Krankschreibung: Umfrage zeigt â 60% Ă€ndern Verhalten nicht
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Diskussion um die Neuregelung von Krankschreibungen zeichnet sich politischer Widerstand gegen die geplante VerschĂ€rfung ab. BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) hat die vorgesehene Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag öffentlich infrage gestellt. Damit positioniert sich eine prominente Vertreterin der Regierungspartei gegen zentrale Punkte eines Koalitionsbeschlusses, der Ende August 2026 in MĂŒnster gefasst wurde. Bas forderte in diesem Zusammenhang neue GesprĂ€che mit der Union, um die praktische Umsetzung der PlĂ€ne zu prĂŒfen.
Kritik an Ausnahmeregelungen und Sorge vor lÀngeren Ausfallzeiten
Ein wesentlicher Kritikpunkt der BundestagsprÀsidentin betrifft die KomplexitÀt der geplanten Regelung. BÀrbel Bas verwies auf insgesamt 95 vorgesehene Ausnahmen von der Attestpflicht, die sie kritisch bewertete.
Ăber die bĂŒrokratischen HĂŒrden hinaus Ă€uĂerte die SPD-Politikerin die BefĂŒrchtung, dass eine Verpflichtung zum Arztbesuch bereits am ersten Tag der Erkrankung kontraproduktive Effekte haben könnte. Es bestehe die Sorge, dass dies in der Praxis zu lĂ€ngeren Krankschreibungen fĂŒhren wĂŒrde, als es bei der bisherigen Regelung der Fall sei.
Bereits kurz vor den aktuellen Beratungen am Wochenende zeichnete sich ab, dass Bas von der strikten Forderung nach einer Krankschreibung ab dem ersten Tag abrĂŒckte. Ihre Zustimmung zu weiteren Reformschritten knĂŒpfte sie zudem an konkrete inhaltliche Bedingungen. Dazu zĂ€hlen laut Bas eine Termingarantie fĂŒr Patienten in Arztpraxen sowie eine stĂ€rkere Einbindung der Schlaganfallvorsorge in das gesundheitspolitische Gesamtkonzept.
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Umfragedaten deuten auf geringe VerhaltensÀnderung der Arbeitnehmer hin
Die Diskussion wird durch Daten des Sozialverbands VdK ergĂ€nzt, die im Sommer 2026 erhoben wurden. An der Untersuchung, die im Zeitraum vom 24. bis zum 27. Juli 2026 durchgefĂŒhrt wurde, nahmen 2341 Personen teil.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Ănderung der Attestpflicht bei einer Mehrheit der BeschĂ€ftigten keine direkten Auswirkungen auf das Meldeverhalten hĂ€tte. Insgesamt 60 Prozent der Befragten gaben an, ihr Verhalten auch bei einer neuen Regelung nicht zu Ă€ndern.
Die Umfrage zeigt jedoch auch Risiken fĂŒr das Gesundheitssystem und die BetriebsablĂ€ufe auf. Etwa 14 Prozent der Teilnehmer erklĂ€rten, im Falle einer Attestpflicht ab dem ersten Tag eher krank zur Arbeit zu gehen. Im Gegensatz dazu gaben 21 Prozent an, dass sie sich bei einer notwendigen Konsultation eines Arztes vermutlich lĂ€nger krankschreiben lassen wĂŒrden.
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Die Untersuchung des VdK belegt zudem ein hohes Maà an Eigenverantwortung: 73 Prozent der Befragten meldeten sich demnach nur bei einer tatsÀchlichen Erkrankung krank. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent sprach sich zudem gegen die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung aus.
Offenheit fĂŒr Ăbergangsfristen in der Rentenpolitik
Neben der Gesundheitspolitik thematisierte Bas auch Anpassungen in der Rentengesetzgebung. Mit Blick auf die sogenannte Rente mit 63 zeigte sich die Politikerin offen fĂŒr Kompromisse. Sie brachte hierbei eine Ăbergangsfrist von etwa fĂŒnf Jahren ins GesprĂ€ch, um VerĂ€nderungen im Renteneintrittssystem sozialvertrĂ€glich zu gestalten und den betroffenen JahrgĂ€ngen Planungssicherheit zu ermöglichen. Diese ĂuĂerungen verdeutlichen das Bestreben, bei tiefgreifenden sozialpolitischen Reformen lĂ€ngere AnpassungszeitrĂ€ume zu etablieren.
