Kniearthrose, Niedrig

Kniearthrose: Niedrig dosierte Bestrahlung senkt Behinderungsrisiko um 67 Prozent

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine russische Studie beobachtete langfristig bessere Werte, doch methodische Grenzen und offene Sicherheitsfragen erfordern weitere Bestätigung.

Kniearthrose: Studie prüft niedrig dosierte Bestrahlung als Zusatztherapie
Ein klinischer Untersuchungsraum mit moderner Medizintechnik in einer ruhigen und sauberen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Niedrig dosierte Röntgenbestrahlung als Ergänzung zur üblichen medikamentösen Behandlung von Kniearthrose steht im Zentrum einer russischen Studie, die auf der Tagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellt wurde.

Die randomisierte Ein-Zentrum-Studie untersuchte an 292 Patienten mit Kniearthrose der Grade 0 bis 2, ob eine zusätzliche Bestrahlung Schmerzen, Funktion und Gelenkverschleiß über Jahre hinweg günstig beeinflussen kann.

Studiendesign und zentrale Ergebnisse

Die Teilnehmer, deren Medianalter bei 38 Jahren lag, erhielten entweder Glucosamin und Chondroitin allein oder zusätzlich eine niedrig dosierte Bestrahlung von 4,5 Gy, verteilt auf 10 Sitzungen.

Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,9 Jahren zeigte die Bestrahlungsgruppe laut der Studie anhaltend weniger Schmerzen, eine bessere Funktion und Lebensqualität sowie einen geringeren im MRT sichtbaren Gelenkverschleiß.

Nach statistischer Anpassung war das Risiko einer amtlich festgestellten Behinderung in der Bestrahlungsgruppe demnach 67 Prozent niedriger als bei alleiniger medikamentöser Behandlung.

In einer explorativen Auswertung von 78 Patienten mit Arthrose Grad 2 fielen die Unterschiede besonders deutlich aus: Eine Behinderung trat bei 31 Prozent der bestrahlten Patienten auf, gegenüber 61 Prozent in der Kontrollgruppe. Eine Knieprothese benötigten 14 Prozent der Bestrahlten im Vergleich zu 36 Prozent in der Kontrollgruppe.

Wie das Portal tf1info.fr berichtete, verglich die Studie mit rund 300 Kniearthrosepatienten den Effekt von Nahrungsergänzungsmitteln allein mit der Kombination aus Nahrungsergänzungsmitteln und niedrig dosierter Strahlentherapie, wobei die MRT-Aufnahmen auf eine langsamere Arthroseentwicklung in der Bestrahlungsgruppe hindeuteten.

Sicherheit und offene Fragen

Nach Angaben der Studie wurden keine behandlungsbezogenen Krebsfälle oder akuten Reaktionen beobachtet. Allerdings seien seltene Spätfolgen und ein mögliches Krebsrisiko nicht ausreichend untersucht worden, sodass die Langzeitsicherheit der Methode nicht abschließend geklärt ist, wie ein Bericht von eltiempomx.com festhielt.

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Auch methodisch weist die Studie Grenzen auf: Sie wurde nicht verblindet durchgeführt, fand an einem einzigen Zentrum statt, und die Langzeitanalysen sowie die MRT-Daten gelten als explorativ beziehungsweise unvollständig. Die Autoren betonten entsprechend, dass die Ergebnisse vorläufig seien und vor einer Änderung der Behandlungspraxis durch größere, unabhängige randomisierte Studien bestätigt werden müssten.

Einordnung durch Fachleute

Der Experte Vincent Valinducq verwies darauf, dass weitere Untersuchungen den beobachteten Vorteil erst bestätigen müssten. Zu den üblichen Maßnahmen bei Kniearthrose zählten weiterhin Gewichtsmanagement, Bewegung wie Gehen oder Schwimmen sowie bei Beschwerden Schmerzmittel, Injektionen oder Physiotherapie.

Eine behandelnde Ärztin nannte als mögliche Kandidaten für die niedrig dosierte Strahlentherapie insbesondere Arthrosepatienten ab 50 Jahren, bei denen Gewichtsmanagement, Medikamente oder Injektionen nicht angeschlagen hätten. Die Behandlung könne demnach auch bei Beschwerden an Händen und Füßen eingesetzt werden.

Erfahrungsbericht eines Patienten

Einen Eindruck von der praktischen Anwendung vermittelt der Fall eines 70-jährigen Patienten mit Kniearthrose, der sechs nicht-invasive Bestrahlungssitzungen von jeweils etwa 10 Minuten erhielt.

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Nach eigenen Angaben verschwanden seine Schmerzen bereits in der ersten Behandlungswoche, während sich Beweglichkeit und Bewegungsumfang mit jeder weiteren Sitzung verbesserten. Im Anschluss verzichtete er auf seinen Rollator, nutzte zur Balance jedoch weiterhin einen Stock.

Für Patienten mit altersbedingten Gelenkbeschwerden liefert die russische Studie damit ein interessantes, aber noch nicht abschließend validiertes Signal: Die Daten deuten auf einen möglichen Zusatznutzen niedrig dosierter Strahlentherapie hin, eine breite Anwendung setzt nach Einschätzung der Studienautoren jedoch unabhängige Bestätigung in größeren, kontrollierten Studien voraus.

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