Kratos, Cyberkriminelle

Kratos zerschlagen: 1.800 Cyberkriminelle verlieren Phishing-Plattform

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 18:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Ermittler zerschlagen die Phishing-Plattform Kratos und nehmen den mutmaßlichen Entwickler fest. Neue Angriffswellen bedrohen Unternehmen und Gamer.

Kratos-Plattform zerschlagen: Schlag gegen Phishing-Netzwerk
Gedimmter Serverraum mit blau leuchtenden Datenkabeln als Symbol für digitale Cybersicherheitsinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutsche, US-amerikanische und indonesische Ermittler haben am Dienstag die Phishing-as-a-Service-Plattform Kratos zerschlagen. Mehr als 200 Server wurden beschlagnahmt, der mutmaßliche Entwickler in Indonesien festgenommen. Die Plattform hatte sich zu einem zentralen Drehkreuz für Cyberkriminalität entwickelt.

Seit 2024 soll Kratos rund 300.000 Euro Umsatz erzielt haben. Rund 1.800 Kriminelle nutzten die Dienste, um monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen in über 30 Ländern zu starten. Microsofts Sicherheitsexperten führten die Plattform intern unter dem Codenamen „SneakyLog".

Wie die Betrüger Sicherheitsmechanismen umgingen

Die Ermittler zeichneten das Bild einer hochprofessionellen Organisation. Kratos ermöglichte es Cyberkriminellen, die Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen. Ein sogenanntes „Adversary-in-the-Middle"-System fing Anmeldedaten und Sitzungscookies von Microsoft-365-Konten ab – und gewährte so direkten Zugriff auf Firmen- und Privatkonten.

Die Tarnung war raffiniert: Die Gruppe nutzte legitime Cloud-Dienste und umging CAPTCHA-Abfragen, um nicht aufzufallen. Branchenexperten zeigen sich jedoch skeptisch, ob der Schlag nachhaltig wirkt. Die Nachfrage nach automatisierten Phishing-Kits bleibt enorm.

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Neue Angriffswelle auf Unternehmen in den USA

Nur einen Tag nach der Kratos-Zerschlagung entdeckten Sicherheitsforscher ein weiteres gefährliches Werkzeug: Kali365 zielt gezielt auf US-Organisationen ab. Die Software missbraucht Microsofts Gerätecode-Authentifizierung, um OAuth-Tokens zu stehlen. Opfer geben dabei ahnungslos fremde Codes auf legitimen Login-Seiten ein – die Zwei-Faktor-Authentifizierung wird wirkungslos.

Bereits im Frühjahr 2026 beobachteten Experten ähnliche Kampagnen. Zwischen April und Mai nutzten Angreifer passwortgeschützte PDFs und fingierte Anwaltsschreiben, um an Microsoft-Zugangsdaten zu gelangen. Betroffen waren sensible Dienste wie Microsoft Teams, OneDrive und Outlook.

Gaming-Branche im Visier der Betrüger

Auch die Unterhaltungsbranche bleibt nicht verschont. Am heutigen Donnerstag wurden Angriffe auf Xbox-Live-Nutzer bekannt. Kriminelle versuchten, über Phishing-Attacken Microsoft Points und EA Sports Ultimate Team Packs zu ergattern. Microsoft betont, dass die Sicherheitsinfrastruktur von Xbox Live nicht direkt kompromittiert wurde – die Angriffe erfolgten über gestohlene Zugangsdaten.

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Da herkömmliche Passwörter immer häufiger durch Phishing und automatisierte Angriffe gestohlen werden, setzen Experten verstärkt auf modernere Schutzmethoden. Dieser Gratis-Report zeigt Ihnen, wie Sie die neue Passkey-Technologie bei Diensten wie Microsoft oder Amazon nutzen, um Konten-Hacks effektiv zu verhindern. Nie wieder Passwörter merken: Diese neue Methode macht das Einloggen kinderleicht

Ein weiterer Trend: Betrüger nutzen die Vorfreude auf Grand Theft Auto VI. Sie verschicken gefälschte Beta-Angebote per E-Mail, um persönliche Daten abzugreifen oder Schadsoftware zu verbreiten. Offiziell gibt es keine öffentliche Beta – die Versprechungen sind reine Falle.

Microsoft bleibt die meistgefälschte Marke

Der Brand Phishing Report von Check Point Research für das zweite Quartal 2026 zeigt ein klares Bild: Microsoft bleibt mit 23 Prozent aller beobachteten Phishing-Vorfälle die am häufigsten imitierte Marke. Es folgen LinkedIn (11,6 Prozent) und Google (6,7 Prozent). Der Technologiesektor ist das bevorzugte Ziel.

Ein neuer Trend bereitet Sicherheitsexperten Sorgen: QR-Code-Phishing oder „Quishing". Die Zahl solcher Angriffe stieg zwischen Januar und März 2026 um 146 Prozent – von 7,6 auf 18,7 Millionen Vorfälle. Angreifer nutzen das Vertrauen aus, das Nutzer in das Scannen von QR-Codes setzen.

Versicherung und Sicherheit rücken zusammen

Am Dienstag gaben Microsoft und der Versicherer AXA XL eine Partnerschaft bekannt. Ziel ist es, die Cybersicherheit zu verbessern. Microsoft Defender wird künftig mit Versicherungsprozessen verknüpft, um Kunden im Schadensfall schneller helfen zu können.

Der Schritt folgt auf spektakuläre Ermittlungserfolge: Erst im Juni 2026 wurde ein chinesischer Staatsbürger festgenommen, der mit einem fingierten Microsoft-Technik-Support ältere Menschen um 360.000 Dollar betrogen hatte.

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