Knorpelimplantat, Knie

Knorpelimplantat fürs Knie: Fünfjahresdaten zeigen 81 statt 59 KOOS-Punkte

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fünfjahresdaten zeigen höhere KOOS-Werte und weniger Folgebehandlungen mit dem Implantat als bei den verglichenen Standardverfahren.

Smith+Nephew startet CARTIHEAL AGILI-C in zwölf europäischen Ländern
Ein steriler, minimalistischer Behandlungsraum in einer Klinik mit hellem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Medizintechnikkonzern Smith+Nephew bringt sein Aragonit-Knorpelimplantat CARTIHEAL AGILI-C auf den europäischen Markt. Das System, das bereits 2024 in den USA eingeführt wurde, zielt auf die Behandlung umschriebener Knorpel- sowie Knorpel-Knochen-Defekte im Knie ab.

Die Markteinführung erfolgt schrittweise in ausgewählten europäischen Ländern, während begleitende Langzeitdaten aus klinischen Studien die Wirksamkeit gegenüber etablierten chirurgischen Standardverfahren untersuchen.

Markteinführung und Indikationsbereich

Die kommerzielle Verfügbarkeit des Implantats umfasst zunächst zwölf europäische Länder: Belgien, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Schweiz, Spanien und das Vereinigte Königreich.

Weitere Märkte sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Schweden zählt nach Unternehmensangaben vorerst nicht zu den Startmärkten; weder ein schwedischer Starttermin noch lokale Preise wurden bisher veröffentlicht.

Das aus Aragonit bestehende Implantat dient der Knorpelreparatur und Knochenwiederherstellung sowie der Linderung von Schmerzen. Das Einsatzgebiet ist klar eingegrenzt: Das Produkt ist für isolierte Knorpel- und Knorpel-Knochen-Schäden vorgesehen, nicht jedoch für Patientinnen und Patienten mit schwerer oder allgemeiner Kniearthrose. Smith+Nephew stellt das Produkt zudem auf dem ICRS-Gipfel in Porto vor, der für den Zeitraum vom 8. bis 10. Oktober 2026 angesetzt ist.

Klinische Fünfjahresergebnisse im Vergleich

Die Einführung in Europa stützt sich auf Ergebnisse einer Fünfjahresstudie, die 2026 im Fachjournal American Journal of Sports Medicine publiziert wurde. Die randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) wurde an 26 Zentren in acht Ländern mit einem Randomisierungsverhältnis von 2:1 durchgeführt. Dabei erhielten 167 Probanden das Implantat, während 84 Patienten einer Kontrollgruppe mit Debridement oder Mikrofrakturierung zugewiesen wurden.

Anzeige

Ein neues Knorpelimplantat ist in Europa verfügbar — die Fünfjahresdaten zeigen deutlich höhere KOOS-Werte als die chirurgische Standardbehandlung. Unser kostenloser Ratgeber erklärt in drei Schritten, was das für Kniepatienten mit umschriebenem Knorpelschaden bedeutet. Kostenlosen Patienten-Ratgeber anfordern

Nach einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren erzielte die Implantatgruppe im Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS) einen Mittelwert von 81,0 Punkten, verglichen mit 59,1 Punkten in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer Differenz von 22,6 Punkten (95%-Konfidenzintervall: 16,6 bis 28,7).

Den Kriterien für ein therapeutisches Ansprechen – definiert als eine KOOS-Verbesserung um mindestens 30 Punkte – entsprachen 74,7 % der Implantatpatienten gegenüber 29,6 % in der Kontrollgruppe.

Zudem fiel die Rate an Behandlungsversagen, erfasst als Notwendigkeit jedweder Folgebehandlung, mit 15,0 % bei den Implantatempfängern signifikant niedriger aus als in der Vergleichsgruppe mit 35,7 % (p<0,001). Die multizentrische Untersuchung dokumentierte bis zu 60 Monate lang höhere KOOS-Werte sowie stärkere Verbesserungen bei Schmerz und Lebensqualität.

Funktionelle Fortschritte zeigten sich bei Alltagsaktivitäten sowie Sport- und Freizeitaktivitäten nach zwei, vier und fünf Jahren. Bei den mit dem Implantat versorgten Teilnehmern bestand dabei kein statistischer Ergebnisunterschied zwischen Gruppen mit und ohne Arthrose. Bei der Studienmethodik handelte es sich um ein offenes Studiendesign, das von den beteiligten Unternehmen finanziert wurde.

Anzeige

Nicht jeder Knorpelschaden ist ein Fall fürs Implantat — schwere oder allgemeine Kniearthrose bleibt ausdrücklich außen vor. Unser Ratgeber hilft Ihnen, die Grenze einzuordnen, und liefert den passenden Fragenkatalog für Ihr Orthopäden-Gespräch. Fragenkatalog für Ihr Arztgespräch sichern

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Trotz des kommerziellen Starts in Kernmärkten hat Smith+Nephew bislang weder Angaben zu den europäischen Preisen noch zu Erstattungsentscheidungen der Kostenträger gemacht. An den Finanzmärkten verzeichnete das Unternehmen begleitende Reaktionen: Die Aktie von Smith+Nephew notierte an der Londoner Börse mit einem Plus von 1,6 % bei 1.021,00 Pence je Aktie.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70243951 |