Kultiviertes Schweineprotein: Ever After Foods meldet 19-fache ProduktivitÀt
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Transformation der Lebensmittelversorgung gewinnt zunehmend an Dynamik, da die Nachfrage nach nachhaltigen und diversifizierten Proteinquellen weltweit steigt. Um diesen Wandel strukturiert zu begleiten, nahm die Deutsche Protein Allianz e.V. mit Sitz in Oldenburg Ende September 2026 ihre Arbeit auf.
Der neugegrĂŒndete Verein setzt darauf, zentrale Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzubringen, um praxisnahe Lösungen fĂŒr die Proteinversorgung der Zukunft zu etablieren.
Vernetzung und Fokus auf kombinierte Produkte
Die Deutsche Protein Allianz zielt darauf ab, Vertreter aus Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Wissenschaft, Handel, AuĂer-Haus-Verpflegung und Politik miteinander zu vernetzen. Das erklĂ€rte Ziel besteht darin, tragfĂ€hige Wertschöpfungsketten fĂŒr neuartige Proteinlösungen aufzubauen.
Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zÀhlen nach Angaben der Organisation tierische sowie pflanzliche und sonstige nicht-tierische Proteine. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt zudem auf kombinierten Proteinprodukten, etwa Mischungen aus konventionellem Fleisch und Proteinen aus Erbsen, Bohnen oder Pilzen.
Konkrete Projekte, die sich ausschlieĂlich auf rein tierische Proteine konzentrieren, werden derzeit nicht verfolgt; die Allianz richtet ihr Augenmerk vorrangig auf solche HybridansĂ€tze.
Organisatorisch befindet sich derzeit ein interdisziplinĂ€r besetzter Beirat im Aufbau. Die Finanzierung der Allianz erfolgt ĂŒber zeitlich befristete Zuwendungen nicht namentlich genannter philanthropischer Stiftungen. Simone Poppe, GrĂŒnderin und Vorsitzende des Vereins, betonte, dass Deutschland ĂŒber alle Voraussetzungen verfĂŒge, die fĂŒr eine erfolgreiche Umsetzung einer breiten Proteinvielfalt erforderlich seien.
Technologische Fortschritte bei kultiviertem Protein
Wie dynamisch sich das technologische Umfeld fĂŒr zukunftsfĂ€hige Proteine entwickelt, verdeutlichen zeitgleiche Fortschritte bei der zellulĂ€ren Landwirtschaft. Das Unternehmen Ever After Foods und der Stammzellspezialist Roslin Technologies meldeten bei kultiviertem Schweineprotein signifikante ProduktivitĂ€tszuwĂ€chse.
Die gemeldeten ProduktivitĂ€tswerte bei kultiviertem Schweineprotein â bis zu 19-fach höhere Protein- und Trockenbiomasse-Ausbeute gegenĂŒber der Suspensionskultur â verschieben die Kalkulationsgrundlage fĂŒr Investoren und Produzenten. Angaben zu Bioreaktor-Volumen, Kulturdauer und Produktionskosten stehen allerdings noch aus. Wer die Tragweite fĂŒr eigene Bewertungen einordnen will, findet im kostenlosen Report Marktanalyse, Skalierungs-Checkliste und Compliance-Ăberblick. Kostenlosen Markt-Report anfordern
Im Vergleich zu einer konventionellen RĂŒhrkessel-Suspensionskultur erreichten die Partner eine bis zu 19-fach höhere ProduktivitĂ€t bei kultiviertem Protein und Trockenbiomasse sowie eine 11-fach höhere Nassbiomasse-ProduktivitĂ€t.
Die volumetrische Ausbeute belief sich auf 326 g/L Nassbiomasse, 57 g/L Trockenbiomasse und 40 g/L kultiviertes Protein bei einer Zelldichte von ĂŒber 150 Mio. Zellen/ml.
Ermöglicht wurde dies durch eine Kombination aus pluripotenten porzinen Stammzellen von Roslin Technologies und dem sogenannten Edible-Packed-Bed-System von Ever After Foods. Die Technologie kombiniert eine rund fĂŒnffach höhere Zelldichte mit einer etwa vierfach höheren Protein- und Trockenbiomasseausbeute pro Einzelzelle.
Das strukturierte Gewebe wĂ€chst dabei direkt auf einem essbaren pflanzlichen TrĂ€germaterial namens PlantriX, das weniger als 2 % des finalen Produktgewichts ausmacht; die gemessenen ErtrĂ€ge verstehen sich exklusive dieses GerĂŒsts und des Kulturmediums.
Barak Zohar, Chief Technology Officer von Ever After Foods, verwies darauf, dass mit denselben Zellen das 19-Fache an Protein und Trockenbiomasse pro Liter im Vergleich zum Suspensions-Benchmark erzielt worden sei.
Ernst van Orsouw, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Roslin Technologies, hob hervor, dass sich die eingesetzten Zellen als langlebig, schnell wachsend und genetisch stabil erwiesen hĂ€tten. Angaben zum genauen Bioreaktor-Arbeitsvolumen, zur Kulturdauer und zu den Produktionskosten machten die Unternehmen bislang nicht.
Wachsende Branchenstrukturen und industrielle Skalierung
Die Entwicklungen spiegeln eine zunehmende Professionalisierung des Marktes wider. Roslin Technologies hatte sich zuvor im Rahmen einer von Novo Holdings gefĂŒhrten Finanzierungsrunde 11 Mio. Pfund gesichert.
Neuartige Proteinquellen treffen auf ein regulatorisches Umfeld, das noch keine einheitlichen Zulassungspfade kennt â und auf Produktionskosten, die sich erst bei kommerzieller Skalierung zeigen. Dieser Leitfaden ordnet die Compliance-Anforderungen und die offenen Kostenfragen kultivierter Proteine nĂŒchtern ein. Compliance-Ăberblick jetzt sichern
Ever After Foods stĂ€rkte seine Aufstellung durch ZukĂ€ufe und Kooperationen: Im August 2026 ĂŒbernahm das Unternehmen den belgischen Fischzellspezialisten Fishway und arbeitet zudem bereits seit 2025 mit dem Technologiekonzern BĂŒhler an der Realisierung von Produktionsanlagen im kommerziellen MaĂstab. Initiativen wie die Deutsche Protein Allianz treffen somit auf einen Sektor, der sich technologisch rasch weiterentwickelt.
