Klimakrise: Forscher melden 710.000 Hitzetote im Jahr 2023
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 03:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKlimafolgen treffen Gesundheit und Wirtschaft
- Zwischen 2016 und 2023 starben im Schnitt mehr als 540.000 Menschen pro Jahr an Hitze.
- 2023 wurden schÀtzungsweise 710.000 hitzebedingte TodesfÀlle registriert.
- 2025 war weltweit 51,8 Prozent der LandflĂ€che mindestens einen Monat von extremer DĂŒrre betroffen.
Forscher fordern WHO-Notlage wegen Klimakrise
Mehr als 140 Forscherinnen und Forscher fordern die Weltgesundheitsorganisation auf, die Klimakrise zur gesundheitlichen Notlage auszurufen. Ein unter FederfĂŒhrung des University College London erstellter Bericht warnt zugleich vor steigenden Todeszahlen, wirtschaftlichen SchĂ€den und zunehmenden Wetterextremen.
Hitzetote erreichen hohen Stand
Dem Bericht zufolge gab es zwischen 2016 und 2023 im Schnitt mehr als 540.000 hitzebedingte TodesfĂ€lle pro Jahr. 68 Prozent davon seien auf den Klimawandel zurĂŒckzufĂŒhren, nach 55 Prozent im Jahrzehnt zuvor.
Allein 2023 starben demnach schĂ€tzungsweise 710.000 Menschen infolge von Hitze. Die Autoren ordnen die Zahl ĂŒber den TodesfĂ€llen durch Malaria ein.
Hitze belastet die Weltwirtschaft
Die hĂ€ufigeren Hitzewellen beeintrĂ€chtigten auch die ArbeitsproduktivitĂ€t. FĂŒr das vergangene Jahr schĂ€tzt der Bericht den Verlust bei der weltweiten Wirtschaftsleistung auf 0,91 Prozent oder 1,07 Billionen US-Dollar.
Besonders betroffen seien Landwirtschaft und Baugewerbe, in denen viele Menschen körperlich im Freien arbeiten. Afrika und SĂŒdostasien hĂ€tten regional besonders stark unter den Folgen gelitten.
DĂŒrren nehmen deutlich zu
Auch die DĂŒrreentwicklung verschĂ€rft sich dem Bericht zufolge. 2025 litt mehr als die HĂ€lfte der weltweiten LandflĂ€che, genau 51,8 Prozent, mindestens einen Monat lang unter extremer DĂŒrre.
Das war demnach der zweithöchste jemals erfasste Stand. Im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt habe sich die Entwicklung um mehr als 700 Prozent beschleunigt. HĂ€ufigere DĂŒrren erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit von WaldbrĂ€nden und gesundheitsschĂ€dlicher Rauchbelastung.
Forscher sehen FinanzierungslĂŒcke
Die beteiligten Wissenschaftler warnen vor einem Mangel an Geld und politischem Willen. Der Schutz der Gesundheit mĂŒsse PrioritĂ€t erhalten, wĂ€hrend die Finanzierung von Klimaanpassung und Gesundheitssystemen hinter dem Bedarf zurĂŒckbleibe.
Als Beispiel nennt der Bericht sinkende Mittel fĂŒr öffentliche Entwicklungsleistungen. Die USA hĂ€tten diese von 2024 bis 2026 von 65,5 Milliarden auf voraussichtlich 44,8 Milliarden US-Dollar gekĂŒrzt, Deutschland im selben Zeitraum um 7,4 Milliarden US-Dollar.
Eine paneuropÀische Kommission hatte die WHO bereits zuvor aufgefordert, wegen der Klimakrise eine gesundheitliche Notlage auszurufen. Der neue Bericht entstand in Kooperation mit der WHO.
Der Bericht ordnet die Klimakrise ausdrĂŒcklich als Gesundheitsproblem ein. Seine Kennzahlen verbinden unmittelbare Gefahren wie Hitzetage, DĂŒrren und Rauchbelastung mit langfristigen Folgen fĂŒr ArbeitsfĂ€higkeit, Einkommen und die StabilitĂ€t besonders gefĂ€hrdeter Regionen.
Die genannte Zahl von mehr als 540.000 hitzebedingten TodesfĂ€llen pro Jahr im Zeitraum 2016 bis 2023 beschreibt die globale GröĂenordnung. Dass der klimabedingte Anteil laut Bericht von 55 auf 68 Prozent gestiegen ist, verweist zugleich auf die wachsende Bedeutung der menschengemachten ErwĂ€rmung fĂŒr die gesundheitliche Belastung durch Hitze.
Gesundheitsschutz braucht Anpassung
FĂŒr die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung vor allem höhere Risiken bei Hitzewellen, im Freien ausgeĂŒbter Arbeit und schlechter LuftqualitĂ€t. SchutzmaĂnahmen reichen von Hitzewarnsystemen und medizinischer Vorsorge bis zu angepassten Arbeitszeiten, besserem StĂ€dtebau und Investitionen in belastbare Gesundheitssysteme.
Die Forderung an die WHO hĂ€tte vor allem politische Signalwirkung. Eine Einstufung als gesundheitliche Notlage könnte den Druck erhöhen, Klimaschutz und Anpassung stĂ€rker ĂŒber Gesundheitsbudgets zu finanzieren. Zugleich zeigt die Debatte einen Verteilungskonflikt: Die am stĂ€rksten betroffenen Regionen verfĂŒgen hĂ€ufig ĂŒber weniger Mittel, wĂ€hrend internationale Entwicklungs- und Anpassungsfinanzierung zurĂŒckgeht.
Internationale Finanzierung im Fokus
Die bevorstehende Weltklimakonferenz in der TĂŒrkei bietet damit einen politischen Schauplatz fĂŒr die Frage, wer Vorsorge und SchĂ€den finanziert. Der Bericht macht deutlich, dass Klimapolitik nicht nur Emissionen betrifft, sondern auch TodesfĂ€lle verhindert, ArbeitsfĂ€higkeit schĂŒtzt und die Belastbarkeit öffentlicher Systeme sichern soll.
