Krampfadern: Neue Venenimplantate funktionieren zu 80 Prozent
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat behandlungsbedürftige Krampfadern. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) beziffert den Anteil auf 20 bis 30 Prozent. Weltweit sind Schätzungen zufolge bis zu 40 Prozent der Erwachsenen von einer chronischen Veneninsuffizienz betroffen. Frauen machen mit rund 80 Prozent die Mehrheit der Patienten aus.
Von Besenreisern bis zur offenen Wunde
Venenerkrankungen haben viele Gesichter. Besenreiser unter einem Millimeter Durchmesser sind meist nur ein ästhetisches Problem. Krampfadern, medizinisch Varizen, erreichen dagegen drei Millimeter oder mehr. Die Ursache: Ein Blutstau in den Beinvenen, die das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen pumpen müssen. Versagen die Venenklappen oder schwächelt die Muskelpumpe, weiten sich die Gefäße dauerhaft.
Typische Warnsignale sind Schweregefühl, Schwellungen, Kribbeln und nächtliche Wadenkrämpfe. Letztere können aber auch auf Elektrolytmangel oder Diabetes hindeuten. Besondere Vorsicht gilt bei Beinschmerzen beim Gehen, die in Ruhe nachlassen. Das kann auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) hindeuten – mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Neue Hoffnung aus Spanien
Die Gefäßforschung macht Fortschritte. Am Hospital Universitario de Valme in Sevilla behandelten Ärzte im TECVI-Projekt elf Patienten mit Venen aus Spendergewebe. Das Ergebnis: Über 80 Prozent der Implantate funktionierten nach einem Monat, rund zwei Drittel nach einem Jahr – ohne Infektionen oder Thrombosen. Erste Zulassungen gibt es seit Ende 2020.
Auf Gran Canaria setzt das Hospital Dr. Negrín auf einen neuartigen Stent gegen Verengungen der Vena cava inferior bei Krebspatienten. Das System trägt eine CE-Kennzeichnung und soll im September auf einem Fachkongress in Kopenhagen vorgestellt werden.
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Doch nicht jede Innovation überzeugt. Die VenUS-6-Studie der University of Manchester zeigt: Spezielle Kompressionswickel heilen Beingeschwüre nicht schneller als Standardbehandlungen. Patienten fanden sie zwar bequemer, lockerten sie aber häufiger selbst – was die Wirkung minderte. Die Autoren raten, die Wickel nicht als primäre Therapie einzusetzen.
Schonende Verfahren statt Skalpell
Die moderne Venentherapie setzt auf Minimalinvasives. Endovenöse thermische Ablation mit Laser oder Radiofrequenz gilt inzwischen als Mittel der ersten Wahl. Klassisches Stripping wird seltener. Bei Besenreisern hilft die Verödung, auch Sklerotherapie genannt. Neuere Optionen: Venenkleber.
Die Basis jeder Behandlung bleibt die Kompression. Strümpfe der Klassen 1 und 2 dienen sowohl der Prophylaxe bei langen Flugreisen als auch der Nachsorge nach Operationen. Moderne Produkte aus Schweizer Produktion punkten mit besseren Materialien und praktischen Anziehhilfen – das erhöht die Akzeptanz im Alltag.
Was im Alltag wirklich hilft
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Venen brauchen Bewegung. Wadenheben und Fußwippen aktivieren die Muskelpumpe. Bei Hitze helfen kalte Wechselduschen vom Fuß Richtung Herz. Mindestens zwei Liter Flüssigkeit täglich und Normalgewicht entlasten das Venensystem. Spezielle leichte Kompressionsstrümpfe für den Sommer lassen sich mit Wasser besprühen und kühlen so zusätzlich.
Bei plötzlichen Schmerzen, Atemnot oder Herzklopfen zählt jede Minute. Dann kann eine Lungenembolie drohen – die lebensbedrohliche Folge einer Thrombose. Sofort in die Klinik, lautet die Devise.
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