Kunsttherapie, Studien

Kunsttherapie: 149 Studien belegen Nutzen bei Angst und Depression

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Lancet-Roadmap bündelt Belege für Kunst als Gesundheitsressource und skizziert ihre Einbindung in Prävention, Therapie und Versorgung.

Kunst und Gesundheit: Lancet-Roadmap für globale Versorgungssysteme
Ein sonnendurchflutetes, leeres Kunstatelier mit einer Staffelei in der Mitte vor großen Fenstern. Illustration mit AI erstellt.

Kulturelle Aktivitäten und künstlerisches Schaffen rücken zunehmend in das Blickfeld der internationalen Gesundheitspolitik. Eine umfassende Roadmap der Jameel Arts & Health Lab–Lancet Global Collection on Arts and Health skizziert, wie Kunst und kulturelle Teilhabe künftig weltweit in Versorgungs- und Gesundheitssysteme integriert werden können.

Das Spektrum reicht dabei von der bevölkerungsweiten Prävention über kommunale Programme bis hin zur direkten klinischen Anwendung. Die beteiligten Fachleute schlagen vor, kulturelles Engagement als wesentliches gesundheitsförderndes Verhalten anzuerkennen – auf einer Stufe mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und ausreichendem Schlaf.

Wissenschaftliche Befunde zur gesundheitlichen Wirkung

Die Initiative stützt sich unter anderem auf zwei Kernveröffentlichungen in der Fachzeitschrift The Lancet. Die erste Arbeit mit dem Titel „The arts as a global health resource“, verfasst von Erstautorin Nisha Sajnani von der New York University gemeinsam mit Daisy Fancourt vom University College London, bündelt die Evidenz zu Musik, Tanz, bildender Kunst und Theater.

Demnach entfalten diese Ausdrucksformen messbare Effekte auf die psychische, physische und soziale Gesundheit über alle Lebensphasen hinweg. Ein zweites Strategiepapier, an dem unter anderem Professor Agustín Ibáñez vom Global Brain Health Institute des Trinity College Dublin sowie der Universidad Adolfo Ibáñez beteiligt ist, fordert gleichen Zugang, evidenzbasierte Interventionen und sektorübergreifende Investitionen.

Eine breite Übersichtsarbeit von 149 systematischen Reviews und Metaanalysen zu nichtübertragbaren Erkrankungen verzeichnet kleine bis moderate Verbesserungen bei Angst, Depression, funktioneller Leistungsfähigkeit sowie Lebensqualität gegenüber der Standardversorgung.

Die untersuchten Aktivitäten – darunter das Hören von Musik, Gesang, Bildhauerei und darstellendes Spiel – zeigten positive Einflüsse bei Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden sowie neurologischen und psychischen Krankheiten.

Bei älteren Erwachsenen verbessert Tanz das Gleichgewicht sowie die Beinkraft und mindert Sturzrisiken ähnlich wirksam wie konventionelle Bewegungsprogramme. Der Einsatz von Musik vor und während operativer Eingriffe verringert Schmerzen, verkürzt Operationszeiten und senkt den Bedarf an Beruhigungs- sowie Schmerzmitteln.

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Ökonomische Bilanzen und internationale Pilotvorhaben

Neben dem klinischen Nutzen verweist die Aktionsagenda auf wirtschaftliche Parameter und nationale Umsetzungsbeispiele. In Griechenland wurde im Februar 2026 nach zwei randomisierten Studien ein nationales Rezeptprogramm für Kunst bei psychischen Leiden eingeführt.

Für die Intensivmedizin belegen Untersuchungen direkte Einsparungen von rund 2.300 US-Dollar pro Patient durch Musiktherapie, während ein staatliches Grundeinkommensprogramm für Kunstschaffende in Irland Einsparungen von 1,39 Euro je investiertem Euro erbrachte. Bei Studien zu Musikeinsätzen in der niederländischen Chirurgie zeigten sich hingegen keine signifikanten Kostenunterschiede.

Trotz dieser Datenbasis fristet die aktive Teilhabe im Alltag oft ein Schattendasein: Daten zur Zeitnutzung aus den USA zeigen, dass an einem durchschnittlichen Tag lediglich eine von zwanzig erwachsenen Personen den Künsten ihre primäre Aufmerksamkeit widmet.

Plattformen und Initiativen

Vorgestellt wird die Handlungsanleitung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Healing Arts at UNGA, NYC 2026“, die vom 19. bis zum 26. September 2026 am Skirball Center for the Performing Arts in New York angesetzt ist.

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Auch auf regionaler Ebene gewinnt das Zusammenspiel von Kultur und mentalem Wohlbefinden Raum: In Bredene richtet das Kulturzentrum De Spil gemeinsam mit regionalen Pflegepartnern vom 3. bis zum 18. Oktober 2026 das Festival La Folia aus, bei dem Jugendliche auf psychische Vulnerabilität aufmerksam machen.

Im spanischen Vitoria nutzt die Initiative SWB das Theaterfestival SukhArte Jaialdia, um seelische Krisen und familiäre Belastungen durch Bühnenkunst und Mediation öffentlich zu thematisieren.

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