Krankenversicherung: Zuzahlungen für Arzneimittel steigen um 50%
Veröffentlicht: 06.07.2026 um 13:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Im Zentrum steht ein milliardenschweres Loch, das gestopft werden muss.
Für 2027 wird ein Finanzierungsdefizit von mindestens 18,8 Milliarden Euro erwartet. Die Reform soll die Lücke durch höhere Belastungen für Versicherte, die Pharmaindustrie und den Bundeshaushalt schließen.
Familienversicherung wird teurer – aber weniger als geplant
Die ursprünglich geplanten Belastungen für die Familienversicherung wurden abgemildert. Ab 2028 zahlen mitversicherte Ehepartner einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent – statt der ursprünglich vorgesehenen 3,5 Prozent.
Eltern können aufatmen: Die beitragsfreie Mitversicherung bleibt bestehen, solange Kinder bis zum elften oder zwölften Lebensjahr im Haushalt leben.
Die allgemeinen Beitragssätze sollen stabil bleiben. Geplant sind 14,6 Prozent plus durchschnittlich 2,9 Prozent Zusatzbeitrag – mindestens bis 2028. Eine weitere Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze ist vom Tisch.
Pharmaindustrie zur Kasse gebeten
Die Hersteller von Medikamenten müssen tiefer in die Tasche greifen. Der Herstellerabschlag soll auf 15,5 Prozent steigen – mehr als eine Verdopplung des bisherigen Niveaus.
Ein dynamisches Modell, das in früheren Entwürfen diskutiert wurde, ist vom Tisch. Stattdessen gilt ein fester Satz. Flankierend dazu gibt es ein Preismoratorium für Schutzimpfungen auf Basis des Preisstands vom 1. Juni 2026.
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Für Versicherte werden die Zuzahlungen für Arzneimittel um 50 Prozent steigen. Das bedeutet Gebühren zwischen 7,50 und 15 Euro. Eine automatische jährliche Dynamisierung, wie ursprünglich geplant, wurde gestrichen.
Bund schießt Milliarden zu – Zuckersteuer kommt
Der Bundeshaushalt unterstützt die GKV 2027 stärker als zunächst geplant. Der Zuschuss steigt auf 14,15 Milliarden Euro – 1,4 Milliarden mehr als in den ersten Sparplänen vorgesehen.
Die Finanzierung kommt unter anderem von einer Zuckersteuer. Sie soll 2027 rund 560 Millionen Euro einbringen, in den Folgejahren etwa 450 Millionen jährlich. Zudem steigen die Pauschalzahlungen des Bundes für Grundsicherungsempfänger bis 2031 schrittweise auf 2,75 Milliarden Euro.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte die Notwendigkeit der Reform. Ohne strukturelle Eingriffe drohten ab 2031 sinkende Renten und massiv steigende Beiträge. Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht Gesamtausgaben von 555 Milliarden Euro vor – bei einer Rekord-Neuverschuldung von über 203 Milliarden.
Zeitplan und begleitende Reformen
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Der Bundestag soll das Reformpaket am 10. Juli 2026 verabschieden. Parallel werden weitere sozialpolitische Maßnahmen diskutiert. So plädierte die Politik für pragmatische Lösungen bei der Nachweispflicht für Krankmeldungen, um Arztpraxen zu entlasten.
Debattiert wird auch über die mögliche Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. SPD-Sozialexperte Bernd Rützel fordert eine zehnjährige Übergangsfrist, um den Vertrauensschutz für rentennahe Jahrgänge zu gewährleisten. Verfassungsrechtliche Anforderungen sehen bei solchen Systemumstellungen Fristen von mindestens fünf bis zehn Jahren vor. Die Einsparungen könnten bei fast 10 Milliarden Euro liegen.
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