Kniearthrose: Inulin senkt Schmerzen um 1,1 Punkte, Physiotherapie um 1,6
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.dePrĂ€biotika stehen zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung, wenn es um chronisch entzĂŒndliche Erkrankungen und Gelenkbeschwerden geht. Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Nottingham namens INSPIRE, die im Fachjournal Nutrients erschien, widmete sich der Frage, welchen Einfluss der Ballaststoff Inulin auf Schmerzen und funktionelle EinschrĂ€nkungen bei Knie-Osteoarthritis haben kann.
Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche schmerzlindernde Effekte, verdeutlichen jedoch zugleich die Grenzen diĂ€tetischer AnsĂ€tze im Vergleich zu bewegungstherapeutischen MaĂnahmen.
Schmerzlinderung und metabolische Marker
In der Untersuchung fĂŒhrte die tĂ€gliche Einnahme von 20 Gramm Inulin ĂŒber einen Zeitraum von sechs Wochen zu einer Verringerung der Knieschmerzen um rund 1,1 Punkte auf einer Schmerzskala von null bis zehn im Vergleich zu einem Placebo. Neben dem RĂŒckgang der SchmerzintensitĂ€t stellten die Wissenschaftler Verbesserungen bei der Griffkraft sowie bei der Schmerzempfindlichkeit fest.
AuffĂ€llige VerĂ€nderungen zeigten sich zudem im Stoffwechselprofil: Lediglich in der mit Inulin behandelten Gruppe stiegen die Blutwerte der kurzkettigen FettsĂ€ure Butyrat sowie des Peptidhormons GLP-1 an. Der gemessene Anstieg von GLP-1 korrelierte dabei mit dem Zuwachs an Muskelkraft. Inulin ist eine prĂ€biotische Faser, die natĂŒrlicherweise unter anderem in ChicorĂ©e und Topinambur vorkommt und im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt wird.
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Digitale Physiotherapie im direkten Vergleich
Trotz der gemessenen Effekte von Inulin erzielte eine parallel untersuchte digitale Physiotherapie noch ausgeprÀgtere Verbesserungen. Dieses strukturierte Bewegungsprogramm senkte die Knieschmerzen um circa 1,6 Punkte beziehungsweise 1,55 Punkte. Hinsichtlich der allgemeinen Beweglichkeit und der körperlichen LeistungsfÀhigkeit schnitt die Physiotherapie besser ab als die reine Gabe des Ballaststoffs.
Unterschiede gab es auch bei der Therapietreue. WĂ€hrend die Abbruchquote unter der alleinigen Gabe von Inulin bei 3,6 Prozent lag, betrug sie bei den Probanden, die ausschlieĂlich die digitale Physiotherapie durchfĂŒhrten, 21 Prozent. Allerdings traten unter dem PrĂ€biotikum Begleiterscheinungen auf: Von 50 Teilnehmenden in der Inulingruppe berichteten 23 ĂŒber leichte Magen-Darm-Beschwerden, darunter BlĂ€hungen.
Studiendesign und methodische Einordnung
Das INSPIRE-Forschungsprojekt umfasste 136 Erwachsene mit Knie-Osteoarthritis, von denen 117 die Studie planmĂ€Ăig beendeten. Ăber sechs Wochen hinweg wurden vier unterschiedliche Versuchsbedingungen verglichen: eine Gruppe mit 20 Gramm Inulin pro Tag, eine mit digitaler Physiotherapie, eine Kombination aus beiden Interventionen sowie eine Kontrollgruppe mit Placebo.
Das Forschungsteam um die Hauptautorin Dr. Afroditi Kouraki von der Medizinischen FakultÀt der UniversitÀt Nottingham mahnt zur vorsichtigen Interpretation der Daten. Die Untersuchung sei klein und mit sechs Wochen Laufzeit kurz angelegt, die Resultate seien vorlÀufig und mit breiter Unsicherheit behaftet.
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Aus den Daten lasse sich weder eine Aussage ĂŒber langfristige Wirkungen noch ĂŒber eine tatsĂ€chliche Reparatur von geschĂ€digtem Knorpelgewebe ableiten. FĂŒr gesicherte Erkenntnisse seien deutlich gröĂere klinische Studien notwendig.
Fachleute betonen zudem, dass NahrungsergÀnzungen eine gezielte Bewegungstherapie oder physiotherapeutische Behandlung keinesfalls ersetzen können. Betroffene sollten Inulin nicht eigenmÀchtig einnehmen, sondern vorab eine Àrztliche EinschÀtzung oder eine qualifizierte ErnÀhrungsberatung hinzuziehen.
