KrankenhÀuser: 3,5 Millionen FÀlle könnten ambulant versorgt werden
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im deutschen Gesundheitssystem besteht weiterhin ein erhebliches Potenzial zur Ambulantisierung stationĂ€rer Behandlungen. Laut einer Auswertung des Versorgungskompasses der Krankenkasse Barmer fĂŒr das Jahr 2025 war jeder fĂŒnfte vollstationĂ€re Krankenhausfall grundsĂ€tzlich ambulant behandelbar. Dies entsprach knapp 3,5 Millionen Behandlungen. Obwohl diese Zahl gegenĂŒber 2019 um rund eine Million Behandlungen zurĂŒckging, verbleibt das Volumen auf einem hohen Niveau.
Deutliche regionale Unterschiede bei vermeidbaren Klinikaufenthalten
Die Barmer-Auswertung beziffert die sogenannten ambulant-sensitiven KrankenhausfĂ€lle fĂŒr das Jahr 2025 auf etwa 4,67 Millionen. Im Jahr 2019 hatte dieser Wert noch bei rund 5 Millionen gelegen.
Bei den Potenzialen fĂŒr eine ambulante Versorgung zeigen sich deutliche regionale Differenzen. Den Berechnungen zufolge lag der Anteil der ambulant erbringbaren FĂ€lle in Bremen bei 17,8 Prozent, wĂ€hrend er in Berlin 19,8 Prozent und in Bayern 19,2 Prozent betrug. Den höchsten Wert unter den ausgewerteten BundeslĂ€ndern verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 21,9 Prozent.
Dynamik und Kostenentwicklung bei Hybrid-DRGs
Ein zentrales Instrument zur Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Bereich sind die sogenannten Hybrid-DRGs, eine sektorengleiche VergĂŒtung fĂŒr bestimmte Eingriffe. Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt jedoch, dass diese Umstellung kurzfristig mit zusĂ€tzlichen finanziellen Belastungen einhergeht.
Demnach verursachten Hybrid-DRGs im Jahr 2025 Mehrausgaben von rund 360 Millionen Euro. Die Fallzahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent, wÀhrend die inflationsbereinigten Ausgaben um 14 Prozent zulegten.
Jeder fĂŒnfte vollstationĂ€re Fall wĂ€re laut Barmer-Auswertung grundsĂ€tzlich ambulant versorgbar â knapp 3,5 Millionen Behandlungen allein 2025. Wer die Verlagerung jetzt strukturiert angeht, senkt stationĂ€re Fehlbelegung, bevor der Reformdruck aus dem Koalitionsvertrag greift. Kostenlosen Reform-Report jetzt anfordern
Besonders krĂ€ftig fiel das Wachstum bei den niedergelassenen Ărzten aus: Im vertragsĂ€rztlichen Bereich stieg das Volumen um 65 Prozent auf rund 363.000 FĂ€lle, nachdem es 2024 noch bei etwa 219.000 gelegen hatte. In den KrankenhĂ€usern legten die Fallzahlen moderater um 6 Prozent von circa 932.000 im Jahr 2024 auf rund 986.000 FĂ€lle zu.
Dieser Trend setzte sich auch zu Beginn des Folgejahres fort. FĂŒr das erste Quartal 2026 ermittelte das WIdO einen weiteren Anstieg der Fallzahlen um 5 Prozent sowie der Ausgaben um 7 Prozent beziehungsweise 160 Millionen Euro. FĂŒr das gesamte Jahr 2026 prognostiziert das Institut Mehrausgaben von bis zu 640 Millionen Euro durch die VergĂŒtungsreform.
Debatte ĂŒber Steuerung und PrimĂ€rversorgung
Vor dem Hintergrund der bestehenden Fehlallokationen fordern Krankenkassen tiefgreifende Reformen der Versorgungsstrukturen. Die AOK Rheinland/Hamburg plĂ€diert fĂŒr einen gesetzlichen Rahmen zur PrimĂ€rversorgung, der ĂŒber die bisherige hausarztzentrierte Versorgung hinausgeht.
Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kasse, mahnte strukturelle VerĂ€nderungen an und verwies darauf, dass Einsparungen erst auf Sicht zu erwarten seien. Vorgeschlagen wird unter anderem, Ă€rztliche Leistungen gezielt durch FachkrĂ€fte wie Physician Assistants oder Community Health Nurses zu substituieren und diese Leistungen aufwandsgerecht zu vergĂŒten.
Hybrid-DRGs verursachten 2025 rund 360 Millionen Euro Mehrausgaben â fĂŒr 2026 prognostiziert das WIdO bis zu 640 Millionen. Kassen-Entscheider brauchen jetzt einen belastbaren Kosten-Nutzen-Rechner, um die VergĂŒtungsreform zu steuern statt sie zu erleiden. Kosten-Nutzen-Rechner jetzt sichern
Auf politischer Ebene sieht der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD die EinfĂŒhrung eines verbindlichen PrimĂ€rarztsystems vor. Demnach sollen Haus- und KinderĂ€rzte den Bedarf fĂŒr Facharzttermine prĂŒfen, wĂ€hrend die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen die Vermittlung ĂŒbernehmen. Ausnahmen sind unter anderem fĂŒr GynĂ€kologen und AugenĂ€rzte vorgesehen.
Kritik an solchen Modellen kommt von Patientenseite. VdK-PrĂ€sidentin Verena Bentele forderte den Erhalt der freien Arztwahl. Direktbesuche bei FachĂ€rzten dĂŒrften nicht zu finanziellen Nachteilen fĂŒr Versicherte fĂŒhren. Zudem lehnte sie eine Pflicht zu digitalen ErsteinschĂ€tzungen ab.
