KrebsprÀvention: Gezielter Lebensstil senkt Risiko um 40 Prozent
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
AnlĂ€sslich des Weltkrebstags Anfang August 2026 wurden neue strategische AnsĂ€tze zur KrebsprĂ€vention veröffentlicht, die das Potenzial unterstreichen, die Zahl der Neuerkrankungen signifikant zu reduzieren. Experten gehen davon aus, dass durch gezielte PrĂ€ventionsplĂ€ne und einen angepassten Lebensstil das Krebsrisiko um bis zu 40 Prozent gesenkt werden kann. Diese EinschĂ€tzung deckt sich mit Analysen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC), wonach ein groĂer Teil der weltweiten Krebserkrankungen vermeidbar wĂ€re.
PrĂ€vention durch FrĂŒherkennung bei Lungenkrebs
Ein wesentlicher Baustein der aktuellen PrĂ€ventionsstrategie ist das seit April 2026 in Deutschland als Kassenleistung verfĂŒgbare Lungenkrebsscreening. Das Angebot richtet sich an Risikopatienten im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die eine spezifische Raucherhistorie aufweisen: Voraussetzung sind mindestens 25 Jahre aktives Rauchen sowie ein Umfang von mindestens 15 Packungsjahren. Zudem darf der Rauchstopp zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht lĂ€nger als zehn Jahre zurĂŒckliegen.
Das Screening erfolgt mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT). Fachleute betonen die Relevanz dieses Verfahrens, da die Ăberlebensrate bei einer frĂŒhen Diagnose bei rund 70 Prozent liege, wĂ€hrend sie ohne systematisches Screening bei unter 25 Prozent verbleibe. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Pneumologie (DGP) könne die Lungenkrebssterblichkeit durch diese MaĂnahme um 20 Prozent gesenkt werden. JĂ€hrlich werden in Deutschland etwa 58.000 Neuerkrankungen und 45.000 TodesfĂ€lle infolge von Lungenkrebs verzeichnet.
Gesundheitsministerin Diana Stolz und der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck informierten sich im Rahmen der EinfĂŒhrung ĂŒber die AblĂ€ufe des Screenings, unter anderem am HSK Wiesbaden. Streeck sprach sich in diesem Zusammenhang zudem fĂŒr ein Verbot von Nikotinbeuteln aus, um die Risikofaktoren weiter zu minimieren.
Regionale VerfĂŒgbarkeit und medizinische Qualifikation
Trotz der EinfĂŒhrung als Kassenleistung ist das Lungenkrebsscreening-Angebot nach EinschĂ€tzung von Medizinern am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart noch nicht flĂ€chendeckend verfĂŒgbar. In Hamburg bieten bereits die Asklepios Kliniken Barmbek und Harburg entsprechende Untersuchungen an, wobei eine softwaregestĂŒtzte Auswertung durch KĂŒnstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.
Die gute Nachricht zum Weltkrebstag: Ein gezielter Lebensstil kann Ihr Krebsrisiko um bis zu 40 Prozent senken. Welche Schritte wirklich helfen und welche neuen FrĂŒherkennungs-Angebote Sie nutzen können, zeigt Ihnen unser kostenloser Leitfaden. Jetzt kostenlosen PrĂ€ventions-Leitfaden anfordern
Um die BeratungskapazitĂ€ten zu erhöhen, hat die DGP eine Fortbildung initiiert, in der sich Ărzte innerhalb einer Stunde zum Erstberater fĂŒr das Screening qualifizieren können. Diese Leistung ist fĂŒr Mediziner extrabudgetĂ€r abrechenbar. In Ăsterreich lieferte die LEAD-DETECT-Studie in Wien weitere Erkenntnisse: Bei 4,7 Prozent der 378 Teilnehmer wurden Lungenknoten mit hohem Krebsrisiko identifiziert.
Interventionen und Lebensstilfaktoren
Neben apparativen Untersuchungen rĂŒcken verhaltensprĂ€ventive MaĂnahmen in den Fokus. Die Aktion âRauchfrei im Maiâ motivierte im Jahr 2026 ĂŒber 19.000 Teilnehmer zum Ausstieg aus dem Nikotinkonsum. Die durch das BIĂG und die Deutsche Krebshilfe geförderte Initiative verzeichnete eine Erfolgsquote von 17 Prozent. Begleitend werden UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten wie eine Telefonberatung und Online-Programme angeboten.
ZusĂ€tzlich zu den bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Asbest oder Luftverschmutzung untersuchen Forscher verstĂ€rkt den Einfluss der ErnĂ€hrung. Eine Studie der UK Biobank deutet darauf hin, dass der Konsum von mehr als fĂŒnf Tassen Kaffee tĂ€glich das Risiko fĂŒr Leberkrebs um 47 Prozent reduzieren könne. Auch Studien aus Harvard weisen darauf hin, dass Kaffee positive Effekte auf gesundes Altern haben könne.
Ausbau der Darmkrebsvorsorge
Sie rauchen und fragen sich, ob Sie zur Risikogruppe gehören? Seit April gibt es ein neues Lungenkrebsscreening als Kassenleistung â erfahren Sie, ob Sie Anspruch haben und wie Sie mit UnterstĂŒtzung den Ausstieg schaffen. Mehr zum Screening und Rauchstopp erfahren
Bereits seit April 2025 wurden zudem die Altersgrenzen fĂŒr die Darmkrebsvorsorge angepasst. Frauen haben seitdem bereits ab 50 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung sowie einen zweijĂ€hrlichen Stuhltest. Zuvor lag die Altersgrenze fĂŒr diese Untersuchungen bei 55 Jahren. Angesichts von jĂ€hrlich 50.000 Neuerkrankungen und 23.000 TodesfĂ€llen in Deutschland bleibt die DarmkrebsprĂ€vention eine tragende SĂ€ule der nationalen Strategie.
Michael Baumann, Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), wies darauf hin, dass die Zahl der jÀhrlichen Krebsneuerkrankungen in Deutschland von derzeit etwa 500.000 auf bis zu 600.000 steigen könnte. Weltweit rechnet die WHO bis zum Jahr 2040 mit jÀhrlich bis zu 37 Millionen Neuerkrankungen.
