Kurkuma-Präparate, Curcumin

Kurkuma-Präparate: Schon 180 mg Curcumin können Beschwerden auslösen

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berichte und Studien zeigen mögliche Wechselwirkungen, Leberschäden und Effekte auf Immunzellen durch Nahrungsergänzungsmittel und bestimmte Lebensmittel.

Nahrungsergänzungsmittel: Risiken durch Kurkuma, Medikamente und Omega-3
Rohe Kurkumawurzeln auf einem hölzernen Küchentisch neben einem Mörser im sanften Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln ist weit verbreitet, birgt jedoch bei unbedachter Dosierung und gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln erhebliche gesundheitliche Risiken. Laut einer Erhebung des Deutschen Lebensmittelverbands im Auftrag von Lebensmittelklarheit.de greifen acht von zehn Befragten regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Rund jeder Fünfte geht davon aus, dass die Einnahme zu einer gesunden Ernährung gehört. Zu den meistgenutzten Vitalstoffen zählen Vitamin C, Multivitaminpräparate mit Mineralstoffen, Vitamin D, Magnesium, Kalzium sowie Zink.

Verbraucherschützer sehen den Trend kritisch. Der Verbraucherzentrale Bundesverband betont, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel eingestuft sind und keine Krankheiten heilen dürfen. Ihre Wirksamkeit wird vor dem Inverkehrbringen behördlich nicht geprüft, und Heilversprechen sind verboten. Der Verband fordert eine strengere Überwachung, da viele Influencer die Vorgaben der europäischen Health-Claims-Verordnung missachten.

Wechselwirkungen und Risiken bei Kurkuma-Extrakten

Besondere Vorsicht ist bei hochdosierten Pflanzenextrakten geboten, die physiologische Prozesse im Körper beeinflussen können. Die neuseeländische Arzneimittelbehörde Medsafe dokumentierte bereits 2018 den Fall eines Patienten unter gerinnungshemmender Medikation, dessen INR-Wert nach der Einnahme eines Kurkuma-Präparats auf über 10 anstieg.

Medsafe rät seither, Kurkuma-Präparate nicht zusammen mit Gerinnungshemmern wie Warfarin, Thrombozytenaggregationshemmern, nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder bestimmten Antidepressiva einzunehmen. Diese Warnung bezieht sich ausschließlich auf Nahrungsergänzungsmittel und gilt nicht für Kurkuma als herkömmliches Speisegewürz.

Zusätzlich geraten mögliche Organschäden in den Fokus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies 2021 auf Verdachtsfälle von Leberschäden nach Kurkuma-Konsum hin.

Betroffen waren überwiegend Personen, die Präparate mit künstlich erhöhter Bioverfügbarkeit nutzten, häufig in Kombination mit Piperin. Im Fachjournal American Journal of Medicine bezeichneten Forscher 2022 lebertoxische Effekte durch Kurkuma als wachsendes Problem und dokumentierten zehn Fälle.

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Beschwerden wurden demnach bereits ab Dosen von 180 mg Curcumin beobachtet. Das BfR empfiehlt langfristig eine maximale Aufnahme von 3 mg Curcumin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag einschließlich der Mahlzeiten, was dem Richtwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für den Farbstoff E100 entspricht.

Bei einem Körpergewicht von 70 kg liegt die Obergrenze bei etwa 210 mg Curcumin täglich. Da herkömmliches Kurkumapulver durchschnittlich rund 3 Prozent Curcumin enthält, entspricht diese Menge ungefähr 7 Gramm Pulver. Schwangere, Stillende und Personen mit Gallensteinen sollten vollständig auf Kurkuma-Nahrungsergänzungsmittel verzichten.

Gefährliche Kombinationen mit Nahrungsmitteln

Auch extreme Ernährungsgewohnheiten können in Verbindung mit Medikamenten zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Im Journal of Emergency Medicine berichteten Ärzte über den ersten dokumentierten Fall einer Methämoglobinämie bei einem Erwachsenen durch den Verzehr von Roter Bete. Bei Säuglingen ist diese Reaktion auf nitratreiches Gemüse bereits bekannt.

Ein 82-jähriger herzkranker Mann in den USA, der zuvor Bypässe und Stents erhalten hatte, verzehrte wöchentlich knapp 3 kg gekochte Rote Bete und trank zudem das Kochwasser. Er wurde mit extrem niedrigem Blutdruck, schiefergrauer Haut und einer Sauerstoffsättigung von 88 Prozent trotz Sauerstoffgabe in der Notaufnahme der UCLA behandelt.

Sein Methämoglobinwert lag bei 21 Prozent, während Normalwerte unter 1 Prozent liegen. Als Auslöser gilt die Kombination aus den hohen Nitratmengen des Gemüses und dem Herzmedikament Isosorbid-Mononitrat. Nach Gabe eines Standardmedikaments trat eine rasche Besserung ein.

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Komplexe Effekte auf das Immunsystem

Dass isolierte Nährstoffe auch tiefgreifende Mechanismen im Immunsystem beeinflussen können, zeigt eine Studie eines Teams der Yale University School of Medicine unter Leitung des Pharmakologen Yi Luan im Fachjournal Science.

Demnach können mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Aktivität natürlicher Killerzellen dämpfen. Über das Transportprotein LRP5 gelangen die Fettsäuren in die Abwehrzellen und hemmen dort einen Stoffwechselregulator, was deren Aktivität gegen Darmtumore verringert.

In Zellversuchen sowie bei Mäusen mit Darmkrebs führte die Blockade des Proteins zu einer höheren Effektivität der Abwehrzellen. Unter einer Diät ohne LRP5 verlangsamte sich das Tumorwachstum bei den Tieren, während die Wirkung einer Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern zunahm. Die Autoren sprachen sich dafür aus, das öffentliche Bewusstsein für unbeabsichtigte Effekte von Omega-3-Präparaten zu schärfen.

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