Kniearthrose: Nach Diätprogramm wechselten 29 Prozent zur Operation
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deFür die Behandlung von Gelenkverschleiß gewinnen konservative und interventionelle Ansätze zunehmend an Bedeutung. Die Leitlinie 2026 des US-Ministeriums für Veteranenangelegenheiten und des Verteidigungsministeriums (VA/DoD) fasst den aktuellen Wissensstand zum nicht-chirurgischen Management von Hüft- und Kniearthrose bei Erwachsenen ab 18 Jahren innerhalb der VA/DoD-Versorgung zusammen.
Ergänzende klinische Studien liefern zeitgleich differenzierte Daten darüber, welche konservativen Strategien Schmerzen lindern können und wo interventionelle oder operative Verfahren im Vorteil bleiben.
Empfehlungen der VA/DoD-Leitlinie zu Diagnostik und Lebensstil
Die VA/DoD-Leitlinie formuliert eine starke Empfehlung für eine Gewichtsreduktion bei Patienten mit Kniearthrose und Adipositas, während für Betroffene mit Hüftarthrose eine schwache Empfehlung ausgesprochen wird. Adipositas wird hierbei ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m² definiert, Übergewicht im Bereich von 25 bis 29,9 kg/m².
Hinsichtlich der Diagnostik spricht die Leitlinie eine schwache Empfehlung gegen den routinemäßigen Einsatz von MRT, CT und Ultraschall zur Feststellung einer Arthrose aus. Bei der medikamentösen Schmerztherapie wird Paracetamol bis zu einer Höchstdosis von 4 Gramm pro Tag empfohlen.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) sollen hingegen gemieden werden, wenn die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) unter 30 ml/min/1,73 m² liegt. Bei Kortikosteroid-Injektionen rät die Leitlinie dazu, diese drei Monate vor einem geplanten Gelenkersatz zu unterlassen; Injektionen an der Hüfte sollen bildgesteuert erfolgen.
Diätprogramme im Vergleich zum operativen Gelenkersatz
Welchen Nutzen eine Gewichtsreduktion im direkten Vergleich zur Operation erbringt, untersuchte die dänische INKA-RCT-Studie von Henriksen et al. an 92 Erwachsenen mit einem BMI von mindestens 30 kg/m² und Kniearthrose, die für eine Arthroplastik infrage kamen.
Während 45 Teilnehmende ein intensives Diätprogramm absolvierten, erhielten 47 Teilnehmende eine Knie-Arthroplastik. Das Diätprotokoll umfasste acht Wochen Formula-Diät mit rund 810 Kilokalorien pro Tag, gefolgt von vier Wochen mit etwa 1.200 Kilokalorien täglich.
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In der Diätgruppe betrug der Gewichtsverlust nach sechs Monaten 11,0 Kilogramm (10,4 Prozent des Körpergewichts), verglichen mit 1,3 Kilogramm in der Operationsgruppe. Nach zwölf Monaten lag das Gewicht der Diätgruppe noch um 7,1 Kilogramm unter dem Ausgangswert.
Beim primären Endpunkt, dem Oxford Knee Score (Skala 0 bis 48), erreichte die Diätgruppe nach sechs Monaten 28,2 Punkte gegenüber 36,5 Punkten in der Operationsgruppe. Mit einer Differenz von 8,2 Punkten zugunsten der Operation wurde die vordefinierte Nichtunterlegenheitsmarge von vier Punkten verfehlt.
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Nach zwölf Monaten lag der Score unter Operation um 6,3 Punkte höher. Die Rate an Therapieversagen nach einem Jahr betrug in der Diätgruppe 31,1 Prozent gegenüber 2,1 Prozent nach Operation. Insgesamt 29 Prozent der Diätgruppe wechselten zur Operation, während in der Operationsgruppe drei Wundinfektionen auftraten.
Gefäßembolisation als interventioneller Ansatz
Neben klassischen Lebensstiländerungen untersuchte ein Team um Florian Nima Fleckenstein an der Berliner Charité die Embolisation der Genikulararterien (GAE). An der Studie nahmen 194 Patienten mit Knieschmerzen teil, die seit mindestens drei Monaten resistent gegen konservative Therapien waren; insgesamt erfolgten 239 Eingriffe.
Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 sank der Medianwert von anfänglich 7 auf 4 nach sechs Wochen und drei Monaten sowie auf 3 nach sechs und zwölf Monaten. Der Wert für Alltagskompetenzen im KOOS-Score (0 bis 100) verbesserte sich von 53 auf 71,5 Punkte. Leichte Nebenwirkungen traten bei 6,7 Prozent der Eingriffe auf; Vergleichsdaten lagen für diese Untersuchung nicht vor.
Weltweite Zunahme der Krankheitslast
Die Relevanz strukturierter Behandlungspfade verdeutlichen internationale Schätzungen, die im Fachjournal Lancet im Oktober 2026 dargestellt wurden. Demnach leiden weltweit rund 600 Millionen Menschen an Arthrose, bis 2050 wird ein Anstieg auf eine Milliarde prognostiziert. Zwischen 1990 und 2023 stiegen die durch die Erkrankung bedingten Jahre mit Behinderung um 65 Prozent.
Die Krankheitskosten belaufen sich auf 1 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Marktwirtschaften, wobei laut der Erhebung bislang nur etwa die Hälfte aller Betroffenen eine angemessene Versorgung erhält. Für Deutschland wies das Statistische Bundesamt für das Jahr 2024 rund 250.000 Versorgungen mit einem künstlichen Kniegelenk aus.
