Krankenkassen-Reform: Homöopathie und Zahnersatz werden teurer
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen ab sofort weniger Leistungen anbieten. Der Bundestag beschloss am 10. Juli ein Sparpaket, das Homöopathie und Anthroposophie aus dem Leistungskatalog streicht. Auch Zahnersatz und Medikamenten-Zuzahlungen werden teurer – das Ziel: Der Zusatzbeitrag soll stabil bleiben.
Schluss mit Homöopathie und Cannabis auf Kassenrezept
Seit Anfang August übernehmen die Kassen keine homöopathischen oder anthroposophischen Behandlungen mehr. Das gilt auch für Kinder bis zwölf Jahre sowie Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre, die bislang Sonderregelungen hatten. Auch Mistel-Präparate in der Palliativmedizin verschwinden vom Kassenrezept. Cannabisblüten werden ebenfalls nicht mehr erstattet, während Fertigarzneimittel und Extrakte verordnungsfähig bleiben.
Die Ausgaben der Kassen lagen 2025 bei 336 Milliarden Euro. Künftig dürfen sie nur noch im Rahmen der beitragspflichtigen Einnahmen steigen.
18,8 Milliarden Euro Sparziel bis 2027
Ohne die Reform würde der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf 3,7 Prozent klettern. Mit den Maßnahmen soll er bei rund 2,9 Prozent stabilisiert werden. Dafür nimmt die Regierung deutliche Einschnitte in Kauf:
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- Zahnersatz: Der Festzuschuss sinkt von 60 auf 50 Prozent.
- Zuzahlungen: Ab 2027 zahlen Versicherte zwischen 7,50 und 15 Euro pro Medikament.
- Beitragsbemessungsgrenze: Sie steigt 2027 um 300 Euro monatlich – das trifft Gutverdiener.
- Familienversicherung: Ab 2028 zahlen mitversicherte Ehepartner 2,5 Prozent Zuschlag. Ausnahmen gelten für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren und pflegende Angehörige.
Auch die Verwaltungskosten der Kassen werden ab 2027 gedeckelt, Werbebudgets halbiert. Für 2026 liegt der Rahmen bei 2,97 Euro pro Mitglied.
„Einseitige Belastung der Beitragszahlenden“
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Sozialverbände reagieren empört. Der Sozialverband Deutschland kritisiert, das Gesetz belaste einseitig die Versicherten. Der VdK warnt vor einem Vertrauensverlust in die Gesundheitspolitik. Besonders groß ist die Sorge in der Psychotherapie: Die neue Budgetierung pro Quartal und gestrichene Zuschläge für Kurzzeittherapien könnten Therapeuten spürbar weniger einbringen. Dabei liegen die Wartezeiten auf einen Therapieplatz im Sommer 2026 bereits bei durchschnittlich 140 Tagen.
Gesundheitsministerin Warken verteidigt die Reform als alternativlos. Ziel sei eine nachhaltige Finanzierung, die den Kernbereich der Versorgung sichere. Weniger evidenzbasierte Leistungen würden konsequent gestrichen. Eine Zuckersteuer soll im Herbst 2026 konkretisiert werden, um präventive Anreize zu setzen.
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