Kniearthrose, NICE

Kniearthrose: NICE rÀt von HyaluronsÀure-Spritzen ab und setzt auf Bewegung

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien belegen keinen Knorpelaufbau durch Supplemente; Bewegung, Gewichtsmanagement und Àrztliche Betreuung bilden zentrale Therapiebausteine.
Symbolbild: WÀrmflasche, Handtuch und KrÀutertee Illustration mit AI erstellt.

FreiverkĂ€ufliche NahrungsergĂ€nzungsmittel wie Glucosamin oder Kollagen können bei Gelenkerkrankungen wie Arthrose keine Ă€rztlich verordneten Arzneimittel ersetzen. FachbeitrĂ€ge und klinische Leitlinien verdeutlichen ĂŒbereinstimmend, dass die Basis jeder wirksamen Behandlung aus einer fundierten fachĂ€rztlichen Diagnose, gezielter Bewegungstherapie und einem konsequenten Gewichtsmanagement besteht.

Fehlende Belege fĂŒr Knorpelaufbau durch Supplemente

Der weit verbreitete Glaube, eingenommene Substanzen könnten verschlissenen Knorpel wieder aufbauen, hĂ€lt wissenschaftlichen PrĂŒfungen nicht stand. Laut einem Cochrane-Review zeigte Glucosamin in hochwertigen klinischen Studien keinen signifikanten Schmerzunterschied im Vergleich zu Scheinmedikamenten.

FĂŒr Chondroitin ließ sich zwar eine leichte kurzfristige Schmerzlinderung feststellen, Belege fĂŒr eine Regeneration des Knorpelgewebes fehlen jedoch vollstĂ€ndig.

Antonio Zoido, Professor an der Universidad Europea de AndalucĂ­a, betont in diesem Zusammenhang, dass weder KnochenbrĂŒhe noch Kollagen-PrĂ€parate in der Lage sind, Knorpel neu zu bilden. KnochenbrĂŒhe decke pro Portion zudem weniger als 5 % des tĂ€glichen Bedarfs an Kalzium und Magnesium ab.

Zwar ergab eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 ĂŒber 23 Studien mit rund 1.500 Teilnehmenden eine kleine Reduktion von Schmerz und Steifheit durch Kollagen-PrĂ€parate, doch die meisten dieser Arbeiten liefen ĂŒber maximal sechs Monate und wurden hĂ€ufig von Herstellern finanziert.

Biologische Grenzen und Risikofaktoren

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gibt es fĂŒr Arthrose bislang keine definitive Heilung. Knorpelgewebe besitzt keine eigenen BlutgefĂ€ĂŸe und kann sich daher nicht selbst regenerieren. Diese EinschĂ€tzung teilt auch die Deutsche Rheuma-Liga: Der Erhalt der Gelenkfunktion und die Schmerzkontrolle stehen im Vordergrund.

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Der Rheumatologe Mario Enrique DĂ­az CortĂ©s von Heel Colombia verweist darauf, dass Osteoarthritis ohne spĂŒrbaren Schmerz fortschreiten und begĂŒnstigt durch frĂŒhere Verletzungen, Übergewicht und Lebensstil auch Menschen unter 55 Jahren treffen kann. Bei den ĂŒber 60-JĂ€hrigen liege die Betroffenenquote bei geschĂ€tzten 50 bis 60 %.

DĂ­az CortĂ©s hebt hervor, dass viszerales Fettgewebe sogenannte Adipoquine produziert, die das Knorpelgewebe direkt schĂ€digen. PrĂ€parate wie Glucosamin, Diacerein oder Chondroitinsulfat sollten daher ausschließlich unter Ă€rztlicher Begleitung erwogen werden.

Bewegungstherapie als therapeutischer Kern

Internationale Richtlinien setzen primĂ€r auf körperliche AktivitĂ€t statt auf passive Interventionen. Die NICE-Leitlinie aus dem Jahr 2022 empfiehlt HyaluronsĂ€ure-Injektionen bei Kniearthrose nicht mehr und stuft die Evidenz fĂŒr plĂ€ttchenreiches Plasma als begrenzt ein. Stattdessen gelten Gewichtsreduktion und gezielte Bewegungstherapie, insbesondere zur StĂ€rkung des Quadrizeps, als Hauptmaßnahmen.

Dr. Anu Daber, Rheumatologe bei Paras Health in Gurugram, erlÀutert, dass Gelenkschmerz nicht automatisch einen fortschreitenden Schaden bedeute. InaktivitÀt schwÀche die stabilisierende Muskulatur weiter.

Gelenkschonendes Krafttraining im Stehen mit kontrollierten Bewegungen – etwa alltagsnahe Übungen wie Kniebeugen zum Stuhl, Step-ups und Fersenheben in zwei DurchgĂ€ngen zu je 8 bis 10 Wiederholungen – verbessert Schmerzen und Funktion oft nachhaltiger als reine Ausdauerprogramme.

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Differenzierte Datenlage zu MikronÀhrstoffen

Eine randomisierte Pilotstudie an 88 postmenopausalen Frauen mit symptomatischer Kniearthrose und einem Durchschnittsalter von 71,9 Jahren zeigte nach 24 Wochen isometrischen Trainings deutliche Verbesserungen der Quadrizeps-Kraft, der GehfÀhigkeit und der JKOM-Werte.

Ein signifikanter Zusatznutzen durch aktives Vitamin D3 oder Vitamin E ließ sich im Gruppenvergleich jedoch nicht nachweisen. Zwar war die Griffkraft nur in der Vitamin-D3-Gruppe signifikant erhöht und EntzĂŒndungsmarker sanken nur unter Vitamin E, doch blieben die Gruppenunterschiede ohne statistische Signifikanz; 80 Probandinnen beendeten die Nachbeobachtung.

FrĂŒhere Untersuchungen deuten auf selektive ZusammenhĂ€nge hin: Eine Studie aus dem Jahr 1986 in der Zeitschrift fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie berichtete ĂŒber Schmerzlinderungen durch 400 I.E. Vitamin E ĂŒber sechs Wochen.

Eine Untersuchung der University of North Carolina aus dem Jahr 2005 mit 940 Probanden verknĂŒpfte höhere Selenspiegel mit einem um bis zu 40 % reduzierten Kniearthrose-Risiko.

Fachliteratur wie der Ratgeber von MĂŒller verweist zudem auf einen erhöhten Zinkbedarf von 20 bis 30 mg tĂ€glich bei Arthrose gegenĂŒber den regulĂ€ren 10 bis 15 mg, wĂ€hrend KupferarmbĂ€nder wirkungslos und Bor-Gaben unbelegt blieben.

Trotz der begrenzten therapeutischen Reichweite von NahrungsergĂ€nzungsmitteln gaben in einer Befragung im Auftrag des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung aus dem Jahr 2024 rund 62 % der Menschen in Deutschland an, mindestens einmal wöchentlich ErgĂ€nzungsprĂ€parate einzunehmen. Da diese rechtlich als Lebensmittel eingestuft sind, unterliegen sie keiner behördlichen VorabprĂŒfung auf Wirksamkeit.

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