Kratos, BKA

Kratos zerschlagen: BKA räumt Phishing-Infrastruktur mit 1.800 Kunden auf

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 06:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Ermittler gelingt Schlag gegen Cyberkriminelle, während neue Phishing-Kampagnen auf Volksbank- und Sparkassen-Kunden abzielen.

Polizei zerschlägt Phishing-Plattform: Neue Betrugswellen bedrohen Bankkunden
Laptop-Bildschirm mit digitalen Datenströmen in einem gedimmten, professionellen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Polizei hat gemeinsam mit internationalen Behörden einen schweren Schlag gegen die Cyberkriminalität geführt. Gleich mehrere großangelegte Phishing-Kampagnen hatten zuletzt heimische Banken und ihre Kunden ins Visier genommen.

„Kratos"-Plattform zerschlagen

Am 20. Juli verkündeten das Bundeskriminalamt (BKA) und US-Behörden die erfolgreiche Zerschlagung der „Kratos"-Plattform. Bei dem Dienst handelte es sich um eine sogenannte „Phishing-as-a-Service"-Infrastruktur – quasi ein Komplettpaket für Betrüger. Die Ermittler stellten über 200 Server sicher und nahmen einen mutmaßlichen Entwickler in Indonesien fest.

Die Plattform war seit 2024 aktiv. Rund 1.800 kriminelle Kunden nutzten sie, um monatlich 15.000 Phishing-Kampagnen in 35 Ländern zu starten. Die Betreiber verdienten damit mindestens 300.000 Euro. Ihr Angebot: Spezialwerkzeuge zum Stehlen von Zugangsdaten und Sitzungscookies.

Nur zwei Tage später, am 22. Juli, gelang ein weiterer Schlag. Die Polizei hob ein in Pakistan ansässiges Betrugsnetzwerk aus und verhaftete zwei Hauptverdächtige. Die Gruppe hatte über 96.000 betrügerische Bankanträge gestellt und mit dem „Tycoon2FA"-Toolkit Sicherheitsmechanismen umgangen. Die Opfer saßen in Europa, Amerika und Zentralasien.

Prozess in Münster enthüllt perfide Masche

Welche Dimensionen der Betrug annehmen kann, zeigt ein Prozess, der am 20. Juli am Landgericht Münster begann. Sechs Männer aus Nordrhein-Westfalen müssen sich wegen bandenmäßigen Betrugs und Geldwäsche verantworten. Sie sollen mehr als 180.000 Euro von Bankkunden erbeutet haben.

Die Masche war ausgeklügelt: Die Opfer gaben ihre Daten auf gefälschten Volksbank-Seiten ein. Dann riefen die Täter mit manipulierter Rufnummer an – als echter Bankmitarbeiter getarnt. Diese „Fake-Banker" überredeten die Kunden zur Herausgabe von Transaktionsnummern (TANs). Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler 90.000 Euro unter einem Bett und 5.000 Euro hinter einem Küchengerät.

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Neue Angriffswellen auf Volksbank und Sparkasse

Trotz der Erfolge der Ermittler gehen die Angriffe weiter. Erst am 22. Juli warnten Sicherheitsexperten vor betrügerischen Mails an Volksbank-Kunden. Die Nachrichten drehten sich angeblich um die „SecureGo Plus"-Verifizierung und lockten die Empfänger auf gefälschte Login-Seiten.

Auch Sparkassen-Kunden sind betroffen. Am 21. Juli kursierten Phishing-Mails mit dem Betreff „Wichtiges Sicherheitsupdate", die zu einem chipTAN-Update drängten. Einen Tag später folgte eine weitere Kampagne mit angeblichen „Routinekontrollen" und knappen Fristen – Druckmittel, um PINs und Login-Namen zu ergaunern.

Sogar Behörden werden imitiert. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnte am 22. Juli vor Mails, die angeblich vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) stammten. Die Absender forderten IBAN-Bestätigungen für angebliche SEPA-Mandate. Das BZSt stellte klar: Es fordere niemals Bankdaten per E-Mail ohne vorherige Kontaktaufnahme.

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Trojaner werden immer gefährlicher

Die technische Raffinesse der Angriffe nimmt zu. Am 21. Juli berichteten Sicherheitsforscher von einem neuen modularen Banking-Trojaner in Deutschland. Die Schadsoftware lässt sich per Plug-in auf bestimmte Institute zuschneiden – darunter Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank. Sie fängt TANs ab, entweder durch Überlagerungsangriffe oder SMS-Umleitung.

Die Zahlen sind alarmierend: Laut Kaspersky stiegen Attacken mit Android-Banking-Trojanern im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent. Über 255.000 neue Varianten wurden entdeckt. Besonders stark betroffen: der Neobankensektor. Die Zahl der Verdachtsmeldungen schnellte von 34.357 im Jahr 2025 auf über 108.158 im aktuellen Berichtszeitraum.

Hinzu kommen sogenannte „Adversary-in-the-Middle"-Angriffe (AiTM). Diese nutzen Werkzeuge wie EvilProxy, um Sitzungscookies und Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) in Echtzeit abzugreifen. Die Täter umgehen damit klassische Sicherheitsmaßnahmen – indem sie das Vertrauen der Nutzer in vertraute Prozesse ausnutzen.

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