Kunststoffpartikel: PET bleibt 14 Tage in der Lunge und löst Entzündungen aus
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 08:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt eine aktuelle Studie der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie.
PET-Partikel verursachen dosisabhängige Entzündungen
Das Team um Michelle Epstein untersuchte die Wirkung von Polyethylenterephthalat-Partikeln (PET) auf den Atemtrakt von Mäusen. Die 2,74 Mikrometer großen Teilchen verblieben mindestens zwei Wochen in der Lunge. Die Forscher beobachteten einen signifikanten Anstieg von Eosinophilen und Lymphozyten.
Besonders alarmierend: Bei hohen Dosen von 270 Mikrogramm entwickelten die Tiere eine neutrophile Entzündung mit verstärkter Schleimproduktion. In Kombination mit Ragweed-Pollen stieg die Lymphozytenzahl um das 2,2-fache. „PET ist nicht immunologisch inert", betont das Forschungsteam. Die Partikel verändern die Produktion von Zytokinen wie IL-2, IL-4 und IFN-?.
Das gemischte Entzündungsmuster aus eosinophilen und neutrophilen Zellen kennen Mediziner vor allem von schweren Asthmaverläufen.
Epithelzellen als Treiber der Entzündung
Das Hudson Institute of Medical Research lieferte im Juli 2026 parallele Erkenntnisse zur Silikose-Forschung. Nicht Immunzellen, sondern Epithelzellen der Atemwege sind demnach die zentralen Auslöser von Entzündungen. Das Protein NLRP3 in diesen Zellen startet die Entzündungskaskade und die anschließende Fibrose.
Die gezielte Entfernung von NLRP3 aus den Epithelzellen reduzierte die Entzündung in Laborversuchen deutlich. Das ist relevant: Die Silikose-Inzidenz stieg global zwischen 1990 und 2019 um 64,6 Prozent. Die neu identifizierten Neutrophilen-Populationen eröffnen Ansätze für inhalative Therapien – auch gegen Mikroplastik und Feinstaub.
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Mikroplastik gelangt in Blut, Organe und Plazenta
Die Belastung beschränkt sich nicht auf die Lunge. Partikel unter fünf Millimetern wurden bereits in menschlichem Blut, Organen und der Plazenta nachgewiesen. Ein Bericht vom April 2026 belegt Polymere wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und PVC in Süßwasserfischen aus dem Syrdarya-Becken.
Bereits im November 2025 wies Dr. Ganot Sumulyo von der IPB University auf Risiken für Schwangere hin. Nanopartikel passieren die Plazenta – im Tierversuch korrelierte das mit niedrigerem Geburtsgewicht und Wachstumsverzögerungen. In menschlichem Fruchtwasser und Urin von Schwangeren wurde Mikroplastik bereits gefunden. Als Folgen diskutieren Forscher oxidativen Stress und Plazentastörungen.
Behörden reagieren – technische Lösungen in Sicht
Angesichts der Datenlage zu Schlaganfällen und Arteriosklerose durch Mikroplastik im Blut bereiten Behörden regulatorische Schritte vor. Der Chef der indonesischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde BPOM, Taruna Ikrar, kündigte im Juli 2026 nationale Grenzwerte an. Internationale Standards von WHO oder FAO fehlen bislang.
Auf technischer Ebene gibt es Fortschritte:
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- Waschmaschinenfilter: Die EU plant Vorschriften für Neugeräte. Pro Waschgang entsteht rund ein Gramm Mikroplastik. Spezialfilter können bis zu 97 Prozent der Partikel ab zehn Mikrometern abfangen.
- Abwasserreinigung: Das RMIT stellte im Juli 2026 eine Doppelblasenmethode vor. Die Kombination von Mikro- und Nanoblasen entfernte in Tests über 90 Prozent des Mikroplastiks – ohne Umbau der Kläranlagen.
Eine Langzeitstudie in Jakarta belegt seit 2022 die Allgegenwart der Partikel: Jede Regenprobe in städtischen Gebieten enthält Mikroplastik aus synthetischen Fasern, Reifenabrieb und Kunststoffverbrennung. Experten raten zur Vermeidung an der Quelle. Die nachträgliche Sanierung, etwa bei PFAS-Belastungen, ist meist logistisch und finanziell kaum realisierbar.
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