Kuhmilch, Proteintrend

Kuhmilch im Proteintrend: Absatz steigt, doch Vollmilch hat mehr Kalorien

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 11:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Milchwirtschaft meldet steigende TrinkmilchverkÀufe und starke Nachfrage nach proteinreichen Frischeprodukten, steht aber unter Kostendruck.
Ein einzelnes Glas frische Milch auf einem rustikalen Holztisch in einem hellen, sonnendurchfluteten Raum. Illustration mit AI erstellt.

Über Jahre hinweg galt das tĂ€gliche Glas Milch vor allem jĂŒngeren Generationen als ĂŒberholtes Ritual, wĂ€hrend pflanzliche Alternativen auf Basis von Hafer, Mandeln oder Erbsen stetig an Bedeutung gewannen.

Aktuelle Medienberichte und Branchenbeobachtungen analysieren nun jedoch, ob der traditionellen Kuhmilch im Zuge des Trends zu proteinreicher ErnÀhrung eine Renaissance bevorsteht. Vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an NÀhrstoffdichte wird Trinkmilch zunehmend wieder als PowergetrÀnk wahrgenommen und vermarktet.

Absatzwende bei Trinkmilch und proteinreichen Frischeprodukten

In der Milchwirtschaft zeichnet sich eine Trendwende ab. Auf einer Pressekonferenz in Dresden erklĂ€rte Detlev Latka, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Milchwirtschaft (MIV) und GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Hochwald, dass der Absatz von Trinkmilch nach jahrelangem RĂŒckgang wieder steige.

Zudem verzeichne die Branche eine gute Nachfrage nach Frischeprodukten wie Joghurt, Quark und Skyr mit zusÀtzlichem Proteingehalt. Auch der Absatz proteinreicher Zwischenprodukte wie WPC80 und WPI90 wachse zweistellig.

Internationale Marktdaten stĂŒtzen diese Beobachtung. Im Vereinigten Königreich melden der LebensmitteleinzelhĂ€ndler Tesco sowie die Molkerei Jersey Dairy deutliche AbsatzzuwĂ€chse bei Vollmilch, wĂ€hrend die VerkĂ€ufe von Halbfett- und Magermilch zurĂŒckgehen.

Eamon Fenlon von Jersey Dairy begrĂŒndete die Entwicklung damit, dass insbesondere jĂŒngere Verbraucher gezielt nach proteinhaltigen Nahrungsmitteln suchen. Ian Givens von der UniversitĂ€t Reading gab diesbezĂŒglich allerdings zu bedenken, dass der Unterschied im Proteingehalt zwischen Mager-, fettarmer und Vollmilch vernachlĂ€ssigbar sei.

Auch in Nordamerika setzt das Marketing verstĂ€rkt auf diesen Aspekt. Der Milchviehverband im kanadischen Ontario wirbt im Rahmen einer Plakatkampagne fĂŒr Kuhmilch als Alternative zu Softdrinks: Neben Burgern und Pommes abgebildet, hebt der Slogan hervor, dass ein Glas Milch neun Gramm Protein liefere.

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Proteinfokus und ernÀhrungsphysiologische Debatten

Der verĂ€nderte Blick auf das Produkt fĂŒgt sich in einen weltweiten Nachfrageanstieg nach NĂ€hrstoffen ein. Gilberto Tomazoni, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des brasilianischen Fleischkonzerns JBS, sprach in diesem Zusammenhang von einer Wiederentdeckung des Proteins als zentralem Gesundheitsfaktor.

Einer Markterhebung von Circana aus dem August zufolge streben 48 Prozent der Erwachsenen in den USA nach mehr Protein in ihrer ErnÀhrung, was einem Anstieg um sieben Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Begleitet wird die Renaissance von ernĂ€hrungswissenschaftlichen Diskussionen ĂŒber die Fettzusammensetzung. Die British Heart Foundation weist darauf hin, dass Vollmilch bis zu dreimal so viel gesĂ€ttigte FettsĂ€uren und etwa 50 Prozent mehr Kalorien aufweist als Halbfettmilch.

Astrid Denzinger von der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft betonte hingegen, dass ein Glas Vollmilch lediglich 40 Kilokalorien mehr als fettarme Milch enthalte.

Zudem deuten neuere epidemiologische Studien darauf hin, dass der Konsum von Milch trotz des Gehalts an gesĂ€ttigten FettsĂ€uren mit einem geringeren Risiko fĂŒr Herzkrankheiten, Bluthochdruck, SchlaganfĂ€lle und Typ-2-Diabetes sowie Hinweisen auf eine geringere Gewichtszunahme einhergehen kann. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung empfiehlt den Verzehr von drei Portionen Milchprodukten ĂŒber den Tag verteilt.

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Kostensteigerungen und Marktperspektiven

Trotz der stabilisierten Nachfrage stehen milchverarbeitende Betriebe vor wirtschaftlichen Belastungen. Der MIV erwartet weiter steigende Preise fĂŒr Molkereiprodukte.

Nach einem hohen Milchangebot im ersten Halbjahr 2026 ging die Menge in der zweiten JahreshĂ€lfte infolge von DĂŒrre und schlechten Raufutterernten deutlich zurĂŒck, wĂ€hrend die Betriebskosten stark zulegten. Latka forderte daher, dass der Lebensmitteleinzelhandel bei anstehenden Vertragsverhandlungen höhere Abgabepreise zahlen mĂŒsse.

In welchem Umfang die traditionelle Trinkmilch ihre Marktposition langfristig gegenĂŒber Alternativen festigen kann, bleibt unterdessen Gegenstand wissenschaftlicher Modellrechnungen.

Eine gemeinsame Studie von Agora Agrar, der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und der UniversitĂ€t Hohenheim untersucht fĂŒr alternative Milchprodukte in Deutschland bis 2035 Szenarien, in denen diese Erzeugnisse Marktanteile von 12,5 beziehungsweise 25 Prozent erreichen.

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