KrÀuterzigaretten: 20% mehr Feinstaub als Tabakprodukte
01.06.2026 - 01:33:21 | boerse-global.deDas zeigt eine neue Studie indischer und US-amerikanischer Forscher.
GefÀhrliche Feinstaubwerte
Eine gemeinsame Untersuchung des IIT Gandhinagar und der University of Illinois Urbana-Champaign kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Die im Fachjournal Journal of Hazardous Materials veröffentlichte Studie verglich zwei Tabakmarken mit vier KrĂ€uterzigaretten-Marken. Das Ergebnis: KrĂ€uterzigaretten produzieren rund 20 Prozent mehr Feinstaubpartikel unter 500 Nanometern als Tabakzigaretten. Diese winzigen Partikel dringen tief in die Lunge ein und gelten als besonders gefĂ€hrlich fĂŒr die Atemwege.
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Noch riskanter wird es je nach Verpackung: Varianten mit Tendu-BlĂ€ttern statt PapierhĂŒlle wiesen ein um 49 Prozent höheres oxidatives Potenzial auf. Eine KrĂ€uterzigarette mit Basilikum-Inhalt enthielt zudem die höchste Bleikonzentration aller getesteten Produkte. Die Forscher betonen: Das Etikett âkrĂ€uter" oder ânatĂŒrlich" tĂ€uscht ĂŒber die tatsĂ€chlichen Risiken hinweg â die Verbrennung setzt giftige Metalle und Feinstaub frei.
Regulatorische LĂŒcken
Ein zentrales Problem: KrÀuterzigaretten fallen in vielen LÀndern nicht unter die strengen Tabakgesetze. In Indien etwa unterliegen sie nicht dem Cigarettes and Other Tobacco Products Act (COTPA). Das erlaubt lockere Werbeversprechen und fehlende Warnhinweise.
Auch in Deutschland wĂ€chst die Sorge vor solchen LĂŒcken. AnlĂ€sslich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai 2026 warnten mehrere Gesundheitsminister der LĂ€nder vor den Risiken nikotinfreier Alternativprodukte. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach erklĂ€rte, dass traditionelles Rauchen zwar weiterhin die gröĂte Bedrohung sei, aber die wachsende Beliebtheit von Alternativprodukten unter Jugendlichen neue Wege zur AbhĂ€ngigkeit schaffe.
Jugendliche rauchen wieder mehr
Die aktuellen Zahlen geben Anlass zur Sorge. Eine Suchtstudie aus dem Jahr 2025 zeigt: Bei den 12- bis 17-JĂ€hrigen stieg die Raucherquote von 6,1 Prozent (2021) auf 9,6 Prozent (2025) . In Bayern hatten 20 Prozent der 15- bis 16-JĂ€hrigen im letzten Monat Tabak geraucht, 30 Prozent griffen zu E-Zigaretten.
Die Politik reagiert mit Forderungen nach schĂ€rferen MaĂnahmen:
- Klaus Reinhardt, PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer, plĂ€diert fĂŒr neutrale Verpackungen sowie ein umfassendes Werbe- und Aromenverbot fĂŒr alle Nikotin- und Rauchprodukte.
- Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, fordert deutliche Preiserhöhungen fĂŒr Zigaretten und E-Zigaretten, um Jugendliche abzuschrecken.
- Andreas Philippi, Gesundheitsminister von Niedersachsen, verlangt ein Verbot von Aromen in E-Zigaretten, um deren Lifestyle-Image zu zerstören.
Baden-WĂŒrttemberg zog bereits die Konsequenzen: Seit dem 1. Juni 2026 gilt ein erweitertes Rauchverbot in der Ăffentlichkeit. Es umfasst nun auch E-Zigaretten, Shishas und Vaporizer â auf SpielplĂ€tzen, an Bushaltestellen, in öffentlichen GebĂ€uden sowie in AuĂenbereichen von Zoos und SchwimmbĂ€dern. VerstöĂe kosten bis zu 500 Euro.
Filter helfen kaum
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Eine weitere Analyse vom Mai 2026 untersuchte die Wirksamkeit von Filtern. Zwar binden Aktivkohlefilter zwischen 70 und 88 Prozent der freien Radikale im Rauch, doch die Teeraufnahme sinkt nur um magere sieben Prozent.
Hinzu kommt der sogenannte Kompensationseffekt â ein PhĂ€nomen, das bereits in den 1970er Jahren beschrieben wurde. Raucher inhalieren tiefer oder hĂ€ufiger, um den gefĂŒhlten Filtereffekt auszugleichen. Die Folge: Der Teerkonsum pro Zugeinheit steigt um bis zu 86 Prozent.
Mediziner betonen daher: Der Umstieg auf KrĂ€uterzigaretten oder gefilterte Produkte bringt kaum Vorteile. Besser sei der vollstĂ€ndige Verzicht oder â als geringstes Ăbel â der Wechsel zu Vaporizern. Die gesundheitliche Bilanz bleibt dĂŒster: Das Robert Koch-Institut meldet jĂ€hrlich rund 127.000 tabakbedingte TodesfĂ€lle in Deutschland. In Ăsterreich sind laut dem Suchtbericht 2025 24 Prozent der Bevölkerung tĂ€gliche Nikotinkonsumenten â mit Tausenden TodesfĂ€llen durch Bronchialkarzinome pro Jahr.
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