Kreuzfahrt-Ranking 2026: NABU kritisiert fossile Kraftstoffe
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 10:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kreuzfahrtbranche verzeichnete zuletzt ein deutliches Wachstum, sieht sich jedoch weiterhin massiver Kritik an ihrer Umweltbilanz ausgesetzt. Eine Analyse des Kreuzfahrtrankings 2026, das der Naturschutzbund Deutschland (NABU) am 6. August 2026 vorlegte, zeichnet das Bild einer Industrie, die trotz technischer Möglichkeiten weiterhin auf fossile Kraftstoffe setzt. Die Umweltschützer bescheinigen den Reedereien, sich nach wie vor auf einem ökologisch bedenklichen Kurs zu befinden.
Differenziertes Bild bei der Bewertung der Reedereien
Das aktuelle Ranking basiert auf den freiwilligen Angaben von 15 befragten Unternehmen, wobei die Anbieter Phoenix, Viking und Nicko nicht auf die Anfrage reagierten. Die Ergebnisse verdeutlichen eine große Diskrepanz innerhalb der Branche. Mit 7,5 von 17 möglichen Punkten erreichte die Reederei Havila die beste Bewertung, dicht gefolgt von Hurtigruten mit 7,25 Punkten. Im Mittelfeld positionierten sich Ponant, TUI Cruises mit der Mein-Schiff-Flotte sowie AIDA, die jeweils 6 Punkte erhielten.
Am unteren Ende der Skala finden sich große internationale Akteure. Royal Caribbean und die Norwegian Cruise Line schnitten laut der Untersuchung besonders schlecht ab. Das Schlusslicht des Rankings bildet die Reederei Marella. Der NABU hob hervor, dass lediglich 4 der 12 bewerteten Reedereien Schweröl vollständig aus ihrem Betrieb ausschließen. Angesichts der unzureichenden Fortschritte rät die Organisation derzeit generell von der Nutzung von Kreuzfahrtschiffen ab.
Technologische Rückstände und Infrastrukturprobleme
Ein zentraler Kritikpunkt der Untersuchung betrifft den Einsatz von Schweröl. Jedes zweite große Kreuzfahrtschiff nutzt diesen Treibstoff weiterhin, ohne über Rußpartikelfilter zu verfügen. Zudem bemängelt die Analyse die zögerliche Nutzung von Landstrom. Obwohl entsprechende Anlagen in Häfen wie Hamburg, Kiel und Rostock zur Verfügung stehen, werde die Technologie kaum in Anspruch genommen.
Das neue NABU-Ranking zeigt: Nur wenige Reedereien verzichten komplett auf Schweröl. Wer trotzdem eine Kreuzfahrt plant, sollte die Testsieger kennen und wissen, welche Fragen entscheidend sind. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Umweltschutzorganisation fordert daher eine verbindliche Landstrompflicht sowie Anlaufverbote für Schiffe, die nicht über die notwendige Anschlusstechnik verfügen. Ziel müsse eine verbindliche Umstellung auf klimafreundliche Antriebe sein. Trotz der aktuellen Defizite hält der NABU eine erste klimaneutrale Kreuzfahrt bereits vor dem Jahr 2030 für technisch realisierbar.
Branchenwachstum und zukünftige Investitionsvorhaben
Die Kritik fällt in eine Phase massiven Wachstums der Kreuzfahrtindustrie. Im Jahr 2025 wurden weltweit 37,2 Mio. Kreuzfahrtpassagiere gezählt, was einer Steigerung von 7,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aktuell sind mehr als 420 Kreuzfahrtschiffe im Einsatz. Besonders in Deutschland ist das Interesse ungebrochen: 2025 starteten 1,51 Mio. Passagiere in deutschen Häfen – ein Plus von 4,1 % und ein neuer Rekordwert. Insgesamt verzeichnete der deutsche Markt 2,8 Mio. Kreuzfahrtpassagiere, was einem Zuwachs von 10 % entspricht. In Hamburg legten im selben Zeitraum 291 Schiffe an, in Kiel waren es 171.
Die Branche reagiert auf den ökologischen Druck mit langfristigen Zusagen. Bis zum Jahr 2036 sind Investitionen in Höhe von 70 Mrd. Euro geplant. Einzelne Unternehmen setzen sich zudem konkrete Reduktionsziele: So plant TUI, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um 27,5 % zu senken.
Landstrom wird kaum genutzt, obwohl er in Hamburg, Kiel und Rostock verfügbar ist. Unser Report zeigt, wie Sie Reedereien erkennen, die auf saubere Technologien setzen – und welche Alternativen es gibt. Nachhaltige Kreuzfahrt-Tipps sichern
Innovative Konzepte für die Zukunft
Technologische Hoffnungsträger könnten den Wandel beschleunigen. Die Meyer Werft präsentierte mit der „Vision“ ein E-Schiff-Konzept für 1.860 Passagiere, dessen Auslieferung im Jahr 2031 möglich sein soll. Auch auf regulatorischer Ebene wird der Druck erhöht: Die Stadt Hamburg plant, ab dem Jahr 2027 eine Landstrompflicht einzuführen, um die Emissionen während der Liegezeiten zu minimieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Branche von ihrem fossilen Kurs abzubringen.
