Klinikroboter im Praxistest: HospiBot erprobt drei Module in vier Kliniken
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach einer Laufzeit von drei Jahren und intensiven Praxistests in vier Partnerkliniken in Deutschland und Dänemark ist das grenzüberschreitende Forschungsprojekt HospiBot am 30. August 2026 offiziell zu Ende gegangen.
Unter der Federführung des dänischen Klinikverbunds Sygehus Sønderjylland untersuchte das Vorhaben, wie spezialisierte robotische Assistenzsysteme den Klinikalltag entlasten und Arbeitsabläufe unterstützen können. Gefördert wurde die Initiative mit rund 1,68 Mio. Euro durch das EU-Programm Interreg Deutschland-Danmark.
Modulare Plattform für flexible Klinikeinsätze
Im Zentrum der technologischen Entwicklung stand ein modulares Robotersystem, das gemeinschaftlich von der Syddansk Universitet (SDU) und der Universität zu Lübeck konzipiert wurde. Die Konstruktion basiert auf einer mobilen, autonom navigierenden Basisplattform, die je nach Bedarf mit drei unterschiedlichen Aufsatzmodulen bestückt werden kann.
Zu den erprobten Aufbauten zählt eine autonome Transportbox, die für den sicheren Bedarfs- und On-Demand-Transport kleinerer Güter über Klinikflure ausgelegt ist. Ein zweites Modul bildet der Telepräsenzroboter Tele, dessen Entwicklung von Robert Wendlandt am Biomechaniklabor des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck begleitet wurde.
Das System patrouilliert nachts eigenständig auf Stationen, erkennt potenziell hilfsbedürftige Personen und kann bei Bedarf einen Videoanruf zum Pflegepersonal aufbauen. Ausgestattet mit Wärmebild- und Radarsensorik arbeitet das System auch bei völliger Dunkelheit und erfüllt zugleich datenschutzrechtliche Vorgaben.
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Als drittes Modul kam der KI-gestützte robotische Sprachtrainer Furhat zum Einsatz. Unter der Leitung von Prof. Franziska Uhing an der Fachhochschule Kiel diente das System dazu, internationales Klinikpersonal sprachlich auf den Arbeitsalltag im Krankenhaus vorzubereiten.
Regulatorische Hürden und Handlungspfade
Neben den technischen Aspekten bildeten die rechtlichen Rahmenbedingungen einen Schwerpunkt der Forschungsarbeit. Der Einsatz autonomer Assistenzsysteme im Klinikbetrieb erfordert die Einhaltung komplexer EU-Vorgaben zur Maschinensicherheit, Produktsicherheit, Cybersicherheit sowie zum Datenschutz. Hinzu kommen technische Normen, nationale Arbeitsschutzbestimmungen und krankenhausspezifische Auflagen im Brand-, Hygiene- und Risikomanagement.
Lina Behrends verwies im Rahmen des Projekts zudem auf die oft offene Einordnungsfrage nach der europäischen Medizinprodukteverordnung. Um den Transfer von der Forschung in die Praxis zu strukturieren, entwickelte das beteiligte Fraunhofer-Institut für Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik (IMTE) einen regulatorischen Handlungspfad für künftige Entwicklungen.
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Verbleib an den Hochschulen
Das Vorhaben bündelte die Kompetenzen eines breiten Konsortiums. Neben der Federführung durch Sygehus Sønderjylland und dem Fraunhofer IMTE gehörten die SDU, die Universität zu Lübeck, die HAW Kiel, AllGoodSpeakers, das UKSH sowie die Partnerkliniken SUH, OUH und das Center for Clinical Robotics (CCR) zum Projektnetzwerk.
Nach dem Projektabschluss verbleiben die entwickelten Roboter an den beteiligten Hochschulen, wo sie als Plattformen für weiterführende Forschungsarbeiten dienen.
