prozent in der Kombinationsgruppe gegenüber 9,5 Prozent im Kontrollarm. Die Gesamtansprechrate betrug 26,4 Prozent im Vergleich zu 4,1 Prozent, während die mediane Ansprechdauer 12,7 Monate gegenüber 5,6 Monaten erreichte. Insgesamt wurden 87 Todesfälle im Kombinationsarm und 156 Todesfälle im Kontrollarm verzeichnet.

Der Überlebensvorteil erwies sich über verschiedene Patientensubgruppen hinweg als konsistent. Dies schloss auch Betroffene mit Hirnmetastasen mit einer Hazard Ratio von 0,49 sowie Patienten mit Lebermetastasen mit einer Hazard Ratio von 0,41 ein.

Verträglichkeit und Nebenwirkungsprofil

Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse ab dem Schweregrad 3 traten bei 20,9 Prozent der Patienten unter der Kombinationstherapie und bei 10,8 Prozent unter der Monotherapie auf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse ab Grad 3 insgesamt wurden bei 46,8 Prozent im Kombinationsarm und 40,6 Prozent im Kontrollarm dokumentiert.

Ein Zytokin-Freisetzungssyndrom trat bei 49,6 Prozent der mit Tarlatamab behandelten Patienten auf. Dieses war überwiegend geringgradig ausgeprägt (Grad 1: 41,8 Prozent; Grad 2: 7,4 Prozent; Grad 3: 0,4 Prozent), manifestierte sich primär nach den ersten beiden Verabreichungen und führte zu keinen Todesfällen.

Anzeige

Wer seine gesundheitliche Vorsorge proaktiv gestalten möchte, sollte auch die Bedeutung wichtiger Blutwerte kennen. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, Laborwerte richtig zu interpretieren und potenzielle Mängel frühzeitig zu erkennen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Fälle des Immuneffektor-Zell-assoziierten Neurotoxizitätssyndroms betrafen 1,1 Prozent der Probanden, wobei keine Ereignisse ab Schweregrad 3 beobachtet wurden.

Einordnung in die Versorgung und wirtschaftliche Perspektive

Weltweit macht der kleinzellige Lungenkrebs rund 13 bis 15 Prozent der jährlich mehr als 2,6 Millionen diagnostizierten Lungenkrebsfälle aus. Nach Angaben der American Cancer Society beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate über alle Krankheitsstadien hinweg lediglich rund 9 Prozent.

Bisherige Standardtherapien in der Erstlinie erreichten typischerweise ein medianes Überleben von 12 bis 13 Monaten. Wie Marcello Tiseo von der onkologischen Abteilung in Parma darlegte, erbrachte die bisherige Immuntherapie einen Überlebensvorteil von etwa zwei bis drei Monaten, während die DeLLphi-305-Kombination das mediane Überleben auf 21,1 Monate ausweitete.

Anzeige

In der modernen Medizin spielen präzise Daten eine immer wichtigere Rolle für die individuelle Gesundheit. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden eines Vitalstoffexperten, welche zehn entscheidenden Werte Sie kennen sollten, um Ihre Vitalität langfristig zu fördern. Gratis-PDF: Den eigenen Körper besser verstehen

Die Ergebnisse der DeLLphi-305-Studie wurden im Presidential Symposium des ESMO-Kongresses 2026 in Madrid vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Es handelt sich um die erste Phase-3-Studie, die einen Gesamtüberlebensvorteil für einen bispezifischen T-Zell-Engager in der Erstlinien-Erhaltung dieser Indikation nachweist.

Frühere Studien des Sponsors Amgen zeigten für Tarlatamab in DeLLphi-303 ein medianes Gesamtüberleben von 37,9 Monaten bei einer Nachbeobachtungszeit von 30,8 Monaten sowie in DeLLphi-304 ein Gesamtüberleben von 13,6 Monaten gegenüber 8,4 Monaten unter Vergleichstherapie (Hazard Ratio 0,62).

Amgen plant auf Basis der aktuellen Resultate weltweite Zulassungsanträge bei den zuständigen Behörden. Das Präparat ist derzeit bereits für die Phase nach einer Chemotherapie zugelassen. Der Listenpreis in den USA liegt bei etwa 30.000 US-Dollar pro Zyklus und potenziell über 390.000 US-Dollar jährlich. Laut Erhebungen von LSEG erwarten Branchenanalysten bis 2030 einen weltweiten Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden US-Dollar.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70406372 |