Kniearthrose, Studien

Kniearthrose: 139 Studien zeigen, wie Bewegung Schmerzen lindern kann

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien belegen Vorteile gezielter Bewegung bei Kniearthrose; schmerzfreies Knacken ist meist harmlos, anhaltende Beschwerden sollten abgeklÀrt werden.
Ein ruhiger Waldpfad bei morgendlichem Licht, der die Bedeutung von natĂŒrlicher Bewegung und körperlicher AktivitĂ€t symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Physiotherapeuten warnen davor, dass mangelnde Bewegung den Knorpelabbau im menschlichen Körper spĂŒrbar beschleunigt. Gleichzeitig deuten Fachleute GelenkgerĂ€usche wie Knacken oder Knirschen als mögliche Anzeichen fĂŒr fortschreitende Verschleißerscheinungen. Da Knorpelgewebe nicht direkt ĂŒber BlutgefĂ€ĂŸe versorgt wird, spielt mechanische AktivitĂ€t fĂŒr den Erhalt der Gelenkstrukturen eine grundlegende Rolle.

Wie InaktivitÀt die Knorpelversorgung gefÀhrdet

Knorpelgewebe verfĂŒgt ĂŒber keine eigenen Venen oder Arterien. Der Physiotherapeut Manuel RozalĂ©n erlĂ€utert, dass sich das Gewebe ausschließlich ĂŒber die SynovialflĂŒssigkeit ernĂ€hrt. Diese zirkuliere jedoch nur bei ausreichender Bewegung, sodass anhaltende ImmobilitĂ€t den Knorpel gewissermaßen verhungern lasse.

Auch ein US-OrthopĂ€de mit rund 30 Jahren Berufserfahrung hebt hervor, dass NĂ€hrstoffe ĂŒber den Wechsel aus Kompression und Entlastung in das Gewebe gelangen. LĂ€ngere Ruhephasen verstĂ€rkten demnach Steifheit und MuskelschwĂ€che. Zudem sei Osteoarthritis metabolisch mitbedingt, wobei Adipositas, Diabetes und Insulinresistenz das Risiko erhöhen.

Der Physiotherapeut und Traumatologe Javier Furman bezeichnet Knorpelverschleiß gar als biologischen Mythos und verweist auf die RegenerationsfĂ€higkeit des Gewebes bei einem geeigneten metabolischen sowie mechanischen Umfeld.

GemĂ€ĂŸ dem Wolffschen Gesetz fördern Belastung und funktionaler Impuls die Zufuhr von NĂ€hrstoffen durch Imbibition und mechanisches Pumpen. Dauerhafte ImmobilitĂ€t könne hingegen die Notwendigkeit eines Gelenkersatzes beschleunigen.

Ursachen von GelenkgerÀuschen und patellofemoraler Arthrose

GelenkgerĂ€usche sind nicht immer pathologisch. Übersichten zeigen, dass harmlose DruckĂ€nderungen in der Gelenkkapsel – sogenannte Kavitationen, wie sie beim Fingerknacken vorkommen – nach rund 20 Minuten erneut auftreten können.

Allerdings stellten Unsworth et al. (1971), ĂŒberprĂŒft von PomĂ©ro und Bonneau (2002), fest, dass wiederholtes absichtliches Knacken MikrolĂ€sionen im Knorpel verursachen kann. Weitere Ursachen fĂŒr GerĂ€usche sind Kapsel-Band-Beteiligungen, SehnensprĂŒnge sowie freie Gelenkkörper oder MeniskusschĂ€den.

Treten jedoch ReibegerĂ€usche im Knie auf, deutet der deutsche OrthopĂ€de Dr. Sven Ostermeier dies als mögliches Zeichen einer patellofemoralen Arthrose. Dabei baut sich der Knorpel unter der Kniescheibe und in der Femurrinne ab. HĂ€ufig betroffen seien Menschen ab 50 Jahren, stark Übergewichtige, Personen mit knienden oder hockenden TĂ€tigkeiten sowie Jogger.

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Symptome zeigen sich oft beim Treppabgehen, Aufstehen oder Knien, mitunter begleitet von Schwellungen, WĂ€rme und Blockaden. Bei einer Kniegelenksarthrose verdreifacht Übergewicht die Progressionsrate. WĂ€hrend bei 60 kg Körpergewicht auf ebener FlĂ€che 60 kg lasten, wirken beim Treppen- oder Bergsteigen pro Knie 240 kg.

Evidenzbasierte Trainingssteuerung und Belastungsgrenzen

Zur Steuerung des Trainings schlĂ€gt Manuel RozalĂ©n eine Schmerzskala von 0 bis 10 vor. Beschwerden bis zur Stufe 4 erlauben die Fortsetzung der Übungen, ab Stufe 5 sei zu pausieren.

Ausschlaggebend sei die 24-Stunden-Bilanz: Verschlimmert sich der Schmerz im Tagesverlauf, wurde die Belastungsgrenze ĂŒberschritten. Eine langfristige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) bringt RozalĂ©n mit einem höheren kardiovaskulĂ€ren Risiko und einer Verschlechterung der Arthrose in Verbindung.

Die Wirksamkeit von Bewegung bei Knie-Osteoarthritis belegt ein Cochrane-Review ĂŒber 139 randomisierte Studien mit 12.468 Teilnehmern im Alter von 41 bis 81 Jahren und einem BMI von 22,4 bis 37,9. Im Vergleich zu Placebo oder Kontrolle (30 Studien) zeigte sich eine Schmerzverbesserung von 8,7 Punkten (Kontrollmittel 44,4; niedrige Evidenz), eine Funktionsverbesserung von 11,3 Punkten (Kontrolle 35,8; moderate Evidenz) sowie ein Anstieg der LebensqualitĂ€t um 6,1 Punkte (Kontrolle 48,4).

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Der Behandlungserfolg lag bei einem relativen Risiko von 1,46 (95%-KI 1,11–1,92; NNT 8) nach vier Wochen bis zwei Jahren. Eine 10-Jahres-Studie aus dem JAMA-Netzwerk unterstreicht zudem, dass moderate Bewegung das Risiko fĂŒr eine Knie-Osteoarthritis um ca. 30% senkt. In Spanien leben gemĂ€ĂŸ der Studie EPISER 2021 der Sociedad Española de ReumatologĂ­a 33,7% der Erwachsenen mit Arthrose; in den USA sind es ca. 23% der Bevölkerung ab 40 Jahren.

Empfehlungen fĂŒr Training und Gelenkerhalt

FachĂ€rzte und Therapeuten betonen, dass Bewegung bestehende SchĂ€den zwar nicht ungeschehen macht, aber die unverzichtbare Basis der Therapie bildet. Empfohlen werden schonende AktivitĂ€ten wie stationĂ€res Radfahren, Schwimmen, Aquagym und ebenes Gehen. FĂŒr UngeĂŒbte rĂ€t der US-OrthopĂ€de zu tĂ€glich 10 Minuten Gehen, steigerbar auf 30 bis 60 Minuten, kombiniert mit KrĂ€ftigungsĂŒbungen fĂŒr Oberschenkel und Waden.

Dr. Sven Ostermeier empfiehlt zur FrĂŒhbehandlung Gewichtsabnahme, DehnĂŒbungen und die KrĂ€ftigung des Quadrizeps. Zu seinen Übungen zĂ€hlen das Anziehen des Beins im Liegen (12-mal je Bein), das passive HĂ€ngenlassen der Unterschenkel von einer Tischkante zur Verteilung der SynovialflĂŒssigkeit sowie der Einbeinstand mit Pendelbewegung (10 Wiederholungen, 3 DurchgĂ€nge je Bein).

ErgÀnzende physiotherapeutische Strategien kombinieren isometrische, konzentrische und exzentrische Reize mit Propriozeptionstraining. Solange keine Schmerzen auftreten, sind reine GelenkgerÀusche meist unbedenklich; bei anhaltenden Schmerzen oder Schwellungen ist jedoch eine fachÀrztliche AbklÀrung erforderlich.

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