Krisenführung, Vertrauen

Krisenführung: Vertrauen schlägt Kontrolle – Studie belegt Erfolgsformel

26.05.2026 - 00:02:09 | boerse-global.de

Eine Studie der Uni Krems belegt: Psychologische Sicherheit und Vertrauen sind in Krisen entscheidender als Überregulierung.

Krisenführung: Vertrauen schlägt Kontrolle – Studie belegt Erfolgsformel - Foto: über boerse-global.de
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Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität für Weiterbildung Krems (UWK) unter der Leitung von Doris Behrens. Stattdessen braucht es Vertrauen, soziale Dynamik und dienende Führung.

Die Analyse von Fallbeispielen aus öffentlicher Verwaltung, Profisport und technologischer Transformation macht deutlich: Psychologische Sicherheit und weniger Überregulierung entscheiden darüber, ob Organisationen unter Druck stabil bleiben oder scheitern.

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Was erfolgreiche Krisenführung ausmacht

Im Zentrum der Forschung steht das Gwent Test, Trace and Protect Service (GTTPS) in Wales. Dieses komplexe Multiteam-System kam während der Covid-Krise zum Einsatz – und war überdurchschnittlich erfolgreich.

Die Forscher identifizierten eine Führungskultur auf Vertrauensbasis als entscheidenden Faktor. In Phasen hoher Unsicherheit schaffe dienende Führung (Servant Leadership) eine Atmosphäre psychologischer Sicherheit. Teams könnten so effektiver agieren.

Die Ergebnisse basieren auf Daten aus dem Herbst 2021. Sie legen nahe: Führungskräfte müssen in Krisen primär die soziale Dynamik moderieren. Ein zentrales Hindernis ist Überregulierung. Sie wirkt demotivierend und verhindert die nötige Flexibilität.

Werder Bremen setzt auf Kontinuität

Ein aktuelles Beispiel aus dem Profisport liefert Werder Bremen. Der Aufsichtsrat bestätigte Clemens Fritz gestern einstimmig als Geschäftsführer Sport. Das Votum fiel mit 9:0 Stimmen aus.

Der Verein schloss die Saison 2025/26 auf dem 15. Tabellenplatz mit 32 Punkten ab – nur knapp an der Relegation vorbei. Dennoch setzte das Gremium auf Stabilität.

Ausschlaggebend war das Krisenmanagement von Fritz: die Verpflichtung von Trainer Daniel Thioune und Kaderplaner Markus Pilawa sowie der verstärkte Einsatz datenbasierter Analysetools. Kritik an der Transferpolitik – sieben von acht Neuzugängen waren nur ausgeliehen – wog weniger schwer.

Die Führung knüpft den weiteren Verbleib jedoch an eine stabile Entwicklung und mehr offensive Durchschlagskraft in der kommenden Saison.

Fortuna Düsseldorf: Trennung nach Abstieg

Ganz anders die Situation bei Fortuna Düsseldorf. Sportvorstand Sven Mislintat verständigte sich am späten Samstagabend auf eine einvernehmliche Trennung. Der Schritt erfolgte nur eine Woche nach dem Abstieg in die 3. Liga – und lediglich ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt.

Neben sportlichen Gründen spielten offenbar auch interne Faktoren eine Rolle. Der Fall stützt die These der UWK-Studie: Die soziale Dynamik und das interne Vertrauensverhältnis wiegen oft schwerer als reine Ergebnisse.

KI-Integration: Der große Hürdenlauf

Der technologische Wandel stellt Führungskräfte vor massive Herausforderungen. Eine gestern veröffentlichte Studie des IT-Dienstleisters Zoi zeichnet ein ernüchterndes Bild. Befragt wurden 500 IT-Verantwortliche in Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern.

76 Prozent der Unternehmen experimentieren derzeit mit KI-Agenten. Doch nur 19 Prozent haben die Technologien in Kernprozesse integriert. Die Hindernisse: veraltete IT-Infrastruktur, fehlendes Fachwissen und die schwierige Integration in Altsysteme.

Ein deutliches Defizit zeigt sich bei der Zielsetzung. Nur etwa ein Drittel der Unternehmen verfolgt messbare Ziele bei der KI-Einführung. Immerhin: 79 Prozent rechnen nicht mit krisenbedingten Jobverlusten durch KI.

Radikale Modernisierung unter Kriegsbedingungen

Ein extremes Beispiel für Modernisierung in der Krise liefert die Ukraine. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow treibt dort eine umfassende Reform voran. Dazu gehören die Halbierung der stellvertretenden Minister und die Gründung eines KI-Zentrums zur Prognose militärsicher Aktionen.

Durch KI-gestützte Bedarfsermittlung konnte die Effizienz gesteigert werden. Im April 2026 fing die ukrainische Verteidigung über 50 Prozent der gegnerischen Drohnen ab – ein Erfolg, der auf Fedorows Strukturreformen zurückgeführt wird.

Politik in der Kritik: Fehlende Krisenvorsorge

Auch auf politischer Ebene wird die Krisenvorsorge kritisch hinterfragt. In Österreich steht die Dreier-Koalition in der Kritik, notwendige Strukturreformen in Budget und Verteidigung zu vernachlässigen. Analysten bemängeln ausbleibende Einsparungen im Doppelbudget 2027/28.

Militärexperte Franz-Stefan Gady beschreibt ein düsteres Szenario: Ab 2029 könnte ein großflächiger Konflikt in Europa Österreich als logistische Drehscheibe für Militärtransporte treffen. Cyberangriffe, Sabotageakte und Marschflugkörper könnten die Infrastruktur lahmlegen.

Gady kritisiert mangelnde politische Vorbereitung und fehlende Protokolle für den Datenaustausch mit internationalen Partnern.

Eskalation in der Ukraine

Der schwerste russische Angriff auf Kiew seit Kriegsbeginn untermauert diese Sicherheitsdimension. Der Einsatz einer atomwaffenfähigen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik mit Geschwindigkeiten über 12.000 km/h markiert eine neue Stufe.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte im Mai die Ukraine und die Frontregion Saporischschja. Er betonte angesichts dieser Entwicklungen Deutschlands besondere Verantwortung für die europäische Sicherheit.

Die neue Führungsrealität

Führung im Jahr 2026 ist weniger denn je ein rein administrativer Akt. Die Fähigkeit, inmitten von technologischem Umbruch, sportlichem Druck oder existenzieller Bedrohung Ruhe zu bewahren, entscheidet über langfristigen Erfolg.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Organisationen die Lehren umsetzen können. Konkret bedeutet das: bürokratische Hürden abbauen, psychologische Gesundheit fördern und Eigenverantwortung stärken.

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Während in der Technologie die Integration von KI im Vordergrund steht, bleibt in Politik und Sport die Frage nach der richtigen Balance zwischen Vertrauen und personellen Konsequenzen zentral. Die Debatte um das Einstimmigkeitsprinzip in der EU-Außenpolitik zeigt: Auch auf supranationaler Ebene wird nach neuen Führungsgrundsätzen gesucht.

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