Kolostrum-Trend: Studienlage bei Erwachsenen bleibt dünn
Veröffentlicht: 15.06.2026 um 23:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kolostrum – die erste Milch von Säugetieren nach der Geburt – wird als „Superfood“ oder „flüssiges Gold“ vermarktet. Die Werbung verspricht Erwachsenen Immunboost und Vitalität. Mediziner sehen das kritisch.
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Biologische Wunderwaffe für Babys
Die Zusammensetzung von Kolostrum ist beeindruckend. Muttermilch besteht zu 87,5 Prozent aus Wasser, dazu kommen Kohlenhydrate (5-7 Gramm Laktose pro 100 Milliliter), Fette (4 Gramm) und Eiweiße (1 Gramm). Entscheidend ist der hohe Anteil an Antikörpern, vor allem Immunglobulin A.
Diese Stoffe sind lebenswichtig für Neugeborene. Sie bauen das Immunsystem auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Muttermilch daher als optimale Säuglingsnahrung ein.
Doch lassen sich diese Vorteile einfach auf Erwachsene übertragen? Die Fachwelt ist skeptisch.
Dünne Studienlage bei Erwachsenen
„Die Werbeversprechen halten einer wissenschaftlichen Prüfung oft nicht stand“, sagt Medizinerin Dr. Simone Koch. Das Problem: Antikörper und Wachstumsfaktoren sind komplexe Proteine. Im menschlichen Verdauungstrakt werden sie teilweise zersetzt – bevor sie überhaupt systemisch wirken können.
Klinische Nachweise für die beworbenen Effekte bei Erwachsenen? Fehlanzeige. Die Studienlage gilt als dünn.
Verbraucher sollten genau hinschauen, welche Versprechen durch Daten belegbar sind. Die Bedeutung von Kolostrum für Babys ist unbestritten. Der Nutzen für Erwachsene bleibt fraglich.
Der größere Kontext: Supplement-Trends
Die Kolostrum-Debatte ist Teil einer grundsätzlichen Diskussion über Nahrungsergänzungsmittel. Branchenkenner wie Autor Bas Kast (2026) sehen Multivitamin-Präparate oft als vielversprechender an – besonders bei der Verlangsamung von Alterungsprozessen.
Seine Empfehlung: lieber ausgewogene Mischpräparate als hochdosierte Einzelstoffe.
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Die Kaffee-Falle: Timing ist alles
Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl warnt vor einem häufigen Fehler: Die Bioverfügbarkeit von Supplementen hängt stark von den Einnahme-Bedingungen ab.
Polyphenole und Gerbstoffe im Kaffee blockieren die Aufnahme von Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium und Calcium. Auch Vitamin D wird durch Koffein beeinträchtigt.
Die Lösung: ein bis zwei Stunden Abstand zum Kaffeekonsum oder Einnahme am Abend.
Vorsicht vor Überdosierung
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft bis zu 400 Milligramm Koffein täglich als unbedenklich ein. Doch bei Supplements ist Vorsicht geboten.
Beispiel Ashwaganda: Das Pflanzenextrakt kann in sehr hohen Dosen Leberschäden verursachen. Die Risiken von Überdosierungen werden oft unterschätzt.
Fazit: Kolostrum enthält wertvolle Inhaltsstoffe für die frühkindliche Entwicklung. Als Wundermittel für Erwachsene ist es wissenschaftlich nicht belegt. Die Werbung verspricht mehr, als die Daten halten.
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