Konjunktur, Institute

Konjunktur: Fünf Institute heben Wachstumsprognosen deutlich an

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fünf Forschungsinstitute sehen nach vier Jahren Stillstand eine Belebung, warnen aber vor fragiler Erholung und steigenden Staatsausgaben.

Deutsche Institute heben Wachstumsprognosen für 2026 an
Ein moderner Industriekran vor einem Sonnenaufgang als Symbol für wirtschaftliche Investitionen und Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt.

In aktuellen Analysen vom 3. September 2026 zeichnen führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute ein optimistischeres Bild für die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik. Nach einer vierjährigen Phase der Stagnation signalisieren das Ifo-Institut, das RWI, das IfW Kiel, das DIW sowie das IWH das Ende der Konjunkturflaute und korrigieren ihre Wachstumserwartungen für das laufende und die kommenden Jahre nach oben.

Divergierende Wachstumserwartungen der Forschungsinstitute

Die Institute bewerten die Dynamik der Erholung im Detail unterschiedlich, sind sich jedoch über den positiven Trend einig. Das Münchener Ifo-Institut hob seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 um 0,6 Prozentpunkte auf nun 1,4 % an. Eine ähnlich optimistische Einschätzung vertritt das IWH, das ebenfalls ein Wachstum von 1,4 % für das Jahr 2026 vorhersagt.

Das RWI und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwarten für das Jahr 2026 ein BIP-Plus von jeweils 1,3 %. Das DIW in Berlin verzeichnete die deutlichste Korrektur: Die Experten hoben ihre Erwartung von zuvor 0,5 % auf 1,2 % an, was einer Steigerung um 0,7 Prozentpunkte entspricht.

Für die Folgejahre rechnen die Institute mit einer moderaten Fortsetzung des Wachstums, wenngleich die Raten sich teilweise abschwächen könnten:
* Ifo-Institut: 1,2 % für 2027 und 0,8 % für 2028.
* DIW: 1,0 % für 2027 und 0,7 % für 2028.
* RWI: 1,1 % für 2027 und 0,5 % für 2028.
* IfW Kiel: 1,0 % für 2027 und 0,5 % für 2028.
* IWH: 0,8 % für 2027 und 0,2 % für 2028.

Staatsausgaben und Außenhandel als Wachstumstreiber

Die Ursachen für die konjunkturelle Belebung liegen laut den Instituten vor allem im öffentlichen Sektor und der Auslandsnachfrage. Das Ifo-Institut verwies in seiner Analyse vom 3. September 2026 auf verstärkte Investitionen in die Infrastruktur, den Klimaschutz sowie die Verteidigung.

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Zudem stütze eine robuste Nachfrage aus dem Ausland die deutsche Industrie, für die das Institut im Jahr 2026 ein sektorspezifisches Wachstum von 1,8 % prognostiziert.

Das DIW unterstrich die Bedeutung staatlicher Impulse. Demnach entfallen rund 70 % des Wachstums auf den öffentlichen Konsum und staatliche Investitionen. Ein nachlassender Energiepreisschock sowie ein erstarkender Außenhandel trügen ebenfalls zur Stabilisierung bei.

Trotz dieser positiven Signale mahnen Experten zur Vorsicht. Das RWI wies darauf hin, dass die Erholung fragil bleibe, solange private Investitionen und der private Konsum keine tragenden Rollen übernehmen. Kurzfristige Dämpfer ergeben sich zudem durch Umweltfaktoren: Für das dritte Quartal 2026 erwarten die Institute lediglich ein Wachstum von 0,1 %, da anhaltendes Niedrigwasser im Rhein die Industrieproduktion um schätzungsweise 0,2 % bremse.

Fiskalische Herausforderungen und Arbeitsmarkt

Die wirtschaftliche Erholung geht mit signifikanten Veränderungen im Staatshaushalt und am Arbeitsmarkt einher. Die Institute prognostizieren einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 6,3 % im Jahr 2026 auf 6,0 % im Jahr 2028.

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Gleichzeitig belasten die Mehrausgaben den Fiskus. Den Prognosen zufolge wird das Staatsdefizit von 3,0 % des BIP im Jahr 2025 auf 4,6 % im Jahr 2028 ansteigen. Ein wesentlicher Faktor hierbei sind die Zinsausgaben, die sich nach Einschätzung der Ökonomen auf 100 Mrd. € verdoppeln werden.

Hinsichtlich der Inflation geht das Ifo-Institut von Raten in Höhe von 2,8 % für 2026, 3,0 % für 2027 und 2,3 % für 2028 aus, während das IfW Kiel für die Jahre 2026 und 2027 mit jeweils 2,7 % rechnet.

Als wesentliche Risiken für diesen Ausblick nannten die Institute in ihren Berichten geopolitische Spannungen wie den Iran-Krieg, die weitere Entwicklung der Energiepreise sowie die Gefahr einer erneuten Gasmangellage. Eine zusammengefasste detaillierte Bewertung wird im gemeinsamen Herbstgutachten der fünf Institute erwartet, das für den 24. September geplant ist.

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