Krebs-Risiko: Übergewicht doppelt gefährlicher als bislang bekannt
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Studien zeigen: Übergewicht ist ein deutlich größerer Risikofaktor für Krebs als bislang angenommen. Besonders das Verteilungsmuster von Körperfett und chronische Entzündungen spielen eine zentrale Rolle.
Neue Messmethoden entlarven bisherige Unterschätzung
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat im Juli 2026 eine Untersuchung veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Körperfett und Krebs neu bewertet. Demnach könnte überschüssiges Körperfett für 11,5 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich sein. Frühere Schätzungen, die auf dem BMI basierten, gingen nur von 5,5 Prozent aus.
Die Analyse von Daten der UK Biobank mit rund 458.000 Teilnehmern zeigt: Das Krebsrisiko durch Körperfett ist damit etwa doppelt so hoch wie bisher vermutet. Hermann Brenner und sein Team stellten fest, dass der BMI allein als Indikator unzureichend ist. Messgrößen wie Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis erwiesen sich als deutlich aussagekräftiger.
Ein wesentlicher Grund für die bisherige Unterschätzung: Krebserkrankungen führen oft Jahre vor der Diagnose zu unbeabsichtigtem Gewichtsverlust. Durch den Ausschluss der Daten aus den ersten sieben Jahren nach der Messung konnten die Forscher diesen verzerrenden Effekt minimieren. Der Zusammenhang war besonders stark bei Frauen und Personen unter 60 Jahren.
Chronische Entzündungen begünstigen Blutkrebs
Neben soliden Tumoren rückt zunehmend die myeloische Leukämie in den Fokus. Eine Studie der Indiana University School of Medicine vom 23. Juli 2026 untersuchte Daten von 440.000 Teilnehmern sowie Mausmodelle. Die Ergebnisse legen nahe: Adipositas begünstigt über chronische Entzündungsreaktionen die Entstehung von Leukämie.
Die Forscher identifizierten spezifische Signalwege. Erhöhte Werte des Botenstoffs IL-17A und eine verringerte Aktivität des GLP-1-Rezeptors spielen demnach eine zentrale Rolle. Im Mausmodell konnte eine Kombination aus GLP-1-Rezeptor-Agonisten und IL-17A-Hemmern die Leukämielast signifikant reduzieren. Klinische Studien am Menschen befinden sich in der Planungsphase.
Die neue DKFZ-Analyse zeigt: Übergewicht verursacht doppelt so viele Krebsfälle wie bisher angenommen. Der BMI allein reicht nicht – entscheidend sind Bauchumfang und Taille-Hüft-Verhältnis. In diesem kostenlosen Report erfahren Sie, wie Sie Ihr persönliches Risiko präzise messen und mit gezielten Maßnahmen senken. Jetzt Report anfordern
Parallel dazu lieferte eine im Juli 2026 im Fachjournal JAMA Network Open erschienene Beobachtungsstudie Hinweise: Brustkrebspatientinnen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes, die GLP-1-Medikamente wie Ozempic oder Wegovy einnehmen, könnten geringere Sterblichkeitsraten und ein niedrigeres Rückfallrisiko aufweisen.
Jüngere Generationen altern biologisch schneller
Eine Studie der Washington University vom 24. Juli 2026 in Nature Medicine zeigt einen alarmierenden Trend. Anhand von Daten von 154.000 Teilnehmern wurde das biologische Alter (PhenoAge) bestimmt. Die Auswertung ergab: Bei Personen, die zwischen 1965 und 1974 geboren wurden, lag das biologische Alter um 23 Prozent höher als bei der Vergleichsgruppe der Jahrgänge 1950 bis 1954.
Bei den in den 1990er Jahren Geborenen stieg dieser Wert sogar um 92 Prozent. Ein höheres biologisches Alter korreliert laut der Untersuchung mit einem um 15 Prozent erhöhten Risiko für frühe solide Tumoren vor dem 55. Lebensjahr.
Fettgewebe ist mehr als nur Energiespeicher
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Fachleute betonen: Fettgewebe fungiert nicht lediglich als Energiespeicher, sondern als aktives endokrines Organ. Es beeinflusst den Stoffwechsel massiv und fördert durch die Ausschüttung von Hormonen und Entzündungsfaktoren ein Milieu, das die Krebsentstehung begünstigt.
Besonders das Bauchfett (viszerales Fett) gilt als hochriskant. Es stört unmittelbar metabolische Prozesse und unterhält chronische Entzündungen im Körper. Diese systemischen Auswirkungen erklären, warum Übergewicht über eine Vielzahl von Organen hinweg das Tumorrisiko steigert.
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