Krankenversicherung, Kanzler

Krankenversicherung: Kanzler will Wartezeit-Unterschiede zwischen GKV und PKV abbauen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Friedrich Merz kündigt Anpassungen bei GKV und PKV an, während Verbände über Wartezeiten, Finanzierung und den Erhalt des dualen Modells streiten.

Merz plant Reformen für GKV und PKV – System bleibt bestehen
Ein leerer, modern eingerichteter Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht im aktuellen Nebeneinander von gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) ein erhebliches Problem für das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung.

Nach CDU-Gremiensitzungen in Berlin erklärte er am 21. September 2026, man sehe das Problem, dass privat Versicherte oft unmittelbar Leistungen erhielten, während gesetzlich Versicherte Wochen oder Monate warten müssten. Der Kanzler kündigte Änderungen an beiden Versicherungssystemen an, ließ die Details eines künftigen strukturellen Modells jedoch noch offen.

Geplante Angleichung der Versicherungssysteme

Merz betonte, dass innerhalb der Koalition bereits verabredet sei, Entscheidungen der GKV künftig wirkungsgleich auf die PKV zu übertragen. Er räumte ein, dass dies bislang nicht umgesetzt worden sei, eine Nachholung jedoch bevorstehe. Trotz dieser Ankündigungen stellte ein Regierungssprecher klar, dass das duale System der Krankenversicherung nicht grundsätzlich infrage gestellt werde.

Die Äußerungen stießen auf geteilte Resonanz. Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis begrüßte den Vorstoß und bot Gespräche an. Er schlug zudem einen finanziellen Ausgleich zwischen GKV und PKV im Rahmen der anstehenden Pflegereform vor.

Janosch Dahmen, Gesundheitsexperte der Grünen, forderte konkrete Vorschläge und drängte darauf, Termine künftig nach medizinischer Dringlichkeit statt nach dem Versicherungsstatus zu vergeben. Zudem mahnte er einen fairen Lasten- und Risikoausgleich sowie eine solidarische Finanzierung an.

Widerstand gegen Abkehr vom dualen System

Innerhalb der Union regt sich jedoch auch Widerspruch. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek sprach sich auf einer Herbstklausur in Kloster Banz gegen eine grundsätzliche Infragestellung des dualen Systems aus. Stattdessen forderte er Maßnahmen zur Patientensteuerung, eine Termingarantie und einen leichteren Zugang zu ambulanten Krankenhausleistungen. Auch der CSU-Politiker Stephan Pilsinger trat für die Beibehaltung des bisherigen Modells ein.

Kritik kam zudem von Fachverbänden. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt erklärte, dass ein System ohne PKV letztlich weniger finanzielle Mittel für die gesamte Versorgung bedeute. Der Direktor des PKV-Verbandes, Florian Reuther, vertrat die Position, dass die Ursachen für Wartezeiten in der GKV selbst zu suchen seien und nicht durch das Bestehen der privaten Versicherung begründet würden.

Patientenvertreter fordern konkrete Reformschritte

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz begrüßte eine mögliche Abkehr vom bisherigen System, mahnte jedoch an, dass die Versicherten nun auf konkrete Vorschläge warteten. VdK-Präsidentin Verena Bentele ging in ihren Forderungen weiter und plädierte für eine einheitliche Bürgerversicherung, in die auch Beamte, Abgeordnete und gut verdienende Selbstständige einbezogen werden sollten.

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Während die strukturelle Debatte Fahrt aufnimmt, arbeitet das Bundesgesundheitsministerium bereits an weiteren Vorhaben wie dem Primärversorgungsgesetz und einer Notfallreform. Eine Kommission soll bis Dezember Strukturvorschläge vorlegen. Bereits vor der Sommerpause hatten Bundestag und Bundesrat ein Sparpaket beschlossen, welches die GKV-Beiträge im Jahr 2027 stabil halten soll.

Bürokratielast und Versorgungsengpässe in Krankenhäusern

Parallel zur Versicherungsdebatte forderte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf einem Fachgipfel in Berlin einen Kurswechsel. DKG-Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß bezifferte die Belastung durch Bürokratie auf rund 176.000 Vollzeitkräfte, die in deutschen Kliniken ausschließlich mit administrativen Aufgaben beschäftigt seien.

Die DKG legte 25 Maßnahmen vor, die Krankenhäuser jährlich um bis zu 15 Milliarden Euro entlasten könnten. Der Verband warnte zudem, dass bis 2035 rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Krankenhausdienst ausscheiden werden.

Der Bundesgesundheitsminister stellte im Rahmen des Gipfels einen Abbau von Bürokratie und künftig risikoorientierte Kontrollen in Aussicht. Die AOK-Bundesverbandsvorsitzende Carola Reimann betonte hingegen, dass neben der Ergebnisqualität auch Struktur- und Prozessvorgaben wie Mindestmengen für die Behandlungsqualität entscheidend blieben.

Laut Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) führen höhere Fallzahlen und eingespielte Versorgungsketten nachweislich zu besseren Patientenergebnissen.

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Für das Jahr 2027 rechnet der AOK-Bundesverband mit einem finanziellen Plus für die Kliniken von mehr als 8 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr, während die GKV-Gesamtausgaben die Marke von 120 Milliarden Euro überschreiten dürften.

Unterdessen warnte der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) davor, dass durch gesetzliche Änderungen zur Ausgabenbegrenzung ab 2027 bundesweit bis zu 3,5 Millionen kurzfristig verfügbare Termine pro Jahr wegfallen könnten.

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