Konserven-Test: Maggi Ravioli überschreitet Grenzwert um das 833-Fache
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine umfassende Untersuchung von 52 Dosenlebensmitteln im August 2026 verdeutlicht die anhaltende Problematik der Bisphenol-Belastung in der Lebensmittelindustrie. Die Ergebnisse einer Analyse von ÖKO-TEST zeigen, dass ein Großteil der untersuchten Konserven Rückstände von Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) oder Bisphenol F (BPF) aufweist.
Während der Großteil der Proben als kritisch eingestuft wird, offenbaren die Daten signifikante Unterschiede bei den Herstellern sowie eine komplexe regulatorische Lage hinsichtlich der Grenzwerte.
Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Risikobewertungen
Die Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Bisphenol A ist derzeit Gegenstand unterschiedlicher wissenschaftlicher Einordnungen, was Auswirkungen auf die Einstufung von Produkten hat.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte bereits im Jahr 2023 den tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) für BPA massiv gesenkt – um den Faktor 20.000. Im Gegensatz dazu setzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen Wert an, der um das 1.000-fache über dem der EFSA liegt.
Diese wissenschaftliche Uneinigkeit trifft auf eine Lücke in der Gesetzgebung: Derzeit existiert kein gesetzlicher Grenzwert für Bisphenole direkt in Lebensmitteln. Bei den Untersuchungen im August 2026 führte die Anwendung des EFSA-Maßstabs zu deutlichen Grenzwertüberschreitungen.
So wiesen etwa die Maggi Ravioli des Herstellers Nestlé eine 833-fache Überschreitung des EFSA-TDI-Werts auf. Die Belastung mit BPA wurde in diesem Produkt als sehr stark erhöht klassifiziert, während die Werte für BPF als stark erhöht eingestuft wurden.
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Reaktionen der Industrie und regulatorische Fristen
Die Lebensmittelindustrie befindet sich in einem Transformationsprozess bei der Gestaltung von Verpackungsmaterialien. Nestlé gab im August 2026 bekannt, dass der Außenlack der verwendeten Dosen bereits auf BPA-NI (Bisphenol A Non-Intent) umgestellt worden sei. Zudem erklärte das Unternehmen, dass bereits seit der ersten Jahreshälfte 2026 neue Dosen zum Einsatz kämen, die ohne Bisphenol A gefertigt werden.
Auf europäischer Ebene ist der regulatorische Fahrplan zur Minimierung dieser Stoffe bereits definiert. Ein EU-weites Verbot für Bisphenol A in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, gilt ab Januar 2025. Für spezifische Übergangsbereiche, wie etwa die Außenlacke von Konservendosen, sieht die Neuregelung jedoch längere Fristen bis zum Jahr 2028 vor.
Positive Befunde und Empfehlungen für den Verbraucherschutz
Trotz der weitreichenden Belastung – von den 52 getesteten Produkten wurden 42 als hoch oder sehr hoch belastet eingestuft – identifizierte die Untersuchung im August 2026 auch schadstofffreie Alternativen.
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Produkte wie der Bio Primo Linseneintopf sowie Sea Gold Heringsfilets wurden als erste der getesteten Proben ohne nachweisbare Bisphenole hervorgehoben. Insgesamt erwiesen sich lediglich sechs der untersuchten Erzeugnisse als unbelastet oder nur sehr gering belastet.
Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse raten Experten der Verbraucherzentrale Konsumenten dazu, verstärkt auf Lebensmittel in Glasgefäßen zurückzugreifen. Dies gilt als wirksame Maßnahme, um den Kontakt mit potenziell migrierenden Bisphenolen aus den Innenbeschichtungen von Metallkonserven zu vermeiden, solange die industrielle Umstellung auf alternative Lacke noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
