Kniearthrose: 13.000 Teilnehmende zeigen, wie Bewegung Schmerzen lindert
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Um eine operative Versorgung mit einem künstlichen Gelenk zu vermeiden oder hinauszuzögern, stehen bei der Behandlung von Kniearthrose zunehmend konservative und gelenkerhaltende Therapiemethoden im Mittelpunkt. Die Erkrankung ist weit verbreitet: Je nach Erhebung sind in Deutschland etwa fünf bis acht Millionen Menschen betroffen, Schätzungen reichen bei allgemeiner Arthrose bis zu 15 Millionen.
Bezogen auf die Kniearthrose bei Erwachsenen schwankt die Prävalenz laut Daten des AOK-Gesundheitsatlas, des DAK-Versorgungsreports und des Robert Koch-Instituts zwischen 7 und 16,5 Prozent. Da die Abnutzung des Knorpels nicht rückgängig gemacht werden kann, zielen nicht-operative Ansätze primär auf Schmerzlinderung und Funktionserhalt ab.
Bewegungstherapie und gezieltes Muskeltraining
Strukturierte Bewegung gilt als eine der zentralen Säulen der konservativen Behandlung. Eine internationale Auswertung in der Fachzeitschrift RMD Open, die fünf systematische Übersichtsarbeiten und 28 randomisierte Studien mit mehr als 13.000 Teilnehmenden umfasste, untersuchte den konkreten Nutzen.
Demnach senkt Bewegung bei Kniearthrose die Schmerzen kurzfristig um rund 10 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100. Dieser Wert markiert das Mindestmaß einer klinisch wahrnehmbaren Besserung und entspricht im Alltag einer Gehstrecke von etwa 15 bis 20 Minuten ohne Pause statt zuvor fünf bis zehn Minuten.
Der Effekt ist in etwa vergleichbar mit Schmerzmitteln, Gelenkinjektionen oder manueller Therapie. Bei längeren und methodisch strengeren Untersuchungen fällt der Nutzen jedoch geringer aus, und die Schmerzwerte gleichen sich langfristig oft wieder dem Niveau ohne Trainingsprogramm an.
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Auch funktionelle Verbesserungen beim Treppensteigen lassen nach dem Ende strukturierter Einheiten nach. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß bieten operative Verfahren wie Gelenkersatz oder Osteotomien langfristig deutlichere Vorteile.
Als besonders wirksam gilt ein zwei- bis dreimal wöchentlich durchgeführtes, gelenkschonendes Krafttraining für Oberschenkel, Hüfte und Waden, das ohne Geräte absolviert werden kann.
Eine dänische Untersuchung mit über 17.000 Betroffenen zeigte zudem, dass bei Kniearthrose vor allem eine gute funktionelle Leistungsfähigkeit mit einer selteneren Notwendigkeit für einen Gelenkersatz einherging, während das Ausmaß an Stoßbelastung keinen direkten Zusammenhang zeigte.
Entlastung durch Lebensstil und Schmerztherapie
Da die Kniegelenke beim Gehen das 2,5-Fache und beim Treppabsteigen das 3,5-Fache des Körpergewichts abfedern müssen, stellt Übergewicht einen erheblichen Risikofaktor dar. Eine Reduzierung des Körpergewichts sowie eine entzündungshemmende Ernährung können den Gelenkersatz hinauszögern. Ergänzend berichten 70 bis 80 Prozent der Teilnehmenden einer vierwöchigen multimodalen Schmerztherapie von einer anhaltenden Linderung.
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Medikamentös wird Paracetamol aufgrund begrenzter Effekte und möglicher Begleiterkrankungen älterer Patienten nicht für den Routineeinsatz empfohlen. Schmerzmittel wie Diclofenac oder Acetylsalicylsäure sollten lediglich kurzfristig in akuten Phasen angewendet werden.
Injektionen und gelenkerhaltende Verfahren
Unter den Injektionstherapien ist autologes conditioniertes Plasma (ACP beziehungsweise PRP) in der deutschen S3-Leitlinie zur Gonarthrose verankert und wird vom britischen NICE empfohlen. Eine Meta-Analyse mit knapp 2.000 Patientendaten belegte Verbesserungen von Schmerz und Funktion gegenüber Placebo, insbesondere bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose.
Hyaluronsäure-Injektionen bleiben dagegen umstritten: Sie gelten als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) mit Kosten zwischen 200 und 400 Euro für drei bis fünf Spritzen.
Während der IGeL-Monitor aufgrund unzureichender Belege abrät, sehen Orthopäden ihren Nutzen vor allem im frühen Krankheitsstadium als Baustein eines Gesamtkonzepts. Bei isolierter medialer Kniearthrose kann zudem die Implantation eines speziellen Stoßdämpfersystems den Einsatz einer Prothese über mehrere Jahre hinweg aufschieben.
