Knochenmarködem im MRT: Warum es allein keine axSpA-Diagnose belegt
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin Knochenmarködem im Iliosakralgelenk gilt in der bildgebenden Diagnostik häufig als zentraler Hinweis auf eine axiale Spondyloarthritis (axSpA). Nach Einschätzung eines Forschungsteams der Technischen Universität München ist ein solcher Befund in der Magnetresonanztomografie (MRT) jedoch nicht zwingend gleichbedeutend mit dieser rheumatischen Erkrankung.
Wie die Gruppe darlegt, reicht die reine Sichtung eines Ödems für eine gesicherte Diagnose nicht aus. Vielmehr sei es erforderlich, neben dem gesamten klinischen Kontext auch demografische Parameter sowie die genaue Lokalisation der Läsionen systematisch in die Beurteilung einzubeziehen.
Fallstricke in der Bildgebung und Kriterien aktiver Entzündungen
Dass bildgebende Veränderungen fehlinterpretiert werden können, verdeutlichen auch dokumentierte Einzelfälle: So wurde etwa eine hypophosphatämische Osteomalazie, ausgelöst durch einen diffusen tenosynovialen Riesenzelltumor, fälschlicherweise als Spondyloarthritis diagnostiziert.
Für die Beurteilung mittels MRT gelten standardisierte Vorgaben der 1995 gegründeten Assessment of SpondyloArthritis international Society (ASAS). Eine aktive Sakroiliitis im MRT ist demnach als Knochenödem oder Osteitis definiert, wenn mindestens zwei Läsionen auf einem Schnittbild oder eine Läsion auf mindestens zwei aufeinanderfolgenden Bildern nachweisbar sind.
Die Anwendung der ASAS-Kriterien erhöht die diagnostische Wahrscheinlichkeit deutlich: Eine Prä-Test-Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent steigt post-test auf 89 Prozent bei einem Likelihood Ratio von 5,3. Der Bildgebungszweig erreicht dabei 97,5 Prozent, während der klinische Zweig bei 86 Prozent liegt.
Fachleute betonen, dass MRT und SPECT der Sakroiliakalgelenke der Frühdiagnose gegenüber herkömmlichem Röntgen zwar überlegen, wegen der Kosten jedoch nicht als Routineuntersuchung empfohlen sind. Bei unklaren Röntgenbefunden dient eine Computertomografie zur genaueren Begutachtung des Gelenkspalts.
Typische Diagnoseverzögerungen und klinische Einordnung
Die diagnostische Einordnung bleibt eine anhaltende Herausforderung im Versorgungsalltag. Übersichtsarbeiten zeigen, dass die durchschnittliche Verzögerung von den ersten Symptomen bis zur gesicherten Diagnose zwischen sechs und neun Jahren liegt. Dies hängt auch damit zusammen, dass Rückenschmerzen im Laufe des Lebens bis zu 80 Prozent der Bevölkerung betreffen, entzündlicher Rückenschmerz jedoch nur rund 5 Prozent der chronischen Beschwerden ausmacht.
Als diagnostische Voraussetzung nach ASAS gilt chronischer Rückenschmerz von mehr als drei Monaten Dauer bei Personen unter 45 Jahren. Studien verdeutlichen die Herausforderungen bei der Fallfindung: In der RADAR-Studie führte eine Strategie mit einem von drei Kriterien zu 35,6 Prozent axSpA-Diagnosen, während eine Strategie mit zwei von sechs Kriterien 39,8 Prozent ergab.
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In der MASTER-Studie lagen diese Werte bei 41,8 Prozent beziehungsweise 36,8 Prozent. Ein systematisches Screening erbringt bei 35 bis 45 Prozent der Untersuchten eine Diagnose, worunter sich zu 40 bis 60 Prozent bislang undiagnostizierte Fälle von ankylosierender Spondylitis (AS) befinden.
Im Labor ist das C-reaktive Protein aussagekräftiger als eine beschleunigte Blutsenkungsreaktion, und bei rund 50 Prozent der Patienten zeigt sich eine erhöhte alkalische Phosphatase. Obwohl 90 bis 95 Prozent HLA-B27-positiv sind, wird der Marker nicht routinemäßig als alleiniges Diagnosekriterium eingesetzt.
Langfristige Bedeutung einer rechtzeitigen Erkennung
Der Nutzen einer frühzeitigen Erkennung wird durch wissenschaftliche Untersuchungen untermauert. Eine am 18. September 2026 im Fachjournal Arthritis & Rheumatology veröffentlichte Studie einer Forschungsgruppe um Annik Steimer vom Universitätsklinikum Zürich zeigte anhand von 376 Patienten und 1.181 Röntgensätzen aus den Jahren 2004 bis 2024, dass eine frühe axSpA mit einer Symptomdauer von höchstens zwei Jahren mit geringeren langfristigen Wirbelsäulenschäden einhergeht.
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Gemessen am modifizierten Stoke Ankylosing Spondylitis Spine Score (mSASSS) wiesen früh diagnostizierte Patienten 10 bis 15 Jahre nach Diagnose einen um 3,85 Einheiten niedrigeren Wert auf als Personen mit etablierter Erkrankung; nach Adjustierung für den Ausgangsschaden lag die Differenz bei minus 5,70 Einheiten.
Daten aus dem GESPIC-Register belegen zudem, dass eine nicht-radiografische axiale Spondyloarthritis klinisch ähnlich schwer verläuft wie eine ankylosierende Spondylitis. Entsprechend empfehlen Fachgesellschaften wie die EULAR und die Tschechische Rheumatologische Gesellschaft den Einsatz von TNF-Inhibitoren wie Infliximab, Etanercept und Adalimumab mittlerweile auch bei der nicht-radiografischen Form.
