Kniearthrose, Charité-Verfahren

Kniearthrose: Charité-Verfahren lindert bei 80 Prozent ein Jahr lang Schmerzen

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Charité-Beobachtung sank der Schmerzscore nach GAE; Studien ohne Kontrollgruppe lassen den Nutzen der Methode jedoch offen.
Ein steriler, modern ausgestatteter Behandlungsraum in einem Krankenhaus mit einer Untersuchungsliege in hellem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Kniearthrose gehört weltweit zu den hÀufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO betrifft die Erkrankung mehr als 365 Millionen Erwachsene weltweit. Auf nationaler Ebene zeigen sich Àhnliche Belastungen: Laut der Organisation Gigtforeningen leben beispielsweise in DÀnemark rund 400.000 Menschen mit einer diagnostizierten Arthrose.

WĂ€hrend im Anfangsstadium meist konservative AnsĂ€tze verfolgt werden, bleibt als letzte Option hĂ€ufig nur der chirurgische Gelenkersatz. Eine Behandlungsmethode, die diese LĂŒcke verkleinern soll, ist die GenikulĂ€re Arterienembolisation (GAE). Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bieten nun differenzierte Einblicke in das Potenzial sowie die Grenzen des minimalinvasiven Verfahrens.

Klinische Resultate der Charité-Untersuchung

Einen umfassenden Datensatz liefert eine Untersuchung der CharitĂ© Berlin, die in der Fachzeitschrift Radiology (2026, Band 319, Ausgabe 3) der Radiological Society of North America publiziert wurde. Gegenstand der Studie war der Einsatz gelatinebasierter MikrosphĂ€ren, die sich innerhalb weniger Stunden auflösen, um gezielt GefĂ€ĂŸe rund um das Kniegelenk temporĂ€r zu verschließen.

Im Zeitraum von Juli 2024 bis November 2024 fĂŒhrten die Mediziner an der CharitĂ© Berlin insgesamt 239 GAE-Eingriffe bei 194 Patientinnen und Patienten durch.

Das Kollektiv bestand aus 114 Frauen und 80 MĂ€nnern mit einem Medianalter von 69 Jahren und einem medianen Body-Mass-Index von 28,4, bei denen eine mindestens dreimonatige konservative Therapie zuvor erfolglos geblieben war. Bei 45 Personen mit beidseitiger Arthrose erfolgten zwei Eingriffe innerhalb von vier Wochen. SĂ€mtliche Prozeduren verliefen technisch erfolgreich.

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Die Nachbeobachtungsquote lag nach sechs Wochen bei 94 Prozent, nach drei sowie sechs Monaten bei 89 Prozent und nach zwölf Monaten bei 79 Prozent. Von den nach einem Jahr ausgewerteten Teilnehmenden erreichten 80 Prozent (154 von 194 Patienten beziehungsweise 79 Prozent) eine klinisch relevante Schmerzlinderung von mindestens 2,0 Punkten.

Der mediane Schmerzscore auf einer numerischen Rating-Skala von 0 bis 10 verringerte sich von 7 vor der Intervention auf 4 nach sechs Wochen sowie auf 3 nach sechs und zwölf Monaten (95-Prozent-Konfidenzintervall 3,5–4,0; p < 0,001).

Parallel verbesserten sich die Werte im Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS):
- TagesaktivitÀten: Anstieg von 53 auf 71,5 Punkte
- Sport und Freizeit: Anstieg von 15 auf 36 Punkte
- Symptome: Anstieg von 51 auf 68 Punkte
- Schmerz: Anstieg von 44 auf 65 Punkte
- LebensqualitÀt: Anstieg von 19 auf 40 Punkte

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Sicherheitsprofil und wissenschaftliche Einordnung

Hinsichtlich der Patientensicherheit traten an der Charité Berlin keine mittelschweren oder schweren Nebenwirkungen auf. Leichte Komplikationen wurden bei 6,7 Prozent der Behandlungen dokumentiert; darunter fielen HautverfÀrbungen in 6,3 Prozent der FÀlle und in 0,4 Prozent ein oberflÀchliches HÀmatom.

Florian Nima Fleckenstein, stellvertretender Leiter der Interventionellen Radiologie an der CharitĂ© Berlin, betonte, dass die GAE eine wichtige therapeutische LĂŒcke zwischen unzureichenden konservativen Maßnahmen wie intraartikulĂ€ren Injektionen und einem operativen Gelenkersatz schließe. Das Verfahren könnte laut Fleckenstein den Krankheitsverlauf potenziell verlangsamen.

Gleichzeitig verweist die Forschung auf methodische EinschrĂ€nkungen. Bei der CharitĂ©-Studie handelte es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Kontrollgruppe oder Sham-Verfahren. Zudem lĂ€sst sich anhand der Daten nicht belegen, ob die Embolisation den Knorpelabbau tatsĂ€chlich verlangsamt, weshalb Fachmedien auf die Notwendigkeit grĂ¶ĂŸerer kontrollierter Studien hinweisen.

Die vorliegende Studienlandschaft zeigt zudem heterogene Resultate: Eine im Fachjournal Clinical Radiology (2026) veröffentlichte randomisierte Studie mit 50 Teilnehmenden ermittelte bei einer Kombination aus Embolisation und Standardtherapie nach einem Jahr einen SchmerzrĂŒckgang bei 72,7 Prozent der Patienten, verglichen mit 24,2 Prozent bei alleiniger Standardtherapie.

Dagegen konnte eine weitere Untersuchung an 58 Probanden, die eine Sham-Kontrollgruppe einsetzte, keinen statistisch signifikanten Vorteil der Embolisation feststellen. Die klinische Bewertung der GAE bleibt damit Gegenstand laufender wissenschaftlicher PrĂŒfungen.

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