Konserven: Bisphenole 833-fach über Grenzwert in Dosenravioli
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit weisen auf eine anhaltende Problematik bei der Verwendung von Konservendosen hin. Im Fokus stehen dabei Bisphenole, insbesondere Bisphenol A (BPA), die aus den Innenbeschichtungen der Dosen in die Nahrungsmittel migrieren können.
Eine Analyse vom 27. August 2026 verdeutlicht das Ausmaß dieser Belastung in gängigen Dosenlebensmitteln und zeigt erhebliche Überschreitungen geltender Richtwerte auf.
Systematische Belastung bei Dosenprodukten
In einer Untersuchung der Organisation Öko-Test, die in der Ausgabe 9/2026 veröffentlicht wurde, wurden 52 verschiedene Dosenlebensmittel auf Rückstände von Bisphenolen geprüft.
Die Ergebnisse belegen eine weitreichende Kontamination: In 42 der 52 untersuchten Produkte wurden hohe oder sehr hohe Mengen der hormonwirksamen Substanzen festgestellt. Diese Chemikalien stammen primär aus den Epoxidharzen, die zur Innenbeschichtung der Metallbehälter verwendet werden.
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Besonders kritisch bewerteten die Prüfer die Konzentration von Bisphenol A. Diese Substanz steht seit langem unter Beobachtung, da sie das hormonelle System beeinflussen kann. Neben BPA wurden in der Untersuchung auch verwandte Verbindungen wie Bisphenol F (BPF) nachgewiesen, was die Komplexität der chemischen Belastung in Konserven unterstreicht.
Massive Grenzwertüberschreitungen am Beispiel von Fertiggerichten
Die Datenlage zeigt bei einzelnen Produkten extreme Abweichungen von den Sicherheitsempfehlungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
So wurde laut Öko-Test in einer Portion Maggi Ravioli in Tomatensauce (400 g) ein BPA-Gehalt ermittelt, der den EFSA-TDI-Wert (Tolerable Daily Intake) um das 833-fache überschreitet. In weiteren Analysen wurde für eine Portion Dosenravioli generell eine Überschreitung des TDI-Wertes um das 800-fache festgestellt.
Zusätzlich zur BPA-Belastung wurde bei den Maggi Ravioli eine stark erhöhte Konzentration von Bisphenol F dokumentiert. Die Einordnung dieser Werte unterliegt dabei unterschiedlichen wissenschaftlichen Maßstäben: Während die EFSA sehr strenge Richtwerte für die tägliche Aufnahme anlegt, verfolgt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen weniger strengen TDI-Wert für Bisphenol A.
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Regulatorischer Rahmen und industrielle Anpassungen
Auf gesetzgeberischer Ebene wurden bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Belastung der Verbraucher zu reduzieren. Die Europäische Union hat die Verwendung von BPA in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, bereits seit Januar 2025 verboten.
Für die Umsetzung bestehen jedoch Übergangsfristen, die bis zum Jahr 2028 reichen. So sind beispielsweise Außenlacke für Lebensmittelbehälter erst ab Januar 2028 vollständig untersagt. Ein spezifischer gesetzlicher Grenzwert für Bisphenole direkt in Lebensmitteln existiert derzeit noch nicht.
Einige Marktteilnehmer haben bereits auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse reagiert. Das Unternehmen Nestlé gab im August 2026 bekannt, den Außenlack seiner Dosen auf eine BPA-freie Variante (BPA-NI) umgestellt zu haben.
Dass eine Produktion ohne die problematischen Stoffe möglich ist, zeigten im Test erstmals zwei spezifische Produkte: Der Bio Primo Linseneintopf von dm sowie die Sea Gold Heringsfilets von Netto wurden als frei von BPA, BPS und BPF identifiziert.
Empfehlungen für den Verbraucherschutz
Angesichts der Testergebnisse raten Experten zu einem bewussteren Umgang mit verpackten Lebensmitteln. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Lebensmittel bevorzugt in Glasbehältern statt in Konservendosen zu erwerben. Auch Öko-Test rät dazu, frische Lebensmittel vorzuziehen. Sollten dennoch Konserven genutzt werden, wird empfohlen, verbleibende Reste nicht in der Dose zu lagern, sondern zur weiteren Aufbewahrung in Glasgefäße umzufüllen.
