Krypto-Lizenzfrist endet: Nur 210 von 1.200 Anbietern reguliert
Veröffentlicht am: 24.06.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am 1. Juli endet die Ăbergangsfrist â Tausende Anbieter stehen ohne Lizenz da.
Der europĂ€ische Kryptomarkt erlebt einen fundamentalen Wandel. Mit der vollstĂ€ndigen Umsetzung der Markets in Crypto-Assets-Verordnung (MiCA) am 1. Juli 2026 endet eine Ăra der weitgehenden Selbstregulierung. Nur noch wenige Tage bleiben unregulierten Anbietern, um ihre GeschĂ€fte in der EU geordnet abzuwickeln. Die Lage ist brisant: Von ĂŒber 1.200 aktiven Firmen im EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum (EWR) hatten Stand Mai lediglich rund 210 die notwendige Lizenz erhalten.
Kein Aufschub â ESMA bleibt hart
Die EuropĂ€ische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) hat bereits Mitte April klargestellt: Eine VerlĂ€ngerung der Frist wird es nicht geben. Unlizenzierte Krypto-Dienstleister (CASP) mĂŒssen ihre GeschĂ€ftstĂ€tigkeit geordnet einstellen. Konkret bedeutet das: Keine neuen Kunden mehr aufnehmen, sĂ€mtliche MarketingaktivitĂ€ten in der EU stoppen. Wer sich nicht daran hĂ€lt, riskiert empörte Reaktionen der Aufsichtsbehörden â in LĂ€ndern wie Frankreich drohen sogar strafrechtliche Konsequenzen.
OpenPayd sichert sich Lizenz â und plant Börsengang
Ausgerechnet in der heiĂen Phase vor dem Stichtag gelang einem der groĂen Infrastrukturanbieter der Durchbruch. Am 24. Juni erhielt OpenPayd von der maltesischen Finanzaufsicht (MFSA) die Zulassung als lizenzierter CASP. Das Unternehmen, das jĂ€hrlich ĂŒber 240 Milliarden Euro an Transaktionsvolumen fĂŒr Kunden wie Kraken, OKX und eToro abwickelt, kann nun ĂŒber das EU-Passporting im gesamten EWR operieren.
Die Lizenz deckt zentrale Dienstleistungen ab: Fiat-Stablecoin-Schnittstellen, Verwahrung und Wallet-Infrastruktur. FĂŒr OpenPayd ist das ein entscheidender Schritt zur Etablierung digitaler Vermögenswerte im Mainstream-Finanzsystem.
Doch das Unternehmen denkt bereits weiter. Geplant ist eine Notierung an der Nasdaq durch eine Fusion mit Titan Acquisition Corp. Der Deal, der das Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro bewertet, soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
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GroĂe Namen drin â Binance drauĂen?
WĂ€hrend BranchengröĂen wie Coinbase, Kraken und Revolut in Irland, Luxemburg oder Zypern Lizenzen ergattert haben, sieht es fĂŒr andere finster aus. Binance etwa zog seinen Antrag in Griechenland zurĂŒck und stöĂt in mehreren EU-Staaten auf Widerstand. Die Börse betont zwar, den europĂ€ischen Markt nicht aufgeben zu wollen, und sucht nach alternativen Wegen. Doch die Zeit wird knapp.
Kleine Anbieter vor dem Aus â neue Partnerschaften entstehen
Die Regulierungswelle zwingt vor allem kleinere Plattformen zum Umdenken. Statt selbst eine Lizenz zu beantragen â ein aufwendiger und teurer Prozess â wandern viele zu regulierten Verwahrern ab. Ein Beispiel: Die Partnerschaft zwischen BitGo Europe und Bielik.io zeigt, wohin die Reise geht.
Ein einheitlicher Markt fĂŒr Krypto-Dienstleistungen
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MiCA schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen fĂŒr Stablecoins und Dienstleister. Ausgenommen bleiben vollstĂ€ndig dezentrale Protokolle und digitale ZentralbankwĂ€hrungen (CBDCs). Der Ăbergang verlief in Europa jedoch alles andere als reibungslos. WĂ€hrend Litauen seine Ăbergangsfrist bereits Ende 2025 abschloss, hinken andere LĂ€nder wie Polen mit der Umsetzung hinterher.
FĂŒr Unternehmen, die den Prozess erfolgreich durchlaufen haben â wie CoinShares, das im Juli 2025 als erster regulierter Vermögensverwalter die MiCA-Zulassung erhielt â eröffnen sich neue Wege zur institutionellen Adoption. FĂŒr alle anderen bleibt nach dem 1. Juli nur der RĂŒckzug aus dem europĂ€ischen Markt.
