Krebs, WCRF-Analyse

Krebs unter 50: WCRF-Analyse zeigt Anstieg bei sieben Tumorarten

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehrere Tumorarten treten bei jĂŒngeren Erwachsenen hĂ€ufiger auf; Bevölkerungswachstum und zusĂ€tzliche Diagnosen beeinflussen die Einordnung.

Krebs bei unter 50-JÀhrigen: Register zeigen ZuwÀchse in drei LÀndern
Symbolbild: Stethoskop neben einem Glas Wasser Illustration mit AI erstellt.

Eine Analyse veröffentlichter Krebsregisterdaten durch den World Cancer Research Fund (WCRF) belegt deutliche Anstiege der Krebsinzidenz bei Erwachsenen unter 50 Jahren.

Die Untersuchung, an der Forscher der Queen's University Belfast, des King's College London, des WCRF sowie von Cancer Research UK beteiligt waren, stĂŒtzt sich auf Registerdaten aus England fĂŒr die Jahre 2001 bis 2023 sowie auf Daten aus den USA und den Niederlanden.

Die Studienautoren Mark Lawler, Giota Mitrou und Vanessa Gordon-Dseagu ordnen die Entwicklung als alarmierend ein; Lawler bezeichnete das PhÀnomen als tickende Zeitbombe, wÀhrend Mitrou von einer besorgniserregenden Entwicklung sprach.

Markante Fallzahlsteigerungen in England

In England verzeichnet die Auswertung signifikante ZuwĂ€chse bei sieben spezifischen Tumorarten in der Altersgruppe unter 50 Jahren: Brust, Darm, Niere, Leber, BauchspeicheldrĂŒse, Prostata und GebĂ€rmutter.

Besonders ausgeprÀgt ist der Zuwachs bei Prostatakrebs, wo die absoluten Diagnosen von 158 FÀllen im Jahr 2001 auf 640 FÀlle im Jahr 2023 kletterten. Die Inzidenz stieg parallel von 1 auf 3,6 FÀlle pro 100.000 MÀnner.

Bei Darmkrebs erhöhte sich die Gesamtzahl von 1.289 auf 2.989 FÀlle; die Inzidenz verÀnderte sich bei Frauen von 3,8 auf 8,3 und bei MÀnnern von 4 auf 8,4 pro 100.000.

Auch andere Krebsarten weisen deutliche Steigerungen auf:
- Nierenkrebs: Anstieg von 510 auf 1.065 FĂ€lle (Inzidenz bei Frauen von 1,2 auf 2,3; bei MĂ€nnern von 1,9 auf 3,6 pro 100.000).
- GebÀrmutterkrebs: Zunahme von 335 auf 698 FÀlle (Inzidenz von 1,8 auf 3,9 pro 100.000 Frauen).
- Brustkrebs: Anstieg von 6.886 auf 8.507 FĂ€lle (Inzidenz von 42 auf 47,5 pro 100.000 Frauen).
- BauchspeicheldrĂŒsenkrebs: Anstieg von 255 auf 346 FĂ€lle (Inzidenz von 0,8 auf 1 pro 100.000).
- Leberkrebs: Erhöhung von 160 auf 278 FÀlle (Inzidenz von 0,5 auf 0,8 pro 100.000).

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Cancer Research UK verzeichnete fĂŒr das Vereinigte Königreich bereits fĂŒr den Zeitraum zwischen den frĂŒhen 1990er-Jahren und 2019 einen Anstieg der Krebsinzidenz bei 25- bis 49-JĂ€hrigen um 24 Prozent.

Entwicklungen in den USA und den Niederlanden

Ein vergleichbares Bild zeigt sich in den beiden anderen untersuchten LĂ€ndern. In den USA stiegen fĂŒnf Krebsarten signifikant an: Brust, Darm, Niere, BauchspeicheldrĂŒse und GebĂ€rmutter. Bei Nierenkrebs stieg die Rate von 2,5 im Jahr 2000 auf 5,3 pro 100.000 im Jahr 2023. Bei Darm-, GebĂ€rmutter- und BauchspeicheldrĂŒsenkrebs betrug das Plus jeweils mehr als 50 Prozent, wĂ€hrend Brustkrebs um rund 20 Prozent zulegte.

In den Niederlanden registrierte das Krebsregister IKNL zwischen 2000 und 2023 ZuwÀchse bei vier Krebsarten. Leberkrebs bei unter 50-JÀhrigen verdoppelte sich von 33 auf 67 FÀlle mehr als.

Nierenkrebs stieg von 161 auf 240 FĂ€lle (rund 50 Prozent), Darmkrebs von 512 auf 625 FĂ€lle (rund 22 Prozent). Bei Frauen wuchs die Zahl der FĂ€lle von GebĂ€rmutterhalskrebs um rund ein Drittel von 349 auf 465. DemgegenĂŒber ging Lungenkrebs bei unter 50-JĂ€hrigen in allen drei LĂ€ndern zurĂŒck.

Mögliche Ursachen und methodische Differenzierung

Die genauen Ursachen der Verschiebungen gelten weiterhin als unvollstÀndig geklÀrt. Laut WCRF sind rund 40 Prozent aller KrebsfÀlle durch Lebensstilfaktoren wie Fettleibigkeit, mangelnde Bewegung, den Verzehr von verarbeitetem und rotem Fleisch, Fastfood, zuckerhaltige GetrÀnke sowie ballaststoffarme Kost potenziell vermeidbar.

Eine LiteraturĂŒbersicht verweist zudem darauf, dass frĂŒhe Darmkrebsraten in mindestens neun einkommensstarken LĂ€ndern oft bereits seit Mitte der 1990er-Jahre zunehmen. Fachleute wie Marloes Elferink vom IKNL betonen, dass eine verbesserte FrĂŒherkennung die Dynamik nur zum Teil erklĂ€ren könne. Mediziner raten grundsĂ€tzlich dazu, bei auftretenden Symptomen Ă€rztliche AbklĂ€rung zu suchen.

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Statistisch bleibt Krebs im jĂŒngeren Alter dennoch selten: Das mediane Diagnosealter liegt in IndustrielĂ€ndern bei ĂŒber 60 Jahren. In den Niederlanden machten 18- bis 39-JĂ€hrige laut IKNL rund 3,5 Prozent aller Neupatienten aus; im Jahr 2025 waren 54 Prozent aller neuen Krebspatienten 70 Jahre oder Ă€lter.

Wissenschaftler weisen zudem auf methodische Einflussfaktoren hin. Amy Berrington vom ICR bemĂ€ngelte, dass die Analyse ausschließlich unter 50-JĂ€hrige betrachte und der vergleichende Kontext zu Ă€lteren Kohorten fehle.

Kevin McConway von der Open University gab zu bedenken, dass die Bevölkerung unter 50 Jahren im Untersuchungszeitraum um etwa 10 Prozent gewachsen sei. In der Schweiz etwa ließen sich 73 Prozent des Fallzahlanstiegs bei jungen Patienten auf Bevölkerungswachstum und Alterung zurĂŒckfĂŒhren.

Zudem nahmen diagnostische Maßnahmen deutlich zu: So stieg die Zahl der PSA-Tests bei 40- bis 49-jĂ€hrigen MĂ€nnern in England von 3,3 pro 1.000 Personenjahre im Jahr 2000 auf 21 pro 1.000 im Jahr 2017. Parallel verwies Adam Jacobs auf RĂŒckgĂ€nge bei stark mit dem Rauchen verknĂŒpften Tumoren wie Lungen-, Speiseröhren- und Blasenkrebs.

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