Kliniksterben, KrankenhÀuser

Kliniksterben: 53 Prozent der KrankenhÀuser bis 2028 insolvenzgefÀhrdet

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 12:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

KrankenhĂ€user sehen hohes Insolvenzrisiko, wĂ€hrend Berlin die Krisenvorsorge fĂŒr Blackouts und Cyberangriffe massiv ausbaut.

Klinik-Insolvenzen drohen: Gesundheitswesen vor tiefgreifendem Wandel
Eine Notaufnahme in einem modernen Krankenhaus bei Nacht, leicht entsĂ€ttigt, mit subtilen digitalen Überlagerungen, die DatenflĂŒsse und Cyberbedrohungen darstellen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor einem grundlegenden Wandel – mit weitreichenden Folgen fĂŒr Patienten und Versicherte.

KrankenhÀuser im Verteidigungsfall

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will das Gesundheitswesen auf Kriegsszenarien vorbereiten. Ein Gesetzentwurf zur Steigerung der Krisentauglichkeit soll bis zum Sommer 2026 kommen. WĂ€hrend FachverbĂ€nde die Notwendigkeit betonen, ĂŒbt die Ärzteorganisation IPPNW Kritik an der Schwerpunktsetzung.

Der Berliner Senat geht bereits konkrete Schritte: Nach einem folgenschweren Stromausfall durch einen Anschlag auf eine KabelbrĂŒcke Anfang 2026 erarbeitete eine Expertenkommission einen Maßnahmenkatalog. Bis 2029 soll die Hauptstadt fĂŒr einen bis zu zehntĂ€gigen Blackout gewappnet sein.

Zu den 150 Einzelmaßnahmen gehört die Notstromversorgung fĂŒr Mobilfunkmasten ĂŒber 72 Stunden. Außerdem fordert die Kommission einen Chief Resilience Officer fĂŒr die Stadtverwaltung. Parallel hat Berlin einen Rahmenplan zur zivilen Verteidigung der KrankenhĂ€user sowie einen Hitzeaktionsplan mit 72 Einzelmaßnahmen auf den Weg gebracht.

FĂŒr 2028 ist die KrisenmanagementĂŒbung LÜKEX zum Thema zivile Verteidigung geplant. Diskutiert wird zudem die Einrichtung einer unabhĂ€ngigen Resonanzgruppe, um den gesellschaftlichen Dialog ĂŒber Krisenvorsorge zu stĂ€rken.

Kliniksterben droht sich zu beschleunigen

Die wirtschaftliche Lage vieler KrankenhÀuser ist dramatisch. Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts sehen 42 Prozent der AllgemeinkrankenhÀuser bis Ende 2027 ein hohes Insolvenzrisiko. Bis Ende 2028 steigt dieser Anteil auf 53 Prozent. Besonders gefÀhrdet: Geburtshilfe, PÀdiatrie und Notfallversorgung.

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor einer VerschĂ€rfung des Kliniksterbens. Die Politik reagiert mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, dessen Verabschiedung im Bundestag fĂŒr den 9. und 10. Juli 2026 vorgesehen ist.

Das Gesetz sieht ein Sparvolumen von rund 18,8 Milliarden Euro vor. Union und SPD brachten ĂŒber 60 ÄnderungsantrĂ€ge ein, um die Belastungen fĂŒr Versicherte abzufedern. Der Bundeszuschuss fĂŒr die Krankenkassen soll 2027 um 1,35 Milliarden Euro sinken, 2028 um 1,55 Milliarden Euro – weniger als ursprĂŒnglich geplant.

FĂŒr EmpfĂ€nger von Grundsicherung beteiligt sich der Bund ab 2027 mit einer Milliarde Euro an den Kosten. Bis 2031 steigt dieser Betrag auf 2,75 Milliarden Euro. Der Herstellerabschlag fĂŒr die Pharmaindustrie wird ab 2027 auf 15,5 Prozent festgesetzt. Ein Teil der Mittel soll durch eine neue Lenkungssteuer auf zuckergesĂŒĂŸte GetrĂ€nke fließen.

Die Landkreise in Rheinland-Pfalz warnen dennoch vor finanziellen Belastungen und fordern eine langfristige Ausfinanzierung, um eine „kalte Strukturreform“ zu verhindern.

Cloud-Lösungen gegen Cyberangriffe

Dienstleister wie die RZV GmbH entwickeln cloudbasierte Ausfalllösungen fĂŒr Krankenhausinformationssysteme (KIS). Bei Cyberangriffen oder technischen Störungen sollen sie den Zugriff auf Patientendaten und die Dokumentation aufrechterhalten.

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Das Bundesgesundheitsministerium plant zudem einen umfassenden BĂŒrokratieabbau. Zu den angekĂŒndigten Maßnahmen gehören elektronische Überweisungen, digitale AntrĂ€ge in der Psychotherapie sowie ein digitales „Pflege-Cockpit“. Ziel: KapazitĂ€ten fĂŒr die Patientenversorgung freisetzen.

Im Rahmen der PrimĂ€rversorgungsreform soll ein Gesetz fĂŒr „Advanced Practice Nurses“ (APN) kommen. Es sieht bundeseinheitliche Vorgaben fĂŒr PflegefachkrĂ€fte auf Masterniveau vor. Durch erweiterte heilkundliche Befugnisse sollen sie besonders chronisch Kranke versorgen und die Ärzteschaft entlasten.

In Brandenburg befasst sich derweil eine Enquete-Kommission mit der Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Nach 12 Sitzungen gibt es eine erste Zwischenbilanz. Ein FachgesprĂ€ch zur weiteren Evaluation ist fĂŒr den 4. September 2026 geplant. Der Abschlussbericht soll am Ende der Wahlperiode vorgelegt werden.

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