Krankheit, Appetit

Krankheit und Appetit: PGE2 löst bei MÀusen 30 Minuten lang Symptome aus

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung untersucht neuronale und metabolische ZusammenhÀnge bei Long-COVID-Fatigue, Bulimie und LeberverÀnderungen.

Neue Studien beleuchten Gehirn, Fatigue und Stoffwechsel bei Erkrankungen
Abstrakte Darstellung eines neuronalen Netzwerks mit leuchtenden Verbindungen vor dunklem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Krankheitsbedingte VerhaltensÀnderungen wie Abgeschlagenheit und verminderter Appetit galten lange Zeit vor allem als Reaktionen einfacher Steuerungszentren im Gehirn. Neue wissenschaftliche Untersuchungen liefern nun differenzierte Einblicke in die komplexen neuronalen und metabolischen Mechanismen, die hinter ernÀhrungsrelevanten Symptomen und ErschöpfungszustÀnden bei verschiedenen Erkrankungen stehen.

Weitverzweigte Hirnareale steuern Krankheitsverhalten

Einer Untersuchung von Forschenden des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) zufolge, ĂŒber die am 30. September 2026 berichtet wurde, werden Krankheitssymptome nicht allein von Hypothalamus und Hirnstamm gesteuert. Die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass vielmehr eine weitreichende GehirnaktivitĂ€t unter Einbeziehung des Neokortex und der Inselrinde maßgeblich beteiligt ist.

In Versuchen an MĂ€usen löste eine Injektion des Botenstoffs Prostaglandin E2 (PGE2) direkt in das Gehirn nahezu unverzĂŒglich typische Symptome aus, die etwa 30 bis 45 Minuten anhielten. Die Tiere entwickelten wĂ€hrend dieser Phase Fieber, wurden trĂ€ge und nahmen merklich weniger Nahrung auf. Die Arbeit verdeutlicht, wie tiefgreifend EntzĂŒndungsmediatoren funktionelle Netzwerke der Großhirnrinde beeinflussen können.

Hirndurchblutung und Fatigue bei Long COVID

ZusammenhÀnge zwischen zentralnervösen Prozessen und chronischer Erschöpfung sind auch Gegenstand aktueller klinischer Forschung. Laut einem Bericht vom 1. Oktober 2026 ergab eine Long-COVID-Studie bei 22 Betroffenen mit anhaltender Fatigue im Vergleich zu 19 alters- und geschlechtsangepassten gesunden Kontrollpersonen eine messbar geringere gesamte Hirndurchblutung.

Die Teilnehmenden der Long-COVID-Gruppe gaben vor und nach einem 20-minĂŒtigen Aufmerksamkeitstest ein höheres Maß an Fatigue an und reagierten im Schnitt langsamer. Die verminderte Durchblutung korrelierte dabei mit den langsameren Reaktionszeiten, wĂ€hrend sich die Testleistung im zeitlichen Verlauf nicht signifikant stĂ€rker verschlechterte.

Da es sich um eine kleine Stichprobe handelt, weisen die Forschenden darauf hin, dass die Daten statistische ZusammenhÀnge, aber keine kausalen Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen.

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Strukturelle AuffÀlligkeiten bei Essstörungen

Auch bei primĂ€ren Störungen des Essverhaltens rĂŒcken spezifische neuronale Regionen in den Fokus. Laut einem Bericht vom 29. September 2026 untersuchte eine internationale Bildgebungsstudie MRT-Daten von 786 Teilnehmerinnen aus 17 Gruppen, darunter 369 Personen mit Bulimie und 417 Vergleichspersonen.

Bei den Teilnehmerinnen mit Bulimie zeigte sich ein im Durchschnitt geringeres Volumen des Nucleus accumbens sowie eine reduzierte OberflĂ€che in zwei Bereichen der SchlĂ€fenrinde. Hinsichtlich der Gesamtdicke der Großhirnrinde bestand kein signifikanter Unterschied.

Zudem waren hĂ€ufigere EssanfĂ€lle mit einer geringeren OberflĂ€che in weiteren Hirnabschnitten assoziiert, wĂ€hrend kompensatorische Verhaltensweisen keine Verbindung zu den gemessenen Maßen aufwiesen. Die Studienleitung betonte, dass derartige Gruppenunterschiede weder fĂŒr individuelle Diagnosen noch zur KlĂ€rung der Krankheitsursache herangezogen werden können.

Stoffwechselprozesse in Leber und Fettgewebe

Neben dem Gehirn spielen metabolische Signalwege eine zentrale Rolle bei krankheitsbedingten ErnĂ€hrungssymptomen. Eine internationale Studie unter Beteiligung der Medizinischen UniversitĂ€t Graz, ĂŒber die am 30. September 2026 berichtet wurde, untersuchte in Science Advances die Bedeutung von mTORC1 und des LAMTOR/Ragulator-Komplexes fĂŒr die Funktion der Leberzellen sowie den Fett-, Cholesterin- und GallensĂ€urestoffwechsel.

Sowohl bei MÀusen als auch bei Menschen mit der fettlebererkrankung MASLD ging eine geringere Proteinzufuhr mit einem niedrigeren Anteil 12-hydroxylierter GallensÀuren einher. Da zentrale Befunde aus Tiermodellen stammen, seien vor ernÀhrungstherapeutischen Empfehlungen weitere klinische Studien nötig.

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Ebenfalls am 30. September 2026 berichteten Forschende der UniversitĂ€t Bonn und des UniversitĂ€tsklinikums Bonn ĂŒber eine Publikation in Cell Metabolism. Bei adipösen MĂ€usen unter fettreicher Kost fĂŒhrte eine verstĂ€rkte FettsĂ€ureaufnahme zu einer Hemmung des Enzyms ACC1 in ILC2-Immunzellen des Fettgewebes. Dies schwĂ€chte den Erhalt und die Funktion dieser Abwehrzellen, begĂŒnstigte entzĂŒndetes Fettgewebe und erhöhte die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Diabetes.

ErgĂ€nzend zeigte eine in Nature Metabolism veröffentlichte Studie der UniversitĂ€t Bonn an jungen mĂ€nnlichen MĂ€usen, dass wöchentlich verabreichte Polystyrol-Partikel (100 mg/kg Körpergewicht ĂŒber 12 Wochen) die Leberfunktion belasten können.

Partikel mit 500 Nanometern Durchmesser reicherten sich in den Kupfferzellen an, störten deren Funktion und steigerten die Fetteinlagerung in Leberzellen, wÀhrend 50-Nanometer-Partikel das Leberfett nicht erhöhten.

Zwar gab es nach 12 Wochen keine Hinweise auf Fibrose und die Stoffwechselfolgen bildeten sich nach sechs Monaten Pause grĂ¶ĂŸtenteils zurĂŒck, doch verdeutlichen die Befunde die Empfindlichkeit metabolischer Regelkreise gegenĂŒber Umweltfaktoren.

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