Krypto-Sicherheit: Solana-Mitgründer warnt vor Phishing statt KI-Angriffen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie größte Bedrohung für Besitzer digitaler Vermögenswerte geht nach Einschätzung von Anatoly Yakovenko nicht von hochentwickelten Rechentechnologien aus, sondern von menschlicher Täuschung. In einem Beitrag auf der Plattform X warnte der Solana-Mitgründer davor, dass Phishing und Social Engineering die zentralen Risikofaktoren für Krypto-Nutzer darstellen.
Die Gefahr liege nicht darin, dass künstliche Intelligenz kryptografische Mathematik bricht oder Quantencomputer Verschlüsselungen aushebeln, sondern in gezielten Manipulationen der Anwender selbst.
Schutz durch gehärtete Hardware und Multisignatur
Um sich gegen derartige Angriffe abzusichern, empfiehlt Yakovenko ein mehrstufiges Sicherheitskonzept. Nutzer sollten ein dediziertes iOS-Gerät im sogenannten Lockdown-Modus von Apple verwenden und dieses mit einer Multisignatur-Wallet kombinieren. Der Lockdown-Modus ist ein optionaler Schutzmechanismus des Betriebssystems gegen hochentwickelte, gezielte Angriffe wie Spionage-Software.
Als konkretes und zugleich kostengünstiges Setup nannte Yakovenko eine 2-von-3-Signaturregel, bei der Transaktionen von mindestens zwei separaten Schlüsseln autorisiert werden müssen. Als exemplarisches Multisignatur-Werkzeug verwies er auf das Protokoll Squads. Durch solche Vorkehrungen lässt sich verhindern, dass der Verlust eines einzelnen privaten Schlüssels direkt zum Totalverlust führt.
Sicherheitsvorfälle im Krypto-Sektor häufen sich
Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund wiederholter Sicherheitszwischenfälle in der Branche. So meldete Solana Mobile kürzlich einen unbefugten Zugriff auf das Publishing-Portal des hauseigenen dApp-Stores, der in der Folge behoben wurde; Angaben zur Schadenshöhe wurden nicht gemacht.
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Vor der Behebung war im App-Spotlight-Bereich des dApp-Stores rund eine Stunde lang eine gefälschte Anwendung zur Anforderung von SKR-Token sichtbar, die Seed Phrases der Nutzer abfragte.
Dass auch große Handelsplätze Ziel komplexer Angriffe sind, zeigte Binance: Die Börse meldete am 29. Oktober 2026 betroffene Vermögenswerte von 6,34 Mrd. USD nach einer Attacke auf die Hot Wallet namens Binance 14. Die Täter nutzten den Ethereum-Standard EIP-7702 für dauerhafte Berechtigungen.
Die Kompromittierung begann bereits im September über monatelange gefälschte Bewerbungsgespräche, gefolgt von manipulierter Entwicklersoftware rund um das pyenv-Tool und einem unbefugten Zugriff auf die Rechner zweier Wallet-Ingenieure am 20. Oktober.
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Auch die brasilianische Plattform Mercado Bitcoin setzte nach einer am 2. November erkannten Sicherheitsverletzung Ein- und Auszahlungen aus. Der Stablecoin-Emittent Tether fror im Zusammenhang mit diesem Vorfall 4,5 Mio. USDT ein.
Statistische Dimension der Wallet-Verluste
Auswertungen des Analysehauses Chainalysis belegen das Ausmaß privater Vermögensverluste: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 713 Mio. USD aus persönlichen Wallets entwendet, verteilt auf 158.000 Vorfälle und mindestens 80.000 geschädigte Personen.
Im Jahr 2024 hatte dieser Betrag noch bei 1,5 Mrd. USD gelegen. Mit rund 26.500 Opfern entfiel die höchste absolute Zahl betroffener Nutzer auf das Solana-Netzwerk.
Auch der Halbjahresbericht des Sicherheitsunternehmens CertiK für die erste Hälfte des Jahres 2026 verdeutlicht die Relevanz dieser Angriffsmuster. In diesem Zeitraum verursachten Wallet-Kompromittierungen Schäden in Höhe von 444.531.691 USD, was 33,8 % der erfassten Gesamtsumme bei 33 Fällen entsprach. Phishing-Angriffe machten mit 63 registrierten Fällen und einem Verlust von 366.312.027 USD rund 27,8 % des Schadensvolumens aus.
